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GEOGRAFIE: Neue Sichten auf die Welt

Der «Schweizer Weltatlas» begleitet die Schüler seit 1910. Die Neuauflage besteht aus 430 Karten auf 256 Seiten und ist auf den Lehrplan 21 abgestimmt.
Bruno Knellwolf
Schülerinnen und Schüler aus dem Schulhaus Leutschenbach, Zürich, arbeiten mit dem neuen Atlas. (Bild: PD)

Schülerinnen und Schüler aus dem Schulhaus Leutschenbach, Zürich, arbeiten mit dem neuen Atlas. (Bild: PD)

Bruno Knellwolf
kultur@luzernerzeitung.ch

Der «Schweizer Weltatlas» ist eine Institution, die uns von Kinds­beinen an begleitet hat. Vor wenigen Tagen erschien eine neue, völlig überarbeitete Auf­lage. Chefredaktor des neuen «Schweizer Weltatlas» ist Lorenz Hurni, Professor am Institut für Kartografie und Geoinformatik der ETH Zürich. Auf die Frage, warum es überhaupt einen neuen Weltatlas brauche, meint er: «Die Karten und Inhalte in der letzten Ausgabe aus dem Jahr 2002 sind oft gedrängt, verschachtelt, komplex und zum Teil veraltet. Die Abfolge der Karten ist oft unlogisch, die interaktive Version ist zu nahe am gedruckten Atlas.»

Viel mehr Millionenstädte

Deshalb habe man nun innerhalb von fünf Jahren einen neuen Weltatlas geschaffen, in dem die Karten das Hauptmedium seien, nicht Bilder und Schrift. Zudem wurde eine begleitende Website zum Weltatlas aufgeschaltet, auf der Kommentare, Materialien und Tools zum gedruckten Atlas zu finden sind. Zudem sei der von den kantonalen Erziehungsdirektoren herausgegebene Atlas als erstes Geografielehrmittel auf den Lehrplan 21 abgestimmt worden, der im August in vielen Kantonen eingeführt wird. Sowie auf Maturitätsschulen und Fachmittelschulen.

Dafür musste Hurnis Redaktionsteam Unmengen an Daten verarbeiten. «Vieles hat sich seit der letzten Ausgabe verändert. So gibt es etwa viel mehr Millionenstädte. Der Weltatlas macht den Bevölkerungswandel, die Besiedlungsdichte sichtbar», sagt Hurni. «Wir haben auch den Arabischen Frühling berücksichtigt oder die Öffnung Kubas, die jetzt ja schon wieder gefährdet ist.» Man dürfe als Atlasmacher nicht auf Modetrends hereinfallen.

Generell geht der «Schweizer Weltatlas» vom Grossen ins Kleine. Zeigt zum Beispiel die ganze Schweiz, zoomt näher auf Städte und vergleicht diese mit ihrer Grösse vor 150 Jahren. «Wichtig sind die Wirtschaftskarten», sagt ETH-Professor Hurni. Zu sehen ist die Wirtschaftskraft der ­verschiedenen Städte. «Da sieht man, dass es in ganz Afrika nur vier wirtschaftskräftige Städte gibt. Und die haben nur so viel Kraft wie eine der vielen mittleren europäischen Städte.» Auf einen Blick ist zu erkennen, dass London viel die grössere Flächenausdehnung hat als Moskau.

All das und viel mehr sieht man ohne einen einzigen Klick, wenn man durch das schöne Buch mit seinen 256 farbigen Seiten blättert. Warum aber noch ein Atlas in Buchform in Zeiten von Wikipedia? Hurni: «Das Buch ist als Basisprodukt die übersichtlichste Form.» Zudem halte sich ein Buch länger als digitale Daten, begleite einen Menschen durch die ganze Schulzeit und könne auch zu Hause weiterverwendet werden. «Das Buch bleibt eine einmalige haptische Erfahrung. Der Atlas ist ein didaktisch aufbereitetes Lehr­mittel und keine Suchabfrage auf Google Maps, welche die nächste Pizzeria anzeigt.»

Einfluss des Menschen auf die Lebensräume

Bei einer Sek-Klasse im Zürcher Schulhaus Leutschenbach, wo der Atlas den Medien präsentiert wurde, konnte man beobachten, wie sich analoge und digitale Welt verbinden: Auf dem Schreibtisch wird im Atlas geblättert, und gleichzeitig rufen die Schüler Tools zum Thema auf der Website ab. Das im Sinne des neuen Lehrplans 21, nach dem nicht mehr Faktenwissen gebüffelt wird, sondern Kompetenzen zu einem Thema erworben werden sollen. «Die Schüler lernen, Karten selber erstellen und kritisch bewerten zu können», sagte Lehrer Roger Fässler. Etwa, um den Einfluss des Menschen auf die Lebensräume zu erkennen.

Auch in diesem Atlas konnte ein Problem der Kartografie nicht ganz gelöst werden. Kartenprojektionen sind nie flächentreu. Eigentlich gibt es keine falsche oder richtige Projektion, alles ist eine Frage der Perspektive. Auch das ist im neuen Weltatlas zu sehen. So ist je nachdem die Erde kein runder Globus, sondern gleicht eher einer Kartoffel.

Kartiert man die Erde nach der Schwerkraftverfteilung, sieht sie wie eine Kartoffel aus. (Bild: PD)

Kartiert man die Erde nach der Schwerkraftverfteilung, sieht sie wie eine Kartoffel aus. (Bild: PD)

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