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«Glücklich – trotz Verirrungen»

Nachgefragt

Willi Wottreng, in Ihrem Roman sagt ein Alt-68er, er habe heimlich Freude gehabt, als der ehemalige SS-Untersturmführer und Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer 1977 entführt wurde. Was dachten Sie damals?

Wie viele andere hatte ich Sympathien mit den ersten Taten oder besser Untaten der Rote- Armee-Fraktion. Schockiert war ich, als es tatsächlich Tote gab. Ich glaube, ich habe die Entführung von Hanns Martin Schleyer mit Faszination verfolgt und mich, als er wie ein KZ-Häftling mit Tafel um den Hals ausgestellt wurde, auf menschliche Werte zurückbesonnen.

Haben Sie selbst mal mit dem Gedanken an Gewalt gespielt?

Ich gestehe es hier öffentlich, ich habe ein einziges Mal in einer demonstrierenden Menge einen Stein gegen ein Schaufenster ­geworfen. Dann nicht mehr. Ich schäme mich heute noch dafür. Danach suchte ich einen politischen Weg.

In der Nachbemerkung schreiben Sie über die 68er-Bewegung: «Sie haben daran geglaubt. Wie ich.» Wie sieht Ihr Résumé aus?

Für mich war die 68er-Bewegung die Bewegung einer ganzen Generation. Sie hatte zwar politisch oft verquere Parolen, darunter verbargen sich aber berechtigte Anliegen: Kritik an Repression, an Profitdenken, an Unmenschlichkeit. Im Effekt hat sich diese 68er-Bewegung in vielen Bereichen, vor allem kulturell, durchgesetzt. Ich bin glücklich, da mitgewirkt zu haben. Trotz Verirrungen.

Sie werden oft als ehemaliger Maoist bezeichnet. Was hat Sie in den 1960er-Jahren zum Maoisten gemacht?

Es war vermutlich der Versuch, eine Alternative zu Kapitalismus und Sowjetkommunismus zu finden. Und die Hoffnung, es möge einen menschlichen Sozialismus geben. Da China weit weg war und weitgehend unbekannt, und da Kulturrevolution ein in Westeuropa machtvoll wirkendes Label war, in das man viel hineinprojizieren konnte, habe ich wie viele Linke Hoffnungen darin gesetzt.

Stimmt es, dass Ihr Abgang von der «Weltwoche» eine Kündigung war?

Stimmt genau. Ich war der erste in einer Reihe von Redaktorinnen und Redaktoren, die damals vom neuen Chefredaktor Roger Köppel entlassen wurden. Offensichtlich, weil ich als alter Sack und Linker galt. Ich wurde tatsächlich beim Entlassungsgespräch mit den berühmten Worten begrüsst: Willi, bad news.

Im Roman stellen Sie einen Zusammenhang zwischen 68er-Bewegung und Linksterrorismus her. Wie reagieren Ihre Bekannten?

Bei Veteranen sind die Reaktionen natürlich gemischt, sie reichen von Zustimmung bis zu Ablehnung. Jeder versteht sich als bester Verwalter seiner eigenen Vergangenheit und lässt sich diese nicht gern durch Interpretationen Dritter nehmen. Vor allem bei Jüngeren stelle ich dagegen ein hohes Interesse fest, wahrscheinlich, weil sie diese Zeit nicht mehr kennen – und eine Faszination am Buch, weil sie ­ die damaligen Geschehnisse als abenteuerlich empfinden. Und vielleicht auch als Ausbruchs­versuche verstehen. (hak)

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