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GISWIL: Völker verbindende Kunst-Sprache

International Performance Art in der Turbine ist europaweit bekannt. Nun wurden gar auch noch die Grenzen dieser Kunst gesprengt.
Die Luzernerin Silvia Isenschmid geht mit ihrer Performance an die Grenzen des Machbaren: Hier stellt sie einen Wasserkreislauf her. (Bild: Romano Cuonz)

Die Luzernerin Silvia Isenschmid geht mit ihrer Performance an die Grenzen des Machbaren: Hier stellt sie einen Wasserkreislauf her. (Bild: Romano Cuonz)

Romano Cuonz

Eine alte Scheune mitten im Giswiler Aaried: Leute gehen auf sie zu. Über eine schmale Leiter steigen dann alle hinauf zum Tenn, wo sich Heuballen türmen. Man steht, kauert oder sitzt und wartet auf das Ereignis. Plötzlich flimmern auf einer behelfsmässig an Balken befestigten Leinwand Bilder. Eine Video-installation des Giswilers Moritz Hossli (25). Gezeigt wird einem die seltsame Schönheit von Schwemmgut – Holz, Blätter und andere oft kaum definierbaren Gegenstände – in der grünblauen Wasserfläche des Sarnersees. Man verfolgt, wie die teils skurrilen Gegenstände in der Strömung langsam oder schnell dahingleiten.

Aus dem Dachgebälk der Scheune wird dazu eine nicht minder seltsam schöne Klangwelt vermittelt. Der bekannte Jazzmusiker Roland von Flüe (54) erzeugt sie mit der Bassklarinette und einer Shrutibox (indisches Instrument zur Erzeugung von begleitenden Borduntönen). Was entsteht, ist eine Synästhesie von beschaulich dahintreibenden Klängen und Bildern.

Die Grenzen sprengen

Die Organisatorin von International Performance Art Giswil 2015, Andrea Saemann (53), zu diesem Beitrag: «Es ist heuer eines unserer Ziele, die Grenzen der Performance in Richtung Musik und Videoinstallationen zu sprengen.» Die feinfühlige Darbietung von Hossli und von Flüe sei für sie ein performatives Kino, weil es eben nur ein einziges Mal in dieser Scheune auftauche. Später, in der grossen Turbinenhalle, waren es dann Urban Mäder und Absolventinnen und Absolventen des Masterstudienganges an der Hochschule Luzern, die Grenzen sprengten. Auch Mäder als Begleiter und seinen Studierenden ging es darum, Musik und performative Klangaktionen auf verblüffend faszinierende Weise miteinander zu verbinden.

Gustavo Sumpta: Grosse Klarheit

Gäste der International Performance Art waren dieses Jahr Künstlerinnen und Künstler aus Portugal. Einer von ihnen ist Gustavo Sumpta (45), der in Lissabon als Theater- und Filmschauspieler, Tänzer, Künstler und Performer seinen Lebensunterhalt bestreitet. «Ich bin sehr zufrieden, dass ich nach Giswil kommen durfte, das ist ein bisschen ein Paradies für uns», schwärmt der Künstler mit angolanischen Wurzeln. In Portugal sei Performance Art bei weitem nicht so akzeptiert. Als Quergänger zwischen all den Medien nutzt Sumpta die Performancekunst mit perfekter Mimik und Gestik vor allem zum fortwährenden Experimentieren. In all den von ihm kreierten Situationen werden Vitalität und Energie sichtbar: Sumpta versucht zu fliehen, zu springen. Ja gar zu fliegen! «Gleichgültigkeit scheint für Gustavo Sumpta nicht zu existieren, die Klarheit in seiner Kunst spricht mich an», anerkennt Andrea Saemann, die ihn in Portugal entdeckt hat.

Silvia Isenschmid: Schwerarbeit

Die 28-jährige Silvia Isenschmid aus Richental LU hatte bildende Kunst an der Hochschule Luzern studiert und 2014 das fachübergreifende Master-Studium in Contemporary Arts Practice in Bern abgeschlossen. Was sie in Giswil zum Thema Wasser zeigte, war im besten Sinne des Wortes «Schwerarbeit». Zum Erstaunen der Besucher grub sie vor der Turbine bloss mit einer Schaufel ausgerüstet ein metertiefes Loch aus. Schliesslich stellte sie symbolisch einen Luftbefeuchter in die Erde. «Hier, wo es früher einen See gegeben hat, mache ich aus Luft Wasser. Am Schluss verdampfe ich es im Steamer wieder. Aus Wasser wird wieder Luft ... so schliesst sich der Kreislauf», kommentiert sie die Vorstellung, die ihr den Schweiss aus allen Poren treibt.

Und auch sie ist begeistert. «Der Austausch mit Künstlern aus Portugal während der Vorbereitung und in den Pausen ist interessant, ja einmalig», hält Silvia Isenschmid fest. Und Andrea Saemanns Urteil: «Bei Silvia Isenschmid gefällt mir die Entschiedenheit, an die Grenzen des Machbaren zu gehen, um sich dort einzurichten.»

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