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«Gebucht» mit Intendant Numa Bischof: «Ich lasse Romane unbefleckt»

Diese Woche erklärt der umtriebige Intendant Numa Bischof, wieso er nicht in Bücher kritzelt – und weshalb er Bücher in seinem Haus manchmal hoch stapelt.

Ressort Leben & Wissen und Kultur
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Numa Bischof, 50, ist seit 2004 Intendant des Luzerner Sinfonieorchesters.

Numa Bischof, 50, ist seit 2004 Intendant des Luzerner Sinfonieorchesters.

Bild: PD

Welche Bücher liegen auf Ihrem Nachttisch?

Numa Bischof: Ein Gedichtband von Giuseppe Ungaretti, ein Künstler der Verdichtung, aus dem ich immer wieder mediterran-orientalische Düfte entnehme, sowie ein Buch über Dmitri Schostakowitsch. In Warteposition «The Sound and the Fury» von William Faulkner. In greifbarer Nähe liegt ein Bildband vom brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer, den ich auf einer Orchestertournee in der sagenhaften Livraria Cultura in São Paulo erwarb. Niemeyers Formsprache ist einzigartig und gibt mir immer wieder Anregungen.

Wie viele Bücher haben Sie zu Hause?

Ich zähle sie nicht. Es sind aber in etwa gleich viele wie Tonträger. Mehrere Wände und wachsende Säulen zeugen davon. Periodisch verjünge ich sie – so wie in einem Wald. Die besten bleiben.

Wie lesen Sie?

Intensiv. Auch vor dem Schlaf.

Kritzeln Sie Ihre Bücher mit Ihren eigenen Gedanken voll?

In Büchern aus meinem Fachgebiet kann das schon einmal vorkommen. Hochstehende Romane sind Kunstwerke, die lasse ich unbefleckt.

Gibt es ein Jugendbuch, das Sie auch als Erwachsener nochmals gelesen haben?

Urerlebnisse sind fast nicht zu übertreffen. Ich habe Respekt davor. Eine Ausnahme: «Die schwarzen Brüder», zusammen mit meiner Tochter. Das war sehr bewegend.

Wie stossen Sie auf neue Bücher?

In meiner Tätigkeit als Intendant bin ich die ganze Zeit auf der Suche. Neue Werke kennen zu lernen, vergessene auszugraben, das bewegt mich. So auch in der Literatur. Viele Empfehlungen erhalte ich von Freunden, manchmal auch aus der Zeitung. Zudem bin ich Mitglied eines Lesezirkels.

Mit welcher Romanfigur würden Sie gerne ein bisschen plaudern?

Nicht so sehr mit fiktiven Figuren. Biografische Werke über Giovanni Segantini, Frank Lloyd Wright und Arthur Rubinstein haben mich fasziniert. Mit allen würde ich gern eine lange Wanderung machen.

Welches Buch haben Sie nie zu Ende gelesen?

Das habe ich bereits vergessen.

Welchen Buchtitel würden Sie über Ihre Autobiografie setzen?

Muss alles festgehalten werden? Sicher, in meinem Leben treffe ich auf unzählige spannende Menschen. Ein Privileg. Die daraus sprudelnde Energie gebe ich in meinem Engagement für das Luzerner Sinfonieorchester an die Gesellschaft zurück. Ich weiss, dass ich so am meisten Menschen glücklich machen kann.

Welches aktuelle Buch empfehlen Sie unseren Lesern?

Eines, das immer aktuell sein wird: «The usefullness of useless knowledge» von Abraham Flexner, Gründer des «Institute for Advanced Study» in Princeton. Eine Freundin hat es mir vor einiger Zeit zugestellt. Gerade in der aktuellen Debatte zur Notwendigkeit von Wissenschaft und Wissen ist es besonders augenöffnend. Zudem ist es kurz.

Wie organisieren Sie Ihr Büchergestell?

Das Abc bietet sich an, oder? Aber ich mache das nicht ganz so systematisch wie bei meiner Tonträgersammlung (Komponist/Interpret etc.) Auf dem Buchgestell auch mal einfach gestapelt. Da kann durchaus eine horizontale Lücke gestopft werden. Es bleiben uns nicht so viele freie Flächen … und beim Stöbern in der zufälligen Anordnung ergeben sich manchmal schöne Überraschungen.

Hinweis

In der Rubrik «Gebucht» erzählen Prominente von ihren Lesegewohnheiten.

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