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Rigi: Goldene Musiktage mit Überraschungen

Unter dem Motto «Heimat» standen die Rigi-Musiktage. Sie gipfelten im Auftritt der Luzerner Sopranistin Regula Mühlemann.
Fritz Schaub, Rigi
Vor dem Eröffnungskonzert auf Rigi Kulm. Regula Mühlemann (Zweite vor rechts) und die Musiker. (Bild: Nadia Schärli, 19. Juli 2019)

Vor dem Eröffnungskonzert auf Rigi Kulm. Regula Mühlemann (Zweite vor rechts) und die Musiker. (Bild: Nadia Schärli, 19. Juli 2019)

Klassische Musik erleben auf höchster Ebene, rings umgeben von würziger Alpenluft und unverbauter Natur: Seit 2013 ist es auch möglich auf Rigi-Kulm und Umgebung. Und so sind diese Musiktage auch entstanden, wie die Zuhörer beim Eröffnungskonzert am Freitag von Gründerin Diemut Poppen erfuhren: Bei offenem Fenster pflegte die Bratschistin, bekannt von ihrer Mitwirkung beim Lucerne Festival Orchestra, in ihrer Mietwohnung zwischen Kaltbad und Rigi-Staffel zu üben. Und bekam bald Zuhörer in Gestalt weidender Kühe. Warum sollten nicht auch die Menschen die Musik hören? Die Idee der Rigi-Musiktage war geboren.

Zwar nahm sie sich nach dem letztjährigen 5-Jahre-Jubiläum eine Auszeit und übergab vorübergehend die künstlerische Leitung dem Luzerner Pianisten Ivo Haag. Dieser entwarf nicht nur das Programm, sondern griff auch zweimal aktiv ein, beide Male auf Rigi-Kulm bei Mozart, einmal mit drei Streichern im Quartett-Verbund, und einmal mit besonderem Publikumserfolg mit seiner Duo-Partnerin Adrienne Soos.

Grosse Komponisten, die von der Rigi fasziniert waren

Aber der Geist der Gründerin schwebte auch in diesen Tagen über dem Programm, das primär auf Komponisten ausgerichtet war, die selber die Rigi besucht hatten und ihrer Faszination erlegen waren: Robert Schumann, Johannes Brahms, Felix und Fanny Mendelssohn. Musiziert wird zwar in geschlossenen Räumen, aber in solchen, die akustisch zu befriedigen vermögen. Zu allererst im nostalgisch-stilvollen Festsaal, einem Relikt des früheren Prachthotels auf Rigi-Kulm, und auf Kaltbad in der mythenumrankten Felsenkapelle (mit dem erstmals auftretenden Gémeaux-Quartett) und der schlichten reformierten Bergkapelle, wo die Musiktage gestern zu Ende gingen.

Aber vor- und nachher nimmt man die Natur wahr, fühlt sich wohl in einer entspannten Atmosphäre abgeschirmt vor Tourismusströmen. Tatsächlich machen ausländische Besucher nur etwa 10 Prozent aus, die übrigen Prozente beziehen sich auf Einheimische am Ort und in der näheren und weiteren Umgebung.

Grösster Anziehungspunkt war nicht überraschend das Eröffnungskonzert mit dem Auftritt der Luzerner Starsopranistin Regula Mühlemann. Sie kam mit einem Strauss von Liedern von mehrheitlich vergessenen Komponisten, die alle die schönen Seiten der Natur in verführerische Klänge bannten. Dabei gelang ihr manche Entdeckung.

Dazu gehören alle Lieder von Wilhelm Baumgartner (1820–1867), die zu einer ersten Gruppe versammelt waren. Der früh verstorbene und von den Zeitgenossen geschätzte Komponist gehörte zum Zürcher Wagner-Kreis. Ihm hatten es vor allem Texte von Romantikern von Heine bis Mörike und Eichendorff angetan, unter ihnen vorab Blumengedichte. Die Auswahl pries die Schönheiten der Natur und nicht wie beim Kunstmaler William Turner auch ihre Schrecken. Entsprechend galt der einzige Klaviervortrag dem lyrisch reizvollen «Au Lac de Wallenstadt» aus den «Années de pèlerinage. Première Année: Suisse» und nicht dem zerklüfteten Vallée d’Obermann galt.

Krönung mit dem 
«Hirt auf dem Felsen»

Regula Mühlemann wendete ihre Legatokultur bei diesen volks- und naturnahen Liedern genauso an, wie sie es bei Opernarien zu tun pflegt. Vor allem aber glänzte sie auch hier mit ihrer Natürlichkeit, der Intonationsreinheit, der schieren Schönheit ihrer Stimme, die quasi durch Kunstfertigkeit wieder zur Naturstimme geworden ist.

Sie bewies auch in diesem Genre ihre sprachliche Vielseitigkeit mit einzelnen Liedern auf Französisch, Rätoromanisch und Italienisch. Neben Schubert und Rossini (dessen «La Pastorella della Alpi» ihr ein Koloratur-Feuerwerk erlaubte) war der Urschweizer Othmar Schoeck der bekannteste Komponist (mit Eichendorffs «In der Fremde»).

Gerne vernahm man, dass der geniale Spätromantiker im kommenden Jahr (17.–19. Juli) besonders stark vertreten sein wird. Franz Schubert hat zwar nie die Rigi besucht, aber seine Kantate «Der Hirt auf dem Felsen» für Singstimme, Klarinette und Klavier passte wie kein anderes Werk in diese Rigi-Musiktage.

Die Aufführung setzte dem Auftritt die Krone auf, spannte doch Regula Mühlemann mit dem Schweizer Top-Klarinettisten Fabio Di Casola zusammen, der mit seinem die Schalmei vertretenden Instrument ebenso schön «sang» wie sie mit ihrem kostbaren Sopranorgan.

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