Am Schloss Meggenhorn ist man ganz nah bei den Künstlern

Das Ensemble Kandinsky überraschte mit einem fast unbekannten Werk – und einem Klassiker in neuer Fassung.

Gerda Neunhoeffer
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Klarinettist Fabio Di Càsola auf der Terrasse am Schloss Meggenhorn.

Klarinettist Fabio Di Càsola auf der Terrasse am Schloss Meggenhorn. 

Bild: Pius Amrein (Meggen, 15. Juni 2018)

Zwischen Weihnachten und Neujahr finden die Kammerkonzerte auf Schloss Meggenhorn nun schon zum vierzehnten Mal statt. Es ist ein besonderer Treffpunkt für Musik, die man ganz nahe bei den Künstlern erleben kann. Ob Wiener Salonmusik, Streichquartett, Klaviertrio, Bläserquintett und mehr, immer wieder erweist sich der Saal in Schloss Meggenhorn als idealer Ort für «Musik in der Kammer».

So ist früher in kleineren Räumen Musik oftmals zuerst aufgeführt worden, unter Freunden, eben ganz nahe zusammen. Und wie sich damals die Zuhörer auch mit den Musikern unterhalten haben und ihre Eindrücke austauschten, so kann man das nach den Konzerten in Meggenhorn auch, beim Apéro oder gemeinsamen Menü. Hier gibt es zwar meist keine Uraufführungen, aber auch wenig bekannte Werke, spezielle Arrangements und interessante Besetzungen.

Begabtes Quartett

So auch im Eröffnungskonzert am Donnerstag «Gewagt – gewonnen» mit dem Ensemble Kandinsky. Die vielen Besucher werden neben Beethoven mit einem eher unbekannten Komponisten überrascht. Walter Rabl (1873–1940) hat in seinem Quartett in Es-Dur op. 1 romantische Sehnsucht, viel Temperament und allerlei musikalische Einfälle gekonnt vereint.

Kein Wunder, dass er damit 1896 in Wien den Kompositionswettbewerb gewann, den der Tonkünstlerverein veranstaltet hatte; Johannes Brahms war der Präsident. Warum dieses Quartett weitgehend unbekannt ist, bleibt, nachdem man es gehört hat, noch unverständlicher. Sicher ist es aber auch der Interpretation zu verdanken, in der Fabio Di Càsola die einleitende Melodie mit seiner dunkel warm klingenden Klarinette wie aus dem Nichts entstehen lässt. Andreas Janke übernimmt mit weichem Geigenton, und schon ist man in einer Klangwelt, die aufhorchen lässt.

Plötzlich brechen dramatisch zugespitzte Akkorde in die Idylle, die kurz darauf wieder in Melodien schwelgt. Impressionistische Klaviergirlanden lässt Benjamin Engeli leicht fliessend perlen. An Schuberts eindringliche Liedsprache erinnert das von Thomas Grossenbacher samten ausgespielte Cellosolo zu Beginn des Adagios. Im dritten Satz fühlt man sich in wiegenden Tanz versetzt, Anklänge an Dvorak und Brahms wirken vertraut. Doch dann kommt wieder die eigenwillige Klangsprache Rabls vielfarbig durch. Man würde es gerne nochmal hören.

Ludwig van Beethoven hat sein Septett Es-Dur op. 20 für Klarinette, Fagott, Horn, Violine, Viola, Cello und Kontrabass selbst als Klaviertrio, also für Klarinette, Cello und Klavier, umgeschrieben. Diese Fassung ist aber in Meggenhorn nicht zu hören, sondern eine Bearbeitung von Benjamin Engeli für Klarinette, Violine, Cello und Klavier, in gleicher Besetzung also wie im Quartett von Rabl. Wie Engeli Klangfarben da auf dem Klavier zaubert, so dass man meint, den typischen Hornklang, das Fagott und den Kontrabass zu hören, das ist höchste Kunst.

Casolas Klarinette ist weich in den Streicherklang eingebettet, das gemeinsame Musizieren erreicht immer wieder voll orchestrale Strahlkraft. Es gibt feine Übergänge in sanft dunkle Mollklänge, es gibt hervorragend ausgespielte Soli und ein kraftvolles Staccato, es gibt unglaublich gemeinsam empfundene Steigerungen – es ist eine reife, unvergessliche Interpretation. Wie vielfältig und spannend die Konzerte in Klang Meggen sind, zeigt sich auch im weiteren Programm bis zum Montag. Da werden auf Marimba und Vibrafon Werke von Bach bis Steve Reich erklingen – so etwas hat man in dem ehrwürdigen Saal sicher noch nie erlebt. Aber es unterstreicht die Vielseitigkeit dieser Klangreihe.