GEBURTSTAG DER WOCHE: Valentina Tereschkowa flog als erste Frau ins Weltall

71 Stunden im All machten sie berühmt: Die russische Kosmonautin Valentina Tereschkowa, Funkname «Tschaika» (Möwe), ist als erste Frau im Weltraum ein Idol. Und dies bis heute, wenn sie ihren 80. Geburtstag feiert.

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Valentina Tereschkowa als gefeierte Sowjetheldin in einer undatierten Aufnahme. (Bild: Keystone)

Valentina Tereschkowa als gefeierte Sowjetheldin in einer undatierten Aufnahme. (Bild: Keystone)

Als die damals 26-Jährige Tereschkowa am 16. Juni 1963 mit dem Raumschiff Wostok 6 zu fast 49 Erdumrundungen aufbricht, feiert die Sowjetunion sie als Volksheldin. Auf ihrem Flug nähert sie sich auf wenige Kilometer an Wostok 5 an. Es ist die Zeit, als die UdSSR im kosmischen Wettlauf gegen die USA Triumph an Triumph reiht: 1957 schickt sie den ersten Satelliten ins All; 1961 kreist Juri Gagarin als erster Mensch um die Erde. Die Erfolge beflügeln den Wettstreit der Supermächte im Kalten Krieg.

Trotz ihrem Beispiel nur wenige Frauen im All

Doch was die Sowjetführung als «Beweis für die Gleichberechtigung der Geschlechter im Sozialismus» preist, bleibt lange Zeit eine Eintagsfliege. Zwar sind seit 1963 rund 60 Frauen ins All geflogen, aber nur vier Russinnen. Auch die Europäer steckten bislang nur drei Frauen in Raumanzüge, 46 Astronautinnen kommen aus den USA.

«Klar bin ich enttäuscht», sagte Tereschkowa 2015 bei einer Weltraumausstellung in London darüber, dass Russland viel weniger Frauen ins All geschickt hat als die USA. «Aber ich denke, das Verhältnis wird sich ändern.» Und wandte sich mit einem Lächeln an einen Vertreter der Raumfahrtbehörde Roskosmos: «Haben Sie mich gehört?»

«Raumfahrt ist nichts für Frauen», meinte Raumfahrt­legende Alexej Leonow. Der ­Russe war 1965 als erster Mensch aus seinem Raumschiff an einer Leine ins All geschwebt. Schon Tereschkowas Flug habe gezeigt, dass Frauen dem Kosmos physisch nicht gewachsen seien, spielte er auf angebliche Gesundheitsprobleme seiner Kollegin im All an. Doch gerade die US-Astronautinnen haben längst das Gegenteil bewiesen.

«Ich wollte dem Himmel nah sein»

Tereschkowas Weg zu den Sternen war nicht vorgezeichnet. Geboren 1937 in einem Dorf im Gebiet Jaroslawl an der Wolga, wuchs sie ohne Vater auf. Er war im Krieg gefallen. Als engagierte Jungkommunistin arbeitete sie in einer Textilfabrik. Und träumte von Höherem: «Ich wollte dem Himmel nahe sein. Daher begann ich mit Fallschirmspringen.»

An einer Abendschule bildete sie sich als Technikerin fort und bewarb sich für das erste Team weiblicher Kosmonauten. Dass sie dann den Vorzug gegenüber vier Kolleginnen erhielt, hing auch an ihrem Vorzeigeprofil als «einfache sowjetische Frau». Kremlchef Nikita Chruschtschow soll sie protegiert haben.

Seit 2011 fechtet die wertkonservative Frau mit der schwungvollen Föhnfrisur für die Kremlpartei Geeintes Russland im Parlament. Doch noch im hohen Alter würde sie am liebsten wieder ins All. «Ich war bereit, mein Leben der Raumfahrt zu opfern. Und ich bin es noch immer.»

 

Thomas Körbel (DPA)

kultur@luzernerzeitung.ch