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Ein Film gibt Aborigines Würde zurück

Der Australier Warwick Thornton beleuchtet in seinem historischen Western «Sweet Country» bildgewaltig das von Rassismus geprägte Verhältnis zwischen Siedlern und Aborigines.
Irene Genhart
Auf der Flucht: Lizzie und Sam, gespielt von Natassia Gorey Furber und Hamilton Morris. (Bild: Praesens Film)

Auf der Flucht: Lizzie und Sam, gespielt von Natassia Gorey Furber und Hamilton Morris. (Bild: Praesens Film)

Australien 1929. Am Rande der Steppe, einzelne Ranches: Holzhäuser, Ställe, Schuppen – alles im Besitz weisser Siedler. Die Aborigines, obwohl im Prinzip seit 1850 diesen gleichgestellt, dienen ihnen zu, als Viehtreiber, Knechte, Mägde. Das Machtgefälle ist gewaltig, der Rassismus allgegenwärtig. So gesehen hat es der Aborigine Sam Kelly (Hamilton Morris) in «Sweet Country» ausnehmend gut: Er lebt mit seiner Frau Lizzie (Natassia Gorey Furber) beim Prediger Fred Smith (Sam Neill), in dessen Augen alle Menschen gleich sind, nicht nur vor Gott, sondern auch auf Erden.

Doch dann zieht ein gewisser Harry March (Ewen Leslie) in die Gegend. Selbstverständlich – und mit deren Einverständnis – stellt Smith nun Sam Kelly und Lizzie dem Neuzuzüger einige Tage zur Verfügung, damit sie ihm helfen, auf dem verwahrlosten Hof aufzuräumen und neue Zäune zu ziehen. Doch March, ein traumatisierter Kriegsveteran, der so oft zur Flasche wie gern zur Waffe greift, ist kein feiner Kerl wie Smith. Er behandelt Sam und Lizzie wie Sklaven, verweigert ihnen Lohn und Nahrung.

Immer wieder verblüffende Wendungen

Schlimmer noch: Er schickt Sam aufs Feld und schliesst sich, nicht ohne vorsorglich sämtliche Läden zu schliessen, mit Lizzie in seinem Haus ein: Die Szene ist von schier unsagbar bedrückender Bildlichkeit. Lizzie erzählt Sam kein Wort von dem, was im Dunkeln vorgefallen ist. Doch Sam versteht auch so. Sie fliehen auf Smiths Ranch. March verfolgt sie, greift zornig-betrunken zum Gewehr, doch Sam ist schneller. Eigentlich ist es ein klarer Fall von Notwehr, der auch bezeugt werden kann. Doch Sam und Lizzie fliehen schockiert in den Outback. Und Sergeant Fletcher (Bryan Brown) fällt nichts Klügeres ein, als mit einer strammen Gefolgschaft ihre Verfolgung aufzunehmen.

March verfolgt sie, greift zornig-betrunken zum Gewehr, doch Sam ist schneller. Eigentlich ist es ein klarer Fall von Notwehr, der auch bezeugt werden kann. Doch Sam und Lizzie fliehen schockiert in den Outback. Und Sergeant Fletcher (Bryan Brown) fällt nichts Klügeres ein, als mit einer strammen Gefolgschaft ihre Verfolgung aufzunehmen.

Film erinnert an Django Unchained

Thornton Warwick, Künstler, Drehbuchautor, Filmregisseur, vor allem aber ein begnadeter Kameramann, hat «Sweet Country» wie einen Western inszeniert: in langen Einstellungen, mit heftigen Schiessereien und endlosen Verfolgungsjagden. Diese führen zu Pferd und zu Fuss so lang durch sich am Horizont verlierende, staubtrockene Landschaften, bis es in einem kleinen Städtchen zum Showdown kommt, vor versammelter Bevölkerung und in Anwesenheit eines aus der Hauptstadt angereisten Richters.

Damit ist der Film, der von Anfang an immer wieder verblüffende Wendungen nimmt, aber noch nicht fertig. Die heftigste Szene kommt erst danach. Die Szene, die sich unvergesslich in die Erinnerung brennt, weil sich in ihr die herrschenden (Ohn-)Machtverhältnisse aus dem nackten Nichts heraus noch einmal manifestieren.

«Sweet Country» ist trotz seines dramatischen Inhalts und der unverbrämten Gewaltdarstellungen, die unvermittelt an Quentin Tarantinos «Django Unchained» erinnern, zwischendurch unerwartet komisch und findet in der Darstellung der Beziehung von Sam und Lizzie auch zu stiller Zärtlichkeit. Ein grosser und grossartiger Film, der allein dadurch, dass er ihre Geschichte erzählt, den Ureinwohnern Australiens einen Teil ihrer Würde zurückgibt.

Hinweis: Ab heute im Kino

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