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Eigenproduktion des Kleintheaters Parfin de Siècle: Zwei Tote in Gesundheitssendung

In «Die Süssen» werden Bach und Cézanne zu ihrer Diabetes befragt. Die Uraufführung im Kleintheater Parfin de siècle in St. Gallen ist eine Parodie auf Fernsehshows und setzt der Krankheit viel Humor entgegen.
Mirjam Bächtold
Arnim Halter als Johann Sebastian Bach und Matthias Flückiger als Paul Cézanne. (Bild: Ralph Ribi)

Arnim Halter als Johann Sebastian Bach und Matthias Flückiger als Paul Cézanne. (Bild: Ralph Ribi)

Als Johann Sebastian Bach die Musik zu «Komm süsser Tod» komponierte, wusste er nicht, dass sein Tod tatsächlich ein süsser sein würde, dass es der Zucker war, der ihn umbrachte. Dass er an Altersdiabetes litt, erfährt Bach erst 268 Jahre nach seinem Tod in der Fernsehsendung «Styx», benannt nach dem Fluss der griechischen Mythologie, der den Hades mit dem Diesseits verbindet. In dieser Livesendung auf der Bühne des Parfin de siècle ist Bach zu Gast gemeinsam mit dem Maler Paul Cézanne, der ebenfalls an Diabetes starb. Bei einer Tea-Time mit Lindenblütentee und Madeleines versuchen die beiden Künstler, sich an ihre Leben zu erinnern. Wie in Marcel Prousts Roman «A la recherche du temps perdu» sollen die Madeleines die Erinnerung der beiden Künstler an ihre Leben wecken.

Mit Humor gegen Diabetes

Bach und Cézanne befinden sich in einem Studio im Jenseits. Auf einem Sofa sitzen sie hinter kreuzweise gespannten Goldfäden, welche die Bühne von der Vorbühne trennen. An den Seiten schweben goldene Engel und die düstere, jedoch nicht unheimliche Atmosphäre wird durch schwebende Lichter aufgehoben. Bach trägt einen Mantel und eine Perücke, Cézanne ein luftiges Hemd. Beide tragen Dreiviertelhosen, und ihre nackten Füsse stecken in Filzpantoffeln. Im Jenseits herrscht Langeweile. Daraus holt Moderatorin Eurydike Karon die beiden Künstler durch das Liveinterview.

Mit der Eurovisionshymne (komponiert von Bachs Zeitgenosse Charpentier) wird die Gesundheitssendung eingeläutet, in der die beiden Künstler über den Diabetes des Typs 2 sprechen, auch Altersdiabetes genannt. Das Stück ist eine herrlich ironische Parodie auf Gesundheitssendungen und Talkshows. Pia Waibel führt als Moderatorin Karon mit Glitzerbrille und rot lackierten Fingernägeln rasant durch die Sendung. Der Diabetes nimmt eine sehr zentrale Rolle ein, und trotzdem wird das Stück nie schwer oder deprimierend. Autor David König, der selbst an Diabetes erkrankt ist, setzt der Krankheit viel Humor entgegen. Lustig ist die Szene, in der die beiden Künstler gefragt werden, wie sie sich denn gestochen hätten. Bach reagiert verwirrt: «Mücken und Bienen stechen, Flöhe beissen.»

Die Verwirrtheit, mit der Arnim Halter Bach spielt, ist witzig ohne aufgesetzt zu wirken. Auch seine Zurückhaltung, fast schon Schüchternheit, die er mehr und mehr ablegt, überzeugt.

Die richtige Taste tröstet

Zur fachgerechten Erklärung lässt die Moderatorin immer wieder eine Ärztin per Telefon live zur Sendung schalten. Doch nebst den Informationen über die Krankheit erfährt der Zuschauer auch viel über das Leben der beiden Künstler und wie der Diabetes sich auf ihr Schaffen ausgewirkt hat. Cézanne etwa, der wegen des Zuckers stark kurzsichtig wurde, nutzte diese Beeinträchtigung und verlieh seinen Still­leben neue Perspektiven.

Matthias Flückiger spielt den Maler als Lebemann, der trotz Diätvorschriften isst, was er will (besonders Madeleines) und gerne und viel über sich und seine Kunst redet. Bach, der in seinem Leben viele Schicksalsschläge hinnehmen musste, gibt dem Leid, aber auch der Freude, mit seiner Musik eine Stimme. Auf die Frage, ob er auch finde, dass seine Musik tröste, sagt er die wunderbaren Sätze: «Alles was man dafür tun muss, ist, die richtige Taste zur richtigen Zeit zu treffen. Ich habe keinen Bogen um die Traurigkeit gemacht. Die richtige Taste zu treffen, ist manchmal tröstlich.»

Vorstellungen

Bis 7.10., Theater Parfin de siècle, St. Gallen

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