Weshalb Googles neuer Dienst floppt

Der neue Streamingdienst Stadia ist seit letzter Woche auf dem Markt – und wird schon als Enttäuschung abgestempelt. Vier Gründe, warum.

Federico Gagliano
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Für den Streamingdienst Stadia hat Google einen eigenen Controller entwickelt.(Bild: AP)

Für den Streamingdienst Stadia hat Google einen eigenen Controller entwickelt.
(Bild: AP)

Google hat viel versprochen: Als der Tech-Gigant im März seinen Einstieg ins Gaming-Geschäft ankündigte, wurde der Streaming-Dienst namens Stadia als die «Zukunft des Gamings» bezeichnet. Die Plattform ermöglicht es, Spiele auf Googles Servern laufen zu lassen und direkt auf verschiedene Geräte der Nutzer zu übertragen: sei es am Laptop, Smartphone oder direkt am Fernseher. Die Leistungsfähigkeit des Geräts spielt dabei keine Rolle, Ladezeiten soll es keine geben.

Inzwischen ist der Dienst in 14 Ländern erhältlich: Die Schweiz zählt nicht dazu. Verpassen Schweizer Gamer die Zukunft ihres Hobbys? Scheinbar nicht, wenn man den ersten Kritiken Glauben schenkt. Viele bezeichnen Stadia als «Testlauf», «Forbes» spricht gar von einem «Desaster». Das New Yorker Internetportal «Quartz» titelte: «Google Stadia ist nicht die Cloud-Gaming-Zukunft, die uns versprochen wurde.» Nach nur einer Woche haben sich vier Gründe für den ernüchternden Start herauskristallisiert.

1. Hoher Preis

Google betont, dass Stadia zugänglicher sei als PC oder Konsolen, da man nur einen Bildschirm braucht. Trotzdem zahlen Benutzer gleich dreimal, bevor sie überhaupt ein Spiel starten können. Zunächst für die Hardware: Ein Bildschirm und eine gute Internetverbindung sind die Grundbedürfnisse bei Stadia. Will man mit einem Smartphone gamen, taucht bereits das erste Problem auf: Zum Start werden nur Googles eigene Pixel-Smartphones unterstützt. Wer andere Android-Geräte besitzt, bleibt vorerst aussen vor. Zusätzlich wird das 129 Dollar teure Stadia-«Gründerpaket» benötigt, das einen Controller, einen Streaming-Stick und drei Monate Abo für sich und einen Freund beinhaltet. Die letzten Kosten sind mit den Games selbst verbunden: Obwohl Stadia anfangs gerne als «Netflix für Videospiele» bezeichnet wurde, sind nicht alle Inhalte automatisch im Service enthalten wie beim Film-Streamingdienst. Für viele Games wird man separat zur Kasse gebeten.

2. Zu wenige und zu alte Spiele

Stadia startet mit einer Auswahl von 22 Videospielen, darunter befinden sich nur zwei neue Titel. Der Rest stammt aus den letzten fünf Jahren – kostet aber dennoch um die 60 bis 70 Franken. Ausserdem entspreche die Bildqualität nicht dem, was versprochen wurde, heisst es in den Kritiken. Google hat die Schuld bereits von sich gewiesen und die Verantwortung auf die Entwickler geschoben. Ein Problem ist auch, dass viele Spiele nicht für alle Bildschirme konzipiert sind: Die Aussicht, Titel wie das letztjährige «Red Dead Redemption 2» unterwegs zu spielen, mag verlockend klingen, in der Praxis lassen sich die Menus aber auf dem Smartphone nur mit der Lupe lesen.

3. Fehlende Features

Das «Gründerpaket» beinhaltet Dinge, die Google noch gar nicht liefern kann. Zwar sind drei Monate für einen Freund im Preis inbegriffen – weitergeben kann man diese aber noch nicht. Auch viele Funktionen, um Bilder oder Videos aus seinen Spielen mit anderen zu teilen, sind noch nicht bereit und werden gemäss Google in den nächsten Wochen oder teilweise sogar erst im nächsten Jahr folgen. Dies, obwohl das Teilen mit anderen Spielern als eines der Schlüsselelemente von Stadia vorgestellt wurde.

4. Hohe Internetanforderungen

Von Anfang an lag die Frage im Raum: Was für eine Internetverbindung ist nötig, um Stadia flüssig zu spielen? Besonders in den USA sind die Resultate sehr unterschiedlich: Manche haben keinerlei Probleme, andere beschweren sich über konstante Ruckler und Störungen. Gerade bei Spielen wie Ego-Shootern oder Kampfspielen, wo schnelle Reflexe und Präzision gefragt sind, sorgen solche Störungen für grossen Frust. Problematischer ist das Spielen unterwegs, da die Verbindung oft verloren geht. Nach Google-Angaben schickt Stadia bis zu 4,5 Gigabyte Daten pro Spielstunde über die Internetleitung – ohne grosses Datenvolumen ist Stadia also nicht zu empfehlen.

Mit Stadia wollte Google wohl der nächsten Konsolengeneration von Sony und Microsoft zuvorkommen, die 2020 in den Handel kommt. Doch der Tech-Gigant hat sich scheinbar verschätzt: Sein Angebot ist nicht attraktiv genug, um Gamer von ihren PCs und Konsolen wegzulocken.

Google will Gaming revolutionieren

Der Tech-Gigant steigt ins Gaming-Geschäft ein: Google stellte am Mittwoch seinen neuen Streamingdienst Stadia vor, bei dem Games auf Servern im Netz statt auf Konsolen laufen. Viele Fragen blieben aber noch unbeantwortet.
Federico Gagliano