Kolumne

Lebenslauf:  Referenzen, die eine Künstlerin besser verschweigen sollte

Intermezzo

Christina Genova
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«Schwerer Engel» von Carin Grudda an der Bad Ragartz (Bild: Christina Genova, Bad Ragaz, 6. Mai 2018)

«Schwerer Engel» von Carin Grudda an der Bad Ragartz (Bild: Christina Genova, Bad Ragaz, 6. Mai 2018)

Davon träumt wohl jeder Künstler. Einmal an der Biennale von Venedig oder an der Documenta in Kassel auszustellen. Carin Grudda, deren Skulpturen zurzeit an der Bad Ragartz zu sehen sind, hat es geschafft – scheinbar. Mit der Teilnahme an der Biennale in Venedig habe sie «die Würdigung und internationale Anerkennung ihres bisherigen Schaffens» erhalten, schreibt die 65-Jährige stolz in ihrem Lebenslauf. Doch sollte es sich die Künstlerin besser verkneifen, sich ihres Biennale-Auftritts zu rühmen.

Ausgestellt hat Carin Grudda 2011 im italienischen Pavillon, zusammen mit 260 andern. Kuratiert wurde die Ausstellung, welche die Süddeutsche Zeitung als «Attentat auf die zeitgenössische Kunst» bezeichnete, von Vittorio Sgarbi. Wobei es für den ehemaligen Kulturstaatssekretär Silvio Berlusconis nichts zu kuratieren gab: Er lud 200 mehr oder minder prominente Italiener ein, ihren Lieblingskünstler auszuwählen. Deren Werke wurden dann dicht auf dicht übereinander gehängt.

Bleibt wenigstens noch die Documenta als Referenz. Denn gemäss ihrer Galerie nahm Carin Grudda auch daran teil. Das ist ziemlich hoch gestapelt. Denn zwar hat die Künstlerin 2007 tatsächlich ihr grosses «Blau Miau» in Kassel ausgestellt, als dort gerade die Documenta im Gange war. Ihre 1300 Kilogramm schwere und vier Meter hohe, blaue Katze war aber nicht im Rahmen dieser weltweit wichtigsten Kunstausstellung zu sehen, sondern stand als Leihgabe auf dem Platz vor dem Regierungspräsidium.