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Gebucht-Rubrik mit Ingrid Deltenre: «Ich lese Bücher fast nur auf dem iPad»

Die ehemalige Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre ist eine Vielleserin. «Stiller» hat sie aber nie beendet.

Ressort Leben & Wissen und Kultur
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Philomena Colatrella ist die Chefin der Krankenversicherung CSS. Die 51-Jährige hat Rechtswissenschaften studiert und lebt in Luzern.

Philomena Colatrella ist die Chefin der Krankenversicherung CSS. Die 51-Jährige hat Rechtswissenschaften studiert und lebt in Luzern. 

Bild: Alex Spichale

Welche Bücher liegen auf Ihrem Nachttisch?

Ingrid Deltenre: Keines oder viele, je nachdem wie man es sieht, weil ich Bücher praktisch nur auf meinem iPad oder Kindle lese.

Wie viele Bücher haben Sie zu Hause?

Ich weiss es nicht, viele. Aber ich will nicht die ganze Wohnung mit Bücherregalen füllen. Ausserdem habe ich kein logisches Ordnungssystem in meinen Bücherregalen. Ich bin die Einzige, die es kennt, weil ich durch das viele Suchen mittlerweile weiss, wo welches Buch vermutlich steht.

Welches Buch hat Ihr Leben verändert?

Es gibt viele Bücher, die mein Leben verändert haben, weil sie ganz generell zu meiner Bildung, zu einem besseren Verständnis und zu einer veränderten Einschätzung vieler Ereignisse in dieser Welt beigetragen haben. Seit ich «Buddenbrooks» von Thomas Mann gelesen habe, achte ich bei Familienunternehmen darauf, in welcher Generation das Familienunternehmen geführt wird. Die Schriften zur Religionssoziologie von Max Weber, insbesondere seine Überlegungen zur protestantischen Ethik, sind für mich immer noch fundamental, weil sie helfen, die unterschiedliche Wirtschaftskraft von Regionen in Europa zu verstehen. Die Lektüre von «Wild Swans: Three Daughters of China» von Jung Chang hat mir die Augen dafür geöffnet, wie es möglich war, dass Mao mit seiner fehlgeleiteten Politik der Unterdrückung über 50 Millionen Menschen in den Tod führen konnte. Auch die Bücher von Stefan Zweig, unter anderem «Die Welt von Gestern», haben mich tief beeindruckt.

Wie stossen Sie auf neue Bücher?

In der Regel sind es Buchbesprechungen in der NZZ, «Economist», «Financial Times» und auch in Ihrer Zeitung, auch die Auslagen der Buchgeschäfte animieren mich zum spontanen Kauf.

Wie entscheiden Sie sich, welches Buch Sie lesen?

Das ist unterschiedlich und hängt von der Stimmung ab. Auf Ferienreisen lese ich Bücher von Autoren des entsprechenden Landes. Bücher wie «Wolf Totem» von Jiang Rong oder «Brüder» von Yu Hua haben mir die chinesische Kultur nähergebracht. «Der Glaspalast» von Amitav Ghosh habe ich auf meiner Burmareise gelesen. «Hundert Jahre Einsamkeit» und «Der General in seinem Labyrinth» von Gabriel García Márquez haben mich auf meiner Reise durch Kolumbien begleitet. Und als ich durch die USA gereist bin, entdeckte ich «The Underground Railroad» von Colson Whitehead, um ein paar Beispiele zu nennen.

Welches aktuelle Buch empfehlen Sie unseren Lesern?

Im Moment lese ich «Die Entstehung der Bibel» von Konrad Schmid und Jens Schröter. Ich möchte besser verstehen, wie das wohl berühmteste Buch der Welt entstanden ist. Empfehlen kann ich Michel Houellebecqs «Unterwerfung». Ich habe es mit Genuss gelesen. Ein Buch über die Bequemlichkeit und Anpassungsbereitschaft des Establishments.

Welche drei Autoren möchten Sie zu einem Nachtessen gemeinsam einladen?

Charles Lewinsky, Martin Suter und Joel Dicker. Ihre Bücher habe ich verschlungen. Es wäre spannend, mit ihnen über Gott und die Welt zu diskutieren.

Gibt es ein Jugendbuch, das Sie als Erwachsener nochmals gelesen haben?

«Das fliegende Klassenzimmer» von Erich Kästner. Es ist eine wunderschöne, menschliche Geschichte.

Welcher Klassiker hat Sie am meisten gelangweilt?

«Homo Faber» und auch «Stiller» von Max Frisch. Ersteres war Pflichtlektüre im Deutschunterricht. Letzteres habe ich nie zu Ende gelesen. Ich habe es vermutlich einfach nicht verstanden. Simone Meier

Hinweis

In der Rubrik «Gebucht» erzählen Prominente von ihren Lesegewohnheiten.