Geprobt wird vor Publikum

Ursus & Nadeschkin haben am Wochenende im Chössitheater Lichtensteig ihr neues Programm zum ersten Mal vor Publikum gespielt. Damit geht für die Künstler die Feinarbeit erst richtig los.

Miriam Bächtold
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Ursus und Nadeschkin Treffen im Chössi Theater, Lichtensteig

Ursus und Nadeschkin Treffen im Chössi Theater, Lichtensteig

Der Morgen danach ist für Urs Wehrli und Nadja Sieger ein besonderer Moment. Der Morgen nach dem ersten Durchlauf ihres neuen Programms vor Publikum. «Ein bisschen ist das für uns wie der Neujahrsmorgen», sagt Tom Ryser, Regisseur des neuen Programms von Ursus & Nadeschkin.

Die Vorstellung im Chössitheater war aber trotz Publikum keine Premiere. «Wir brauchen das Publikum, um fertig proben zu können. Das Publikum ist der dritte Mitspieler», sagt Nadja Sieger. Die Reaktionen seien enorm wichtig für den gesamten Ablauf und das Timing der Vorstellung. «Manchmal diskutieren wir stundenlang über Kleinigkeiten, die aber wichtig sind», sagt Tom Ryser. Für eine dreiminütige Szene werde im Schnitt zwei Wochen lang geprobt.

Ein Wortspiel mit Tchaikovsky

«Der Tanz der Zuckerpflaumenfähre» heisst das neue Programm von Ursus & Nadeschkin. Mit diesem Titel machen sie neugierig, er klingt abstrakt, fast absurd. «Uns gefällt es, dass der Titel so viele Möglichkeiten offenlässt, wie man ihn verstehen kann», sagt Urs Wehrli. Die Zuckerpflaumenfähre ist ein Wortspiel der Künstler. Bezieht sich aber auf Tchaikovskys Ballett «Der Nussknacker». Darin gibt es den berühmten «Dance of the sugar plum fairy» oder auf Deutsch der Tanz der Zuckerpflaumenfee. Im englischen klingt fairy fast gleich wie ferry und so wurde aus der Fee eine Fähre. Urs Wehrli spielte die Melodie oft am Klavier und irgendwann entschied sich das Duo, den Tanz in ihr Programm einzubauen.

Die Begrüssung tanzen und singen sie also zu Tchaikovskys Musik – Nadja Sieger trägt dazu ein Tutu und Ballettschuhe. Dafür haben die beiden Clowns viele Stunden ins Balletttraining investiert.

«Man muss etwas können, bevor man sich darüber lustig machen kann. Sonst sind wir einfach zwei Clowns, die verzweifelt versuchen, Ballett zu tanzen»

Die Tchaikovsky-Melodie kommt im Programm immer wieder vor. Aber immer wieder anders, mal als Hip-Hop-Tanz, mal in einer Jazzversion.

«Wir wagen es mit 50 Jahren Ballett zu lernen»

«Wir wagen vieles, was man sich eigentlich nicht mehr vorstellen könnte. Etwa mit 50 Jahren noch Ballett zu lernen», sagt Nadja Sieger. «Am Anfang jeder Idee steht eine Vorstellung, und je mehr wir daran glauben, desto eher wird aus diesen Ideen unsere abendfüllende Vorstellung, die wir dem Publikum zeigen.» Ursus stellt sich während der Show vor, er wäre ein Zauberer, und begreift nicht, dass er dazu eine Technik können muss. «Er verhält sich wie ein Zauberer, beherrscht aber den Trick nicht. Das ist wie ein Witz, der auf die Pointe reduziert wurde. Das ist nicht mehr lustig», sagt Nadja Sieger.

Durch solche philosophischen Gedankenspiele und durch Improvisationen entsteht über mehrere Jahre ein neues Programm von Ursus & Nadeschkin. «Wir schöpfen aus einem grossen Fundus an Ideen, die wir laufend sammeln», sagt Urs Wehrli.

Manchmal entsteht Komik aber auch durch Fehler bei Proben oder Previews wie am Wochenende. «Wenn ein Fehler lustiger wird als das Geplante, inszenieren wir ihn bewusst», sagt Nadja Sieger. So kann aus der Not Komik entstehen.

Weitere Probevorstellungen in der Kellerbühne St. Gallen: 9.10., 10.10, 11.10., jeweils 20 Uhr.