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Gott bei der Schöpfung zugehört: Niklaus Meyer verabschiedet sich aus dem St.Galler Musikleben

Abschiede fallen schwer, vor allem von einem Musiker, der fast vierzig Jahre das St.Galler Kulturleben prägte. Das Adieu von Niklaus Meyer in der Tonhalle geriet indes zu einem beglückenden Fest mit Haydns «Schöpfung».
Martin Preisser
Ein Bild aus dem Jahr 2011: Niklaus Meyer erhielt damals den Anerkennungspreis der Stadt St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Ein Bild aus dem Jahr 2011: Niklaus Meyer erhielt damals den Anerkennungspreis der Stadt St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

«Die Kühle des Abends, o wie erquicket sie.» Diesen Satz Evas aus dem dritten Teil von Haydns «Schöpfung» liess das Publikum in der saunaähnlichen Tonhalle St. Gallen schmunzeln. Am Samstagabend war der Moment gekommen, Niklaus Meyers letztes Konzert mit dem St.Galler Kammerchor zu erleben. Ein Abschied, der mit langen Standing ovations gefeiert wurde, und an dem Niklaus Meyer, ernst und besonnen scheinend, nochmals seine ganze Erfahrung als breit gebildeter Musiker und sensibler Mensch zu Klang werden liess.

So klar und eindeutig, wie Haydn in diesem genialen Oratorium Gott an den Schöpfungstagen quasi zuzuhören scheint, so licht seine Musik fliesst, so klar und sicher, feinsinnig und genau, berührend und abgerundet, und mit grosser Natürlichkeit führte Meyer durch dieses zweistündige, an diesem Sommerabschied schweisstreibende Werk.

140 Konzerte mit den St.Galler Kammerchor

Ein unvergessliches, langes Stück St.Galler Chorgeschichte ging mit einem würdigen, interpretatorisch überzeugenden Konzert zu Ende. Der St. Galler Kammerchor gab nochmals alles für seinen Leiter, der ihn fast vierzig Jahre mit 140 Konzerten geprägt hat: Mit herzhaft kräftigen Chorpartien, mit Enthusiasmus, mit Hingabe.

Niklaus Meyer nahm die geheimnisvolle Einleitung der «Schöpfung» mit einem Schuss Nachdenklichkeit. Dann schien der Abschied vergessen. Wunderbar filigran und lebendig ging Meyer mit dem Basler Barockensemble Capriccio Haydns Schöpfungstagen nach; jede Figur, jede programmatische Idee, das Elementare wie das Verspielte, das Geheimnisvolle wie das Helle kam genau und hell. Und mit der richtigen Kraft und präzis dosierten Steigerungen rundete Meyer mit beeindruckenden Tutti jeweils die Hauptteile des Werks ab. Feinfühlig und in ganz organisch wirkenden Bögen hörte sich der Dirigent, der im hiesigen Musikleben fehlen wird, auch in die Solopartien hinein und begleitete empathisch.

Haydns Musik ist Licht

Überragend in Ausdruck und Stimmbalance Raphael Höhn, ein begnadeter Oratoriensänger. Kraftvoll präsent mit eindringlichen Arien Monika Mauch und Samuel Zünd, als Adam auch mit einer leicht humoristischen Note. Allen drei Solisten gelangen zudem sauber und eingängig geführte Gesangsterzette. Haydns Musik ist Licht, dieser Grundcharakteristik ging Niklaus Meyer nach. Das wird von diesem Abend besonders in Erinnerung bleiben.

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