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GERSAU: Neues Stradivari-Festival war grosser Erfolg

Mit Klängen von Beethoven und Brahms ging das Stradivari-Fest zu Ende. Die Töne der edlen Instrumente verschmolzen dabei sogar manchmal mit der Natur.
Vor der Seekulisse klingen die Stradivaris noch eindrücklicher. (Bild: PD)

Vor der Seekulisse klingen die Stradivaris noch eindrücklicher. (Bild: PD)

Die Stradivari-Stiftung Habisreutinger verleiht die Instrumente ihrer Sammlung an besonders begabte Musiker, und das ist nicht hoch genug einzuschätzen. Wie einzigartig ihr Klang ist, wie farbenreich die Tongebung, das konnte man eindrücklich am Sonntag im 28. Jahreskonzert der Stiftung in der St.-Marcellus-Kirche Gersau erleben.

In der voll besetzten Kirche spielte das Stradivari-Quartett Werke von Beethoven und Brahms, dazwischen erklang das Capriccio op. 55 für Viola solo «Hommage a Paganini» von Henri Vieux­temps. Auf der ersten Bratsche («Mahler» von 1672), die der 28-jährige Stradivari gebaut hat, spielte Antoine Tamestit das kurze, prägnante Stück, und der warm-strahlende Klang sowie das grossartige Spiel des Bratschisten rissen das Publikum zu lang anhaltendem Applaus hin.

Filigrane Durchsichtigkeit

Im Streichquartett op. 18 Nr. 4 in ­c-Moll von Ludwig van Beethoven vereinten sich im Stradivari-Quartett die Violinen «Aurea» von 1715 und «King George» von 1710, die Viola «Gibson» von 1734 (Stradivaris letzte Bratsche) und das Cello «Suggia» von 1717 zu einem intensiven Gesamtklang, der nur so entstehen kann: alle Instrumente von einem Erbauer, eben Stradivari.

Dazu kam das hervorragende Spiel der Musiker, ohne die auch das beste Instrument nicht überzeugen kann. Wie die vier Streicher den Zauber der Stradivaris ausbreiteten, war von Beginn an grandios. Mit sattem Klang, mit aussergewöhnlicher Differenzierung und dabei filigraner Durchsichtigkeit interpretierten sie Beethovens Musik.

Schmelz in den höchsten Tönen

Eine Komposition, die direkt aus dem Innenleben Beethovens entstanden zu sein scheint Gefühle, die Worte allein nicht beschreiben können –, die aber vom Stradivari-Quartett genial «übersetzt» wurden. Xiaoming Wang verlieh seiner «Aurea» singenden Schmelz bis in die höchsten Töne, und der gold-warme Ton der «King George» wurde unter Sebastian Bohrer vor allem im letzten Satz glanzvoll hörbar.

Lech Antonio Uszynski spielte seine «Gibson» farbenreich, und Maja Weber sagte über das Cello, auf dem sie schon seit 15 Jahren spielt: «Es hat keine Grenzen, kein Limit.» Und das konnte man durchweg hören.

Sphärischer Beginn

Das Streichsextett op. 36 G-Dur von Johannes Brahms mit dem Stradivari-Quartett und Antoine Tamestit, Viola und David Pia, Cello («Bläss» von 1698), vereinte nun sechs Stradivaris. Die Meisterschaft der Musiker erweckte die kostbaren Instrumente zu klanglicher Vollendung.

Wie die sechs Künstler das Thema im ersten Satz nach dem sphärischen Beginn mit dem wellenförmigen Motiv in der Bratsche von Instrument zu Instrument weitergaben, wie sie die Intensität steigerten, war hohe Kunst. Bei aller orchestralen Klangfülle blieb die Durchsichtigkeit erhalten, die Künstler kosteten jeden Harmoniewechsel voll aus und spielten mit ungebremster Musizierfreude.

Der Kontrast im zweiten Satz vom eher stillen Scherzo zum deftigen ­Presto im ungarischen Stil wurde ungemein farbig gestaltet. Selbst das Pizzicato war in jedem Instrument klangvoll zu hören, alle eben ohne Grenzen.

Was sich dann im Adagio an Feinheiten, Dialogen und schmerzhafter Innigkeit entwickelte, war ebenso ­phänomenal wie das völlig anders geartete Poco Allegro: elfenhaft, wiegend, schwingend und zauberhaft. In der halligen Akustik der Kirche mag nicht an jedem Platz alles so plastisch zu hören gewesen sein, aber der stürmische Beifall zeigte die Begeisterung, die wohl jeden erfasst hatte.

Wunderbare Seebühne

Nicht nur in der Kirche vermochte das Stradivari-Fest zu überzeugen. Beim Konzert am Samstag auf der Seebühne verschmolzen die Klänge zusammen mit der wunderschönen Naturstimmung zu einer stimmigen Einheit. Das war bezaubernd und unterstreicht, wie gut sich der Anlass in Gersau eingeführt hat. Es ist geplant, das Fest künftig jährlich im Juli zu veranstalten.

Nach dem grossen Erfolg der drei Konzerte am vergangenen Wochenende ist zu hoffen und wohl auch anzunehmen –, dass es zur bleibenden Einrichtung wird.

Gerda Neunhoeffer

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