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Glokalisierte Daseinsform in der Galerie Kirchgasse

Christian Rothmaler befasst sich mit Technologien, die unser Dasein verändern. Seine Ausstellung in Steckborn schlägt eine thematische Brücke zwischen zwei weit auseinanderliegenden Zukunftslaboratorien.
Lucia Angela Cavegn
Blick in Christian Rothmalers Ausstellung in der Galerie Kirchgasse. (Bilder: Alex Kern)
Blick in Christian Rothmalers Ausstellung in der Galerie Kirchgasse.
2 Bilder

Glokalisierte Daseinsform

Im Zusammenhang mit der globalisierten Wirtschaft hat sich das Motto «think global, act local» als Allgemeinplatz durchgesetzt. Was einst als Gegensatzpaar empfunden wurde, ist heute Ausdruck eines neuen Lebensgefühls, das auf neuen Kommunikationstechnologien und Hochleistungs-Glasfasernetzen basiert. So ist es uns heutzutage möglich, gleichzeitig an verschiedenen Orten präsent zu sein – lokal mit unserer Physis, global mit hinterlegten Profilen und unseren Aussagen.

Mit «Mountain View on Neom Om» in der Galerie Kirchgasse bezieht sich Christian Rothmaler einerseits auf das Google-Hauptquarter in Mountain View, einer Stadt im Silicon Valley, und anderseits auf das urbanistische Mega-Projekt Neom, eine Mischung aus Technologiepark und Retortenstadt in der Wüste Saudi-Arabiens.

Technologie zwischen Ursprung und Zukunft

Rothmaler zeigt in Steckborn formal reduzierte Bilder, die hinlänglich bekannte Symbole wie jenes der Doppelhelix abwandeln und mit neuer Bedeutung aufladen. Die mehr oder weniger chiffrierten Darstellungen sind der Ausdruck veränderter Daseinsformen. Die Tastaturlastigkeit heutiger Kommunikation bringt der Künstler durch die Darstellung einer siebenfingrigen Hand zum Ausdruck, während die beiden sich spiralförmig windenden Blattranken einerseits auf die Grundstruktur der menschlichen Existenz und ihren natürlichen Ursprung verweisen, anderseits auf die Biotechnologie und die Möglichkeiten, in diese vermeintlich axiomatische Struktur einzugreifen.

Die Annäherung von Biologie und Technologie liegt in der (Galerie-)Luft, denn das gelbe Raster, das sich in Anspielung auf das «Holodeck» wie ein roter ­Faden durch die Ausstellung zieht, verortet alles und entpuppt sich als übergeordnetes System. Spinnt man diesen Gedanken weiter, so stellt sich die Frage, inwiefern neue Technologien traditionelle Formen von Spiritualität beeinflussen oder ob sie diese gar obsolet werden lassen.

Orientierung in Zeit und Raum

Bereits 2017 hat Rothmaler in seiner Ausstellung «Being Time Squared (+ 0 –)» bei der R & R Schlesinger Foundation in Wald (AR) die Verschiebung von Raum- und Zeitbezügen in seiner Malerei thematisiert. Wie in der virtuellen Welt, so werden auch beim Träumen Raum und Zeit anders als in der Realität erfahren. Die künstlerische Auseinandersetzung damit beinhaltet eine Brechung dieses Faszinosums. Das Flüchtige, Vergängliche wird dingfest gemacht, auf Leinwand gemalt.

High-Tech-Architektur oder lauschige Aussicht?

Noch stärkere Präsenz im Raum haben die turmartigen Objekte, die ebenfalls mit dem gelben Raster überzogen sind und von Pflanzensetzlingen gekrönt werden. Das Feld der Assoziationen ist auch hier breit: So lassen diese Objekte an den babylonischen Turmbau, Neom und an begrünte High-Tech-Architektur denken, andere sehen darin einen Berg mit lauschiger Aussichtsplattform.

Und das «Om» im Titel? Schnell hat man es überlesen. Die Silbe stammt aus dem Sanskrit und ist im Hinduismus und im Buddhismus heilig. Das Schriftzeichen für Om ziert die Titelseite der Ausstellungspublikation. Mit ihr schlägt der Künstler nochmals einen weiten Bogen in alle möglichen Richtungen, vielsprachig wie der Google-Translator, welcher die Übersetzung des Textes in verschiedene Sprachen vorgenommen hat, aber irgendwie auch sehr beliebig – halt eben glokal.

Bis 17.11. Do/Fr 11–18, Sa 10–17 Uhr. kirchgasse.com

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