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Klub der jungen Dichter:
Die Nacht

Gioia Käslin aus Beckenried erzählt im "Klub der jungen Dichter", wie die blutrünstige Szenerie einer Nacht eine unerwartete Wendung nimmt.
Gioia Käslin

Nachts um halb vier schreckte ich hoch. Und mir wurde klar, dass ich tief im Schlamassel steckte. Denn er lag nicht neben mir wie jede Nacht, nein, er war weg. Ich wusste, dass er nie einfach abhauen würde. Es musste etwas passiert sein.

Gioia Käslin, Beckenried, 2. Oberstufe.

Gioia Käslin, Beckenried, 2. Oberstufe.

Besorgt stand ich auf, um nach ihm zu suchen. Als ich mein Zimmer verliess und über den kalten Marmorboden schlich, sah ich, wie sich an der frisch gestrichenen Wand eine kleine Blutspur dahinzog. Erschrocken blieb ich stehen. Sollte ich meine Eltern rufen? Oder die Polizei? Ich wollte laut schreien, doch es kam kein Ton heraus, meine Kehle fühlte sich trocken an, und in meinem Magen herrschte ein flaues Gefühl. Doch ich musste nachsehen, was los war.

Mir wurde zugleich kalt und heiss, als ich weitere Blutstropfen auf dem Boden sah, als wäre es eine Spur, die mich in die Küche leiten wollte. Ich konnte nichts dagegen tun. Meine Beine bewegten sich einfach Richtung Küche. Am liebsten wäre ich in das Zimmer meiner Eltern gegangen oder hätte die Polizei gerufen, doch es war zu spät umzukehren. Ich stand schon vor der Küchentür. Als meine zitternde Hand die kalte Türklinke berührte und vorsichtig runterdrückte, stockte mir der Atem, als ich seine grünen Augen sah. Ist er verletzt? Braucht er Hilfe? Warum machte er sich nicht bemerkbar?

Mir blieb keine andere Wahl! Ich musste in die Küche. Ich nahm all meinen Mut zusammen und betrat die Küche. Ich hätte lieber nicht gesehen, was ich nun sah. Da lag ein toter Körper in einem See von Blut. Er hatte ihn umgebracht. Ich konnte nicht glauben, was er getan hatte, und das nur, um mir seine Zuneigung zu zeigen. Vor wenigen Minuten hatte ich noch Angst, dass ihm etwas zugestossen sei. Jetzt wusste ich, dass er der Täter war. Wie konnte ich nichts von dem Mord mitbekommen? Wenn ich früher wach geworden wäre, hätte ich es vielleicht verhindern können. Schuldgefühle, Angst, Entsetzen und der Schock hatten mich so verwirrt, dass ich nicht gemerkt hatte, dass er immer noch dastand und mich ansah. Er wusste, dass ich den Toten nicht mochte. Doch dass er ihn umbringen würde, hätte ich nie gewollt. Und dass er zu so etwas fähig war, hätte ich nie gedacht.

Ich sank erschöpft auf meine Knie. Ich wollte schreien, aber dann würden meine Eltern wach werden, und das durfte nicht passieren. Dass er bei mir im Bett schläft, fanden sie schon widerwärtig, was würden sie machen, wenn sie das erfahren würden? Was würde meine Mutter nur tun, wenn sie mitbekäme, dass mein zahmer Hauskater Pesto nun Mäuse jagte und sie dann auf ihren weissen Lieblingsteppich brachte?

Vorwurfsvoll sah ich meinen Kater an, worauf er nur ein beleidigtes «Miau» hervorbrachte, sich seine Maus schnappte und durch die Katzenklappe nach draussen verschwand. Ich seufzte, holte mir einen Waschlappen und Seife und versuchte so gut wie möglich den Teppich zu reinigen.

Entscheidet mit, welcher Text den Spezialpreis gewinnt

Nicht weniger als 5123 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2018 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Feuer und Flamme» sowie ein Textanfang. Wir publizieren die Texte in der Print- sowie in der Onlineausgabe unserer Zeitung. Neu ist, dass ihr, liebe Leserinnen und Leser, mitvoten können. Wir vergeben nämlich einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat euch also ein Text gefallen, könnt ihr ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen.

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