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Gloria überstrahlt beim Jahreskonzert des St.Galler Bach-Chores die menschlichen Zweifel

Das Jahreskonzert bringt zwei sehr unterschiedliche Chorwerke von Poulenc und Puccini zur Aufführung. Ein Kontrastprogramm auch für das Sinfonieorchester St. Gallen und die Solisten.
Mirna Wiggert

Fundamental unterscheiden sich die Musiksprachen der beiden Komponisten. Zwei Welten treffen da aufeinander: Die tänzerisch-frankofone und die opernhaft-italienische, bei der das grosse Vorbild Giuseppe Verdi immer wieder durchklingt. Bei Francis Poulenc (1899–1963) heissen die musikalischen Ziehväter Maurice Ravel und Eric Satie. Auch Anklänge an Debussy meint man gelegentlich zu vernehmen. Trotz der beiden sehr unterschiedlichen Klangerlebnisse entsteht eine verbindende Klammer: Musik als strahlendes und trotzdem suchendes Lob Gottes. Ein ständiges Wechselbad zwischen innerster Überzeugung und quälendem Suchen, das sich über den eindrücklichen Konzertabend legt.

Widersprüchlichkeiten herausgeschält

Nach jeder vermeintlichen Erlösung beginnt der Zahn des Zweifels wieder unmerklich zu nagen und stürzt die Szenerie unvermittelt in eine neue Glaubenskrise. Bei Poulenc ist die Wirkung dieser emotionalen Brüche und der darauf folgenden schmerzlichen Eruptionen ungleich stärker zu spüren als beim selbstgefälligeren Puccini. Eigentlich war Francis Poulenc kein religiöser Mensch trotz streng katholischem Vater. Der plötzliche Tod eines engen Freundes bewirkt eine Kehrtwende und lässt ihn 1963 auf dem Sterbebett sagen: «Ich glaube, ich habe den besten und glaubwürdigsten Aspekt meiner selbst in meine Chormusik eingebracht.» Anna Jelmorini, die Leiterin des Bach-Chores und Dirigentin des Konzertabends, hat die Widersprüchlichkeiten des «Glorias» von Poulenc und der «Messa di Gloria» von Giacomo Puccini (1858–1923) kongenial herausgeschält mit einer kristallklaren Transparenz in allen Registern. Die musikalische Redlichkeit überzeugt. Sowohl der Chor wie auch das Orchester stehen im Dienst der sakralen Werke. Die textliche Verständlichkeit des Chores ist vorbildlich, die Stimmen überzeugen vom feinsten Pianissimo bis zu den stärksten Eruptionen.

Charlotte Müller Perrier, die Sopranistin im «Gloria», besticht mit einem seelenvollen, warmen Timbre, das in gewissen Passagen an einen Mezzosopran erinnert. Im «Domine Deus» etwa schraubt sie sich problemlos von den tiefsten Tönen in einem präzisen Glissando bis zu den höchsten hinauf.

So berühmt werden wie Verdi

Das war das Ziel von Giacomo Puccini, der 1858 in Lucca in der Toskana zur Welt kommt und als Siebzehnjähriger in Pisa die Uraufführung der epochalen Verdi-Oper «Aida» erlebt. Mit 21 Jahren schreibt Puccini seine Abschlussarbeit am Konservatorium, die «Messa die Gloria», die am 12. Juli 1880 in Lucca uraufgeführt wird. Welche Kraft in diesem Frühwerk steckt, das Zeugnis ablegt von einem selbstbewussten jugendlichen Optimismus, konnte das Publikum in der Tonhalle St. Gallen am Samstagabend erleben. Auch hier sind musikalische Brüche zu hören, die leichte Zweifel zum Ausdruck bringen. Insgesamt aber erklingt ein pralles italienisches Werk voller Sinnlichkeit. Der Tenor Nino Aurelio Gmünder und der Bass Robert Koller überzeugen mit einfühlsamen Belcanto-Passagen.

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