Die Kantate "Dorothea" auf DVD: Glanzrolle für Nadja Räss

Urs Mattenberger
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Die Besucherreaktionen nach der Uraufführung vor einem Jahr in der Bruder-Klaus-Kirche in Sachseln zeugten von tiefer Betroffenheit. Der 26-jährige Obwaldner Komponist Joël von Moos hatte mit seiner Kantate «Dorothea» bewiesen, dass die Geschichte von Bruder Klaus noch heute unmittelbar bewegen kann – und das erst noch aus einer neuen Perspektive. Von Moos rückte nämlich mit der Jodlerin Nadja Räss die Sicht der Frau des Niklaus von Flüe, des Gott- suchenden, ins Zentrum.

Dass jetzt eine DVD eine Wiederbegegnung mit dem Werk (Film: Emanuel Hänseberger) ermöglicht, ist also an sich schon erfreulich. Das gilt umso mehr, als die Aufnahme aus der Hofkirche Luzern andere Akzente setzt gegenüber der Uraufführung in Sachseln. Da nämlich hatte Nadja Räss in der Rolle der Dorothea alle Mitwirkenden unter der Leitung von Eberhard Rex überstrahlt: den Herrenchor der Luzerner Singknaben, dem die Worte des Bruder Klaus anvertraut sind, das Orchester Santa Maria, das die Jodel-Arien der Dorothea klangvoll und melodiös begleitet, und sogar die von Wolfgang Sieber gespielte Orgel.

Männerchor gegen Jodel-Klassik

Stärker in den Vordergrund rückt auf der DVD die Orgel der Hofkirche, an der Sieber klangmächtig und -zauberisch viele Stimmungen des Werks anklingen lässt. Klanglich präsenter ist auch der Männerchor. Das Herzstück des Werks sind freilich auch hier die Gesänge der Dorothea, in denen Räss die Emotionen innig und immer höher strömen lässt, bis der klassische Gesang in einen glockenhellen Jodelton kippt. Und wenn wenigstens im Gottvertrauen die Jodlerin und der Männerchor doch noch zusammenfinden, hat das auch ab DVD den Zauber einer Live-Aufführung in der Kirche.

Joël von Moos: «Dorothea» mit Nadja Räss u. a. (conaffetto)