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GLAUBE: Bruder Klaus’ vergessenes Wunder: Tele 1 zeigt Dok-Film

Zum Ende des Gedenkjahres soll an dieser Stelle ein wundersames Vorkommnis im Mai 1940 in Erinnerung gerufen werden. Zeugen waren sicher: Bruder Klaus hat in jener Nacht die Schweiz vor Hitler beschützt.
Andreas Faessler
In der Wallfahrtskirche von Melchtal erinnert ein Wandfresko an das «Wunder von Waldenburg».

In der Wallfahrtskirche von Melchtal erinnert ein Wandfresko an das «Wunder von Waldenburg».

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Am Abend des Pfingstmontags 1940 wurden die Menschen nördlich des Hauensteins Zeugen einer einzigartigen Himmelserscheinung: Um 21.30 Uhr manifestierte sich am Himmel über der baselländischen Gemeinde Waldenburg eine leuchtende Hand – als würde sie schützend über dem Land schweben, fast zehn Minuten lang.

Für die grosse Mehrheit der Waldenburger und der dort stationierten Armeeleute war es nicht einfach eine bemerkenswerte Laune der Natur. Nein, sie waren sich sicher, ein wundersames Himmelszeichen erblickt zu haben, so klar in ihren Umrissen und anatomisch geformt soll die hagere, knochige Hand am wolkenlosen Himmel gewesen sein.

Das Unglück abgewendet

Das bis zum heutigen Tage ungeklärte Vorkommnis an jenem 13. Mai 1940 wurde von vielen Menschen dahingehend interpretiert, dass eine höhere Macht die Schweiz vor einem Angriff Adolf Hitlers beschützt habe. Am Tag zuvor nämlich, am 12. Mai, hatte Reichspropagandaminister Joseph Goebbels verlauten lassen, dass es «innerhalb von 48 Stunden in Europa keine neutralen Staaten mehr geben» werde. Eine Invasion der Deutschen schien unmittelbar bevorzustehen. Bereits am 10. Mai hatte der Bundesrat die zweite Generalmobilmachung befohlen – die Schweizer Armee stand in Stellung und erwartete den Angriff von Norden her. Doch anstatt über den Hochrhein in die Schweiz vorzustossen, marschierten die Deutschen in den Ardennen ein – eine Besetzung durch Hitlerdeutschland blieb der Alpenrepublik erspart.

So ist das «Wunder von Waldenburg» vielen Zeitzeugen unauslöschlich in Erinnerung geblieben. Doch schrieben viele der gläubigen Menschen, welche die Hand am Himmel gesehen haben oder davon in Kenntnis gesetzt worden sind, die Erscheinung nicht etwa Gott dem Ällmäch­tigen zu, sondern sie waren überzeugt, dass der Landesvater Bruder Klaus die Schweiz vor Hitler beschützt habe. Die katholische Kirche überprüfte das Vorkommnis noch im selben Jahr. Bereits im Juni 1940 begab sich Werner Durrer, seinerzeit Bruder-Klausen-Kaplan in Sachseln, nach Waldenburg. Acht Männer, fünf Frauen und zwei Kinder befragte er separat über die Erscheinung und zeichnete deren Aussagen akribisch auf. Seinen Rapport übersandte Durrer dem Bischof in Chur. Damals war der Eremit noch nicht heiliggesprochen – dies erfolgte erst im Mai 1947. Sollte der Bischof den Fall Waldenburg als mögliches Wunder durch Bruder Klaus deuten und an den Vatikan weiterreichen, so wäre eine Heiligsprechung Nikolaus von Flües womöglich schon früher erfolgt. Der Bischof aber hatte seine Zweifel an der Authentizität des «Wunders von Waldenburg» und liess die Unterlagen nicht weiterleiten. Dieser Entscheid hielt die Gläubigen jedoch nicht von ihrer Überzeugung ab, dass Bruder Klaus das Land vor dem Krieg bewahrt hatte. Bekräftigend für sie hierbei ist auch die Begebenheit, dass Bruder Klaus im Jahre 1467 auf seinem Weg ins Elsass im unteren Waldenburger Tal der Überlieferung zufolge die gött­liche Eingebung erfuhr, nach Flüeli-Ranft zurückzukehren.

Von der Kirche nicht anerkannt

Die ablehnende Haltung der katholischen Kirche und das weitgehende Schweigen der Presse zu der Himmelserscheinung im Baselbiet führten nicht zuletzt auch dazu, dass die Geschichtsschreibung dieses Vorkommnis nicht erwähnt und das mutmassliche Wunder somit schnell in Vergessenheit geraten ist. Doch noch Jahrzehnte danach liessen sich die gealterten Waldenburger und die ehemaligen Soldaten im Kollektiv nicht von ihrer Überzeugung abbringen, die Hand am Himmel gesehen zu haben.

Mit jedem Zeugen, der nicht mehr ist, gerät das «Wunder von Waldenburg» tiefer ins Dunkel der Vergessenheit. In der Wallfahrtskirche von Melchtal OW existiert ein 1945 geschaffenes Wandfresko von Albin Schweri, welches das Vorkommnis in Baselland in der Nacht vom 13. auf den 14. Mai 1940 zeigt: Ein Soldat und erstaunte Waldenburger blicken zum Himmel, wo die schützende Hand hell leuchtend erscheint. Kriegsbomber und Gefechtsfeuer verweisen auf die drohende Gefahr von Norden. Das Gemälde befindet sich an der Chorwand der Kirche – an prominenter, doch unauffälliger Stelle, da verdeckt durch die Stuckmarmorsäulen des Hochaltars.

Als Hirngespinst oder gar Resultat völkischer Frömmlerei wurde das angebliche Wunder von Waldenburg von Kritikern wiederholt abgetan. Keiner der Zeugen von damals aber liess sich das prägende Erlebnis je schlechtreden. Ob es eine sonderbare Laune der Natur war oder ob tatsächlich eine höhere Macht unser Land vor der Invasion schützte – Gewissheit werden wir nie erlangen.

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