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GLAUBE: Mit Filmen beten

Auch im Film kann man Gott finden, ist der Jesuit Christof Wolf überzeugt. In sogenannten Filmexerzitien legt er das spirituelle Potenzial des Mediums offen.
Monika Wegmann
Im In- und Ausland tätig: der Filmemacher und Jesuit Christof Wolf (47).

Im In- und Ausland tätig: der Filmemacher und Jesuit Christof Wolf (47).

Monika Wegmann

redaktion@zugerzeitung.ch

Es gibt Filme, an deren Geschichten oder Melodien erinnern wir uns ein Leben lang: Sie haben uns bewegt, vielleicht zu Tränen gerührt. «Ob man eine Predigt hört oder ein Buch liest, immer steigen innere Bilder auf. Ein Film enthält mit Bild und Ton sogar zwei Ebenen, sodass Bilder anders verarbeitet werden. Wer ­einen Film gesehen hat, empfindet tiefere Reaktionen», ist Christof Wolf (47), Jesuit und Filmproduzent aus München, überzeugt. Er hat festgestellt, dass Filme die Menschen nicht nur stark bewegen, sondern in ihnen sogar spirituelle Erfahrungen auslösen können – selbst bei denen, die sich von der Kirche entfernt haben.

Und weil Wolf nicht nur ein passionierter Filmschauer ist, sondern dieses Metier professionell gelernt hat und betreibt, bezieht er das Medium bewusst in die seelsorgerische Arbeit ein. Wie der Ordensgründer Ignatius Loyola (1491–1556) ist der Jesuit überzeugt, dass man mit allen Sinnen beten und Gott in allem finden kann – auch im Film.

Bilder lösen Emotionen aus

«Filme können der Impuls sein, um beim Menschen existenzielle Fragen auszulösen», erklärt Wolf. «Solche Prozesse brauchen jedoch einen geschützten Rahmen, wie wir ihn in den Filmexerzitien bieten, die ich mit dem Luzerner Franz-Xaver Hiestand SJ durchführe.» Man könne nicht voraussagen, was dabei ausgelöst werde. Oft tauche auch Unbequemes auf und führe zu überraschenden Antworten. «Der Film mit philosophischem Hintergrund ist das Vehikel, um die Leute zu führen, er ist auch ein Impuls für Meditationen und Gespräche mit Blick auf die Bibel.»

Doch wie kommt ein Jesuit zur Filmwelt? Das hat bei Christof Wolf mit seinem Weg zu tun: «Als Katholik war mir in der ehemaligen DDR eine akademische Ausbildung verwehrt. So lernte ich Tischler und wurde Dekorationsbauer an den Städtischen Theatern von Karl-Marx-Stadt. Dies habe ich nie bereut.»

Nach der Wende kam er in den Westen und absolvierte auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur. «Schon als Junge wollte ich Priester werden, aber nicht in einer Pfarrei. So entschied ich mich 1993 für den Eintritt in die Gesellschaft Jesu, nachdem ich deren Spiritualität und Arbeitsfelder kennen gelernt hatte. Zudem sind die Jesuiten bekannt für eine gute Ausbildung.» Und die erhielt Christof Wolf: Er studierte Philosophie, germanistische Linguistik sowie Theaterwissenschaft und Dramaturgie, gefolgt von einem Theologiestudium in London. «Im Jahre 2004 wurde ich zum Priester geweiht, dann folgte ein Pastoraljahr. Schon während meiner Ausbildung war mir klar, dass ich gerne Medienarbeit machen wollte», erinnert sich Wolf.

Geschäftsführer einer Filmproduktionsfirma

Mit Erlaubnis der deutschen Jesuitenprovinz konnte er in New York die Filmschule besuchen. Kurz danach wurde Christof Wolf 2006 Geschäftsführer der von den Jesuiten getragenen Loyola Productions Munich GmbH. «Ihr Zweck ist die Produktion von Filmen mit einer spirituellen Botschaft, es geht um Glaube und Gerechtigkeit.» Als Beispiele erwähnt er den Film über Hugo ­Makibi Enomiya-Lassalle, den Brückenbauer zwischen Zen und Christentum, in anderen Produktionen geht es um die Schöpfung, den Engel von Dachau, über ein Bistum in Simbabwe. Derzeit engagiere man sich für Flüchtlinge und das weltweite Lernen. «Wir haben angefangen, in den Lagern zu drehen, denn wir wollen Flüchtlinge mit einer akademischen Vorbildung unterstützen, damit sie einen Abschluss machen können.»

Inzwischen hat Christof Wolf zahlreiche Filme produziert – und sogar Preise entgegennehmen können – sowie Texte und Bücher verfasst. Oft ist er Produzent, Regisseur, Kameramann und Autor in einer Person. Die Liste seiner «Filmografie» ist umfangreich, und Ideen für Themen hat er genug. Doch jede Produktion muss auch finanziert werden. Dies ist bei Auftragsarbeiten eher gegeben.

Als Fachmann im In- und Ausland aktiv

Seit einigen Jahren ist Christof Wolf als Fachmann vielerorts ­gefragt. Er hat Lehraufträge für filmische Themen erhalten und wurde Jurymitglied und Direktor diverser in- und ausländischer Filmfestivals. Seit 2012 ist er Mitglied der katholischen Filmkommission und gehört dem Geist­lichen Beirat der Gesellschaft Katholischer Publizisten an.

Wolf führt auch Filmexerzitien durch. Der Impuls 2003 sei von Franz-Xaver Hiestand SJ gekommen. Das Konzept habe man gemeinsam entwickelt, so Wolf. «Die Filmexerzitien sind ein anderer spiritueller Weg, sie sind keine bilderlose Kontemplation. Jeder Mensch muss selber wissen, was ihm guttut. Der Film kann den Einstieg ins Gebet ermöglichen. So kann man den Glauben nicht nur rational erfahren, sondern auch emotional. Der heutige Mensch will selber erfahren – mit Leib und Seele.»

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