Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Gesichtslose Gestalten in einer verstörenden Welt

Der Schweizer Medienkünstler Yves Netzhammer zeigt nach zahlreichen Ausstellungen im Ausland sein aktuelles Schaffen in seiner Heimatstadt Schaffhausen.
Brigitte Elsner-Heller
Ein Narr in den Farben von «Aromat» in der Steinzeit gefangen. (Bild: PD)

Ein Narr in den Farben von «Aromat» in der Steinzeit gefangen. (Bild: PD)

«Ich hatte immer die Hoffnung, dass er hier einmal ausstellen würde», sagt Katharina Epprecht, Direktorin des Museums zu Allerheiligen in Schaffhausen. Sie meint Yves Netzhammer, der in Schaffhausen geboren wurde, dort aufwuchs und längst in die Welt gegangen ist. Schon früh verband er seine Ausbildung als Technischer Zeichner mit der Kunst, und in den (2014 geschlossenen) Hallen für Neue Kunst, heute Kammgarn West, arbeitete er als Aufsicht. Ein Teil der aktuellen Ausstellung findet heute genau dort statt als Impulsgeber für die künftige Nutzung durch das Museum selbst.

Ein Narr als Alter Ego im Museum unterwegs

Yves Netzhammer wurde eingeladen, den grossen Ausstellungsraum im Museum zu Allerheiligen zu bespielen, daraus geworden ist mehr. Im gesamten Museum finden sich zusätzlich 18 Interventionen. Als Alter Ego schickt er dafür einen Narren in die Räume des ehemaligen Klosters. Er lässt den Narren, den er als digitale Animation in die Welt gebracht hat, seine Arbeit zunächst allein machen. Im Treppenhaus lässt sich die animierte Figur dabei beobachten, wie sie als Besucher vor einem Bild steht, sich verbiegt, vielleicht gar nichts sieht – bis das Bild sein Gegenüber seinerseits attackiert.

Dann die erste dreidimensionale Figur: Ein Strichmännchen aus Metallstäben, das an einem Galgen baumelt, der plötzlich lautstark zusammenbricht. Der Ansatz, abstrakte Figuren zu schaffen und Körper mittels Computeranimation oder skulptural ausgreifend wie Roboter in zwiespältige Situationen zu bringen, zieht sich durch das Werk. Spielerische Leichtigkeit paart sich so mit Unverständnis oder Entsetzen.

Ein absurdes Maschinenballett

Zum grossen Netzhammer-Auftritt wird im grossen Saal geladen, wo die Summe der gezeigten Animationen ein Kino entstehen lässt, während Maschinenskulpturen, die durch Pressluft animiert sind, die Rolle zukommt, ein absurdes Ballett aufzuführen. Zu den optischen Reizen gesellen sich auf Podesten Körper oder Körperteile, die sich heben, nur um zusammenzubrechen. Natürlich darf der Narr in seiner multiplen Identität nicht fehlen.

Ein Raum, der fesselt in seiner Ästhetik, mit seinen Maschinengeräuschen, seiner Ambivalenz gegenüber dem, was menschliches Erleben ist.

Auffallend ist, dass sich bei den Objekten ein Farbschema durchzieht: Gelb, Grün, Rot, Schwarz. In einer ehemaligen Klosterzelle gibt es eine Erklärung dazu – es sind die Farben der Streudose von «Aromat». Das Gewürzsalz dient in der Ausstellung als Symbol für Schaffhausen, wo die Würze seit den 1950er-Jahren hergestellt wird. Beeindruckend dann ein weisser Rock in einer Vitrine in einer Klosterzelle als Zeichen der Unschuld wie der Gefängnissituation. Dazu setzt Netzhammer auch im ehemaligen Refektorium ein Statement: Zwei Figuren befinden sich in einer Animation in einer körperlichen Beziehung. Gut, dass die Holzverkleidung der Wand, die als Projektionsfläche dient, wenigstens etwas Wärme ausstrahlt. Netzhammers Figuren sind übrigens nie nur harmlos, sie drücken auch Gewalt aus. Yves Netzhammer sucht in der Kunst die körperliche Abstraktion, will dabei aber berührende Geschichten erzählen – was gelingt.

Yves Netzhammer: Biografische Versprecher. Bis 17. 02, Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.