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Giftiger Streit um Luganos Kulturzentrum

Der renommierte Regisseur Daniele Finzi Pasca und die Leitung von Lugano Arte e Cultura sind sich in die Haare geraten. Es geht um die Nutzung des Zentrums und wer darin das Sagen hat.
Gerhard Lob
Theaterregisseur Daniele Finzi Pasca.

Theaterregisseur Daniele Finzi Pasca.

Daniele Finzi Pasca ist Schauspieler, Poet und Visionär. Als Theaterregisseur gehört der 54-jährige Luganeser zu den Besten seines Fachs. Spätestens als er 2006 die Abschlussfeier für die Olympischen Winterspiele in Turin inszenierte, machte er sich auch international einen Namen. In Sotschi führte er 2014 Regie an der Schlussfeier der Olympischen Spiele und dann auch an der Eröffnungsfeier für die Winter-Paralympics.

Mit seiner Truppe, der nach ihm benannten Compagnia Finzi Pasca, ist er weltweit unterwegs. «Donka – ein Brief an Tschechow» feierte am 29. Januar 2010 in Moskau Premiere und wurde inzwischen über 300-mal in 62 Städten und 25 Ländern aufgeführt und von der Presse ge­feiert. Das Ensemble von Finzi Pasca kommt im Januar mit der neuen Produktion «Abrazos» in Mexiko heraus und ist zurzeit mit den Vorbereitungen für das Fête des Vignerons in Vevey 2019 beschäftigt, das grosse Weinfest, das nur alle 25 Jahre stattfindet. Dort wird ein eigenes Stadion für die Festshow erstellt.

Gegenseitige Vorwürfe und Unterstellungen

Während die Compagnia Finzi Pasca weltweit aktiv ist, läuft es zu Hause gar nicht gut. «Wir implodieren hier in Lugano», sagt die Komponistin Maria Bonzanigo, eine Vertraute von Daniele Finzi Pasca und Mitbegründerin des Ensembles. Seit Wochen tobt in Lugano eine Auseinandersetzung, welche die Politik und die Kulturszene aufwühlt. Finzi ­Pasca hatte wiederholt damit gedroht, der Stadt den Rücken zu kehren, wenn sich die Rahmenbedingungen für sein Ensemble nicht bessern würden. Im 2015 eröffneten Kulturzentrum Lugano Arte e Cultura (LAC) geniesst die Compagnia Finzi Pasca den Status eines Hausensembles.

Hatte man anfänglich den Eindruck, es gehe in dem Streit nur um Räumlichkeiten, wurde mittlerweile klar, dass ein grundsätzlicher und tiefgreifender Konflikt besteht. Es prallen Visionen aufeinander, was das LAC zu sein hat und welche Rolle die Compagnia in diesem Zentrum spielt. Finzi Pasca will im LAC nicht einfach «Gast» sein, sondern das Kulturgeschehen darin wie in einem kreativen Haus mitbestimmen. «Ich stellte mir vor, dass das LAC 24 Stunden am Tag geöffnet ist, die Leute auch zu unseren Proben kommen können», so Finzi Pasca. Die Spartendirektoren nannte er «Funktionäre».

Die Leitung des LAC hat die Kritik und die Visionen von Finzi Pasca nicht gut aufgenommen. Im Gegenteil: Am Dienstag wies der Ausschuss, der von FDP-Stadtrat und Kulturamtsleiter Roberto Badaracco präsidiert wird, die Vorwürfe an den Absender zurück: «Zuerst wollte er nur einen Raum, nun aber will er auch die Schlüssel für das LAC.» Doch die Zusammenarbeit seit vertraglich genau geregelt. Finzi Pasca habe längst entschieden, Lugano zu verlassen, und versuche nun, den LAC-Verantwortlichen die Schuld zuzuschieben. Die Einladung von Stadtpräsident Marco Borradori (Lega) zu einem Gespräch lehnte er ab: «Die Voraussetzungen für ein solches Treffen sind nicht gegeben.»

Vieles weist auf eine baldige Trennung hin

Eine Einigung der Konfliktpar­teien scheint somit nicht in Sicht – es sieht eher nach einer baldigen Trennung aus. In Lugano gehen die Wogen jedenfalls hoch, die Risse gehen auch mitten durch den Stadtrat und die Parteien. Auch in den sozialen Medien wird heftig debattiert. Der kanadische LAC-General­direktor Michel Gagnon reibt sich ob des Theaters jedenfalls die Augen und ist enttäuscht: «Das LAC wird ständig attackiert, trotz des Erfolgs, der sich auch in den Zahlen spiegelt.»

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