Genuss
Wie eine Amerikanerin die Welt via Instagram und Kochbuch auf Schweizer Desserts aufmerksam macht

Die Amerikanerin Heddi Nieuwsma nimmt mit ihrem Kochbuch Dessertliebende auf eine Reise durch die Schweiz und lässt sie staunen.

Silvia Schaub
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Schon einmal von Rissoles aux poires gehört? Bild: zvg

Schon einmal von Rissoles aux poires gehört? Bild: zvg

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Was für eine Fundgrube die Schweizer Küche doch ist! Das hatte Heddi Nieuwsma schnell entdeckt, als sie vor zehn Jahren mit ihrer Familie von den USA in die Schweiz übersiedelte.

«Eine komplett neue kulinarische Welt! Ich begann, mit Zutaten zu kochen, die ich vorher nie verwendet hatte.»

Zum Beispiel mit Absinth, Kümmelsamen oder Anis. Anfangs hatten es ihr vor allem die hiesigen Brote angetan, war sie sich doch aus ihrer Heimat vor allem industrielle, in Scheiben geschnittene Produkte gewohnt.

Die ehemalige politische Analystin aus Minnesota vertiefte sich in die Geschichten der Schweizer Brote und war so begeistert, dass sie schon bald so viel Wissen angesammelt hatte, dass es problemlos für ein Buch reichte. «Brot huusgmacht» heisst der Titel und ist für Brotbackende eine richtige Fundgrube.

Nun doppelt sie mit dem Buch «Zuckersüsse Schweiz» nach. Und sie hat wieder tief in die Schatztruhe gegriffen. Blättert man durch das sorgfältig aufgemachte Buch mit den schönen Bildern und Illustrationen, entdeckt man viele unbekannte Rezepte. Schon einmal von Rissoles aux poires, Drusenzelten oder Pane dei morti gehört? Alles typische süsse Gebäcke, die vielleicht noch im jeweiligen Kanton bekannt sind, aber kaum darüber hinaus. Die Rissoles aux poires sind ein traditionelles Weihnachtsgebäck aus Genf, die Drusenzelte kennt man in Glarus und die Pane dei morti werden im Tessin zu Allerheiligen und Allerseeligen gebacken.

Nieuwsma belässt es nicht nur bei den Rezepten, sie berichtet mit feinem Humor und genauer Recherche über die Geschichten dahinter, über Ursprung und Legenden. Dazu ist sie durch die ganze Schweiz gereist und hat den lokalen Bäckerinnen und Bäckern, Köchinnen und Köchen in die Teigschüsseln geschaut. Sie hat alte Kochbücher durchforstet und sich selbst in die Küche gestellt. So sind die 45 im Buch aufgeführten Rezepte für Kuchen, Gebäck, Torten und Crèmes aus allen Sprachregionen entstanden, meist einfach nach zu backen.

Es hat darunter bekannte Rezepte wie Lebkuchen, Nussgipfel oder Spitzbuben. Manchmal wagt sie auch keck einen Tabubruch wie bei der Rüeblitorte, die in ihrem Buch als vegane Variante mit einem Rezept der Zürcher Spitzenköchin Zineb Hattab auftritt. Wir haben es ausprobiert: Ohne Eier schmeckt es auch gut, aber luftiger wird sie eindeutig mit.

Ihre Affinität für Desserts – sowohl was die Herstellung wie auch die Verkostung angeht – spürt man und das macht das Buch interessant. Wer noch mehr von Heddi Nieuwsmas Küche nachbacken oder -kochen will, findet auf ihrem Blog Cuisine Helvetica eine ganze Fülle von Ideen – und auch die Geschichten dazu.