GEBURTSTAG DER WOCHE: Paul Stanley – Der Sänger mit der meisten Schminke

Das Gesicht kalkweiss, die Lippen knallrot und um das rechte Auge ein schwarzer Stern – so zeigt sich Paul Stanley auf der Bühne. Der Sänger der Urrocker «Kiss» hat unter der Schminke ein mittlerweile 65-jähriges Gesicht.

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Das Gute an der Schminke – man sieht vom Alter fast gar nichts: Kiss-Sänger Paul Stanley.

Das Gute an der Schminke – man sieht vom Alter fast gar nichts: Kiss-Sänger Paul Stanley.

Das «Starchild»-Make-up machte den Kiss-Sänger und Gitarristen berühmt. Mit seinen ebenfalls geschminkten Kollegen brachte er rund 20 Alben her­aus, verkaufte davon mehr als 100 Millionen und feiert seit 40 Jahren rund um die Welt Erfolge.

Seinen 65. Geburtstag am Freitag hätte Stanley mit einem Auftritt bei der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Donald Trump in Washington verbringen können. Aber die Band schlug die Einladung US-Medienberichten zufolge «höflich aus». Anstelle dessen geht sie weiter auf Welttournee.

Einsame Kindheit

Von der Kiss-Urbesetzung, die 1973 an den Start ging, ist neben Stanley allerdings nur noch Sänger und Bassist Gene Simmons dabei. Mit den beiden anderen Gründungsmitgliedern Ace Frehley und Peter Criss und auch mehreren Nachfolgern zofften sich Stanley und Simmons immer wieder schlagzeilenträchtig.

Auch untereinander verläufts nicht immer harmonisch. «Ich mag ihn eigentlich überhaupt nicht», sagte Stanley vor einiger Zeit dem US-Fernsehsender CBS. «Er ist der Typ, den alle ­immer als das Gehirn hinter Kiss sehen, dabei ist er doch eigentlich das Sprachrohr. Ich sage den Menschen immer, dass er zwei Minuten von mir entfernt lebt, aber ich sein Ego von meinem Haus aus sehen kann.»

Um Stanleys Ego sah es dagegen schon von Beginn an eher mager aus. Sein rechtes Ohr war von Geburt an verformt, er konnte nur schlecht hören. Das habe ihn zu einem «einsamen Kind» gemacht, das nur schwer mit Menschen und vor allem Frauen in Kontakt kam und auch in der Schule schwächelte, erinnerte sich Stanley später. Über die Musik und seine Gitarre wollte er das ändern.

Gemeinsam mit Simmons, Frehley und Criss gründete er Kiss. Die Band brachte ein Album nach dem anderen heraus und fand vor allem durch ihre wilden Bühnenshows mit Make-up, Kostümen, Feuereffekten und zertrümmerten Gitarren Beachtung.

Auf einmal berühmt und beneidet

«I Was Made For Loving’ You» wurde zu einem ihrer grössten Hits. Auf einmal seien ihm «die Frauen nachgelaufen, die Männer haben mich beneidet, wir haben Millionen Alben verkauft», erinnert sich Stanley. Zuletzt sanken jedoch die Platten- und Konzertticketverkäufe der Band, auch wenn sie immer noch eine eingeschworene Fanbasis hat.

Die Anfangsjahre von Kiss seien eine «sehr ehrgeizige Zeit» gewesen. «Ich wollte kompensieren und mich wertvoller fühlen, indem ich Dinge erreiche», sagt Stanley, der in zweiter Ehe verheiratet ist und vier Kinder hat. «Jetzt sind meine Frau und meine Kinder meine Erfolge. Aber dahin zu kommen, hat lange gedauert.»

 

Christina Horsten, DPA
kultur@luzernerzeitung.ch