Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GESCHICHTE: Erstes Fotomuseum Europas: Eine verpasste Chance für Luzern

Mit der Zeitschrift «Camera» und einer Weltausstellung der Photographie 1952 hatte sich Luzern früh als Fotografiestandort profiliert. Wenig bekannt ist: Hier hätte das erste Fotomuseum Europas entstehen sollen. Dies zeigt jetzt eine Luzerner Historikerin.
Julia Stephan
Während der Weltausstellung der Photographie (1952) wurde im Geheimen an einem Fotomuseum für Luzern getüftelt. Im Hintergrund der 40 Meter hohe Holzturm. (Bild: Ringier Bildarchiv Aarau)

Während der Weltausstellung der Photographie (1952) wurde im Geheimen an einem Fotomuseum für Luzern getüftelt. Im Hintergrund der 40 Meter hohe Holzturm. (Bild: Ringier Bildarchiv Aarau)

Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

Pionierprojekte hatten es in Luzern schon immer schwer. Mit Ausnahme des KKL ist so manche Institution in Luzern ein Luftschloss geblieben. Das Landesmuseum wurde hier nicht gebaut. Ein Freilichtspielprojekt auf dem Inseli löste sich nach mehreren Anläufen ebenso in Luft auf wie in jüngster Gegenwart die Idee eines innovativen Musiktheaters namens Salle Modulable.

Was weniger bekannt ist: In den 1950ern hätte Luzern die einmalige Chance gehabt, zum Standort des ersten Fotomuseums Europas zu werden. Zu diesem Schluss kommt die Luzerner Kunsthistorikerin Muriel Willi, die ihre Erkenntnisse im Jahrbuch der Historischen Gesellschaft Luzern veröffentlicht hat.

Eine fotogene Sammlung für das fotogene Luzern

Schlüsselfigur im Seilziehen um eine neue Luzerner Touristen­attraktion war Helmut Gernsheim (1913–1995), Fotosammler und Entdecker der ältesten Fotografie der Welt. In den 1930ern war Gernsheim wegen seiner jüdischen Abstammung von Deutschland nach Grossbritannien emigriert. Warum er seine in der Nachkriegszeit auf 13 000 Fotografien und über 200 Bücher angewachsene historische Sammlung nach Luzern geben wollte, hatte weniger mit Luzerns fotogenem Äusseren zu tun, das dem Sammler durch Ferienaufenthalte bestens bekannt war. Die Gründe waren pragmatischer Natur.

Zum einen war es die vom nicht mehr existenten Luzerner C.- J.-Bucher-Verlag herausgegebene Fotozeitschrift «Camera» mit ihrem internationalen Renommee, zum anderen die 1952 auf dem Europaplatz, dem Inseli und im inzwischen abgerissenen Meili-Bau ausgetragene Weltausstellung der Photographie, die Gernsheims Interesse an Luzern geweckt hatten. Er hatte als einer der wichtigsten Fotosammler seiner Zeit wertvolle Exponate zum historischen Teil der Monumentalschau beigesteuert, u. a. die von ihm entdeckte erste Fotografie der Welt von Joseph Nicéphore Nièpce aus dem Jahr 1826.

Der Aussichtsturm war ein Hingucker

Die Luzerner Fotoausstellung wollte ihren Besuchern mit 2500 Exponaten einen umfassenden Überblick über die internationale Fotografie vermitteln. Zum Hingucker wurde für die nicht so zahlreich wie erwartet nach Luzern strömenden Besucher – das Interesse an Fotografie hielt sich damals noch in Grenzen – vor allem der 40 Meter hohe Holzturm am Seeufer (siehe Bild oben). Denn anders als die von Edward Steichen für das Museum of Modern Art in New York kuratierte legendäre Wanderausstellung «Family of Man» sollte die Luzerner Schau nicht in die Annalen der Kunstgeschichte eingehen. Auch der Plan, parallel zum Ausstellungsbetrieb eine Fotografiemesse zu organisieren, scheiterte am mangelnden Interesse der Industrie.

Nichtsdestotrotz bot sich für den Sammler Gernsheim, der schon lange nach einem Standort für seine wertvolle Sammlung suchte, hier Gelegenheit, seine Museumspläne voranzutreiben. Noch vor der Ausstellung im Jahr 1951 schickte er einen Projektentwurf für ein «internationales Institut der Photographie» nach Luzern. Neben einer Dauerausstellung sollte die Institution Platz für eine Wechselausstellung, eine Bibliothek und ein Reproduktionszentrum bieten.

An einer geheimen Konferenz während der Weltausstellung wogen die Luzerner das Angebot ab. Neben einem Haus in der Altstadt und Räumlichkeiten des Kunstmuseums im Meili-Bau wäre auch die Villa Dreilinden als Standort in Frage gekommen – wäre sie nicht gerade erst ans Konservatorium vermietet worden.

Doch als sich die Weltausstellung als finanzielles Desaster entpuppte, drückte man in Luzern entschieden auf die Euphoriebremse. Auch der Versuch einer Standortverlegung nach Zürich brachte keinen Durchbruch. 1953 schrieb Gernsheims Frau Alison enttäuscht nach Luzern, die Sache dränge, denn Edward Steichen interessiere sich nun auch für die Sammlung ihres Mannes.

Schon lange nicht mehr im Fokus der Kameralinse

Und so kam’s, dass die Schweiz in Sachen Fotomuseum trotz guter Startbedingungen zu den Spätzündern gehörte. Erst im Jahr 1985 wurde mit dem Musée de l’Elysée in Lausanne das erste auf Fotografie spezialisierte Museum gegründet. 1993 folgte das Fotomuseum Winterthur. Und Gernsheims wertvolle Sammlung gelangte 1963 nach Texas.

Und Luzern? 1981 wurde die Fotozeitschrift «Camera» eingestellt. Und bis auf das Museum im Bellpark Kriens, das auch international mit Fotoausstellungen auf sich aufmerksam macht, und der auf Fotografie spezialisierten Galerie Bernheimer hat Luzern seine fotografische Vorrangstellung längst eingebüsst.

Hinweis

Muriel Willi: Kein Fotomuseum für Luzern. Erschienen im Jahrbuch der Historischen Gesellschaft Luzern.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.