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Theater Arth: Göttliches Spektakel über Schein und Sein

Mit «Orpheus in der Unterwelt» bietet das Theater Arth einen Genuss für alle Sinne. Das Werk ist zwar nicht die typische Operette. Und insofern ist diese Produktion auch ein Wagnis. Doch dieses hat sich gelohnt.
Roman Kühne
Operette Arth 2019 Orpheus in der UnterweltBilder: PD

Operette Arth 2019 Orpheus in der Unterwelt

Bilder: PD

Bei den Göttern auf dem Olymp: in der Mitte die neue Sängerin Rahel Bünter als die Jagdgöttin. (Bilder: Gregor Stäuble/PD)
10 Bilder

Die besten Bilder von "Orpheus in der Unterwelt" in Arth.

Alleine das letzte Bild ist einen Besuch dieser Aufführung wert. Feurig rot ist der Hintergrund. Farbige Stalaktiten hängen vom Deckenrund. Unablässig bewegen sich die Zahnräder der Zeit, drehen die Lichter der Verlorenen. Ein riesiger Totenkopf wacht über das Fest. Und eine schwarze Spinne harrt drohend ihrer Beute, während sich die morbide Uhr Salvador Dalís auf den Felsen schmiegt.

Es ist ein Feuerwerk für Auge und Gehirn, inszeniert von Elja-Dusa Kedves, die auch die Textbearbeitung sowie die Choreografie besorgt hat. Ein wilder Ring aus Feier, Tanz und Leben. Die Hölle als ekstatischer Palast der Lust und Heiterkeit. Es ist ein ausladendes Farbenspiel, das fast keine Grenzen kennt. Auf allen Ebenen spielt sich das Geschehen ab. Ein 3D-Erlebnis, wie es keine Kinoleinwand bieten kann.

Vom Höllenhund bis zur strahlenden Göttin

Die szenische Üppigkeit hat im Theater Arth Tradition, und auch dieses Mal zeichnet Konrad Reichmuth und sein Team für diese Fülle verantwortlich. Ebenfalls sind die Kostüme (Ruth Mächler) an Vielfalt und Opulenz kaum zu überbieten. Jede der 32 Figuren aus der antiken Mythologie verfügt über ihr ganz eigenes Design. Dies reicht vom Höllenhund Zerberus in seinem zottigen Fell bis hin zur strahlenden Göttin Diana, deren Kopfschmuck in die Runde strahlt.

Doch sonst ist vieles anders bei dieser Aufführung der Operette «Orpheus in der Unterwelt» von Jacques Offenbach. Denn die Musik dieses Schauspiels, seine Handlung entspricht nicht dem typischen Aufführungsmuster dieses Genres. Der grosszügig ­angelegte Erzählstrang und die vielen Spielebenen heben diese Opéra bouffon ab. Es ist kein Klamauk, kein Verwirrspiel um Liebe, höfische Stände und Schickimicki-Themen. Die Szenen sind nicht auf einen engen Raum begrenzt, in dem die, meist wenigen Protagonisten sich ihre Wortgefechte liefern. Inhaltlich ist diese Operette deutlich spannender.

Natürlich, es geht auch hier viel um Eros, Eitelkeit und Eigennutz. Aber schliesslich werden grössere Fragen gestellt. Witzig verpackt geht es um Macht, Verstossung, den öffentlichen Druck oder die Selbstbestimmung der Frau. Vor allem aber ist es eine Art Welttheater, das sämtliche Ebenen, die Erde, den Himmel und die Hölle bespielt. Und das Schauspiel zeigt, dass es überall, ob oben oder unten, «menschelt». Von Fake-News bis hin zum Teufel Pluto, der im Himmel Fast Food verteilt und so die Götter in Versuchung führt. Das Theater ist gespickt mit witzigen Ergänzungen.

Die Aufführung ist aber auch ein Wagnis für die Theatergesellschaft Arth. In den 150 Jahren Schauspiel wurde dieses Werk noch nie auf die Bühne gebracht. «Hätten wir ‹Wiener Blut› auf dem Programm, so wären wohl jetzt schon sämtliche Vorstellungen ausverkauft», sagt Präsident Sandro Froni. «Aber wir wollten bewusst etwas Neues machen. ‹Orpheus in der Unterwelt› ist – bei allem Witz – sicher gewichtiger, aber auch spannender als viele anderen Operetten.»

Ausgezeichnet besetzte Hauptrollen

Dies zeigt sich auch an der Anzahl der Mitwirkenden. 45 Schauspieler und Sängerinnen stehen auf der Bühne. Im Ganzen sind gegen 200 Mitwirkende beteiligt. Dies ist fast ein Rekord. Und auch das Theater Arth hat inzwischen ein Niveau der Professionalisierung erreicht, wo das frühere Landschauspiel nur noch als gemütliches Echo wirkt. So sind die Hauptrollen bei den Sängern ausgezeichnet besetzt. Sara Hugelshofer singt die Eurydike mit grossem schauspielerischem Talent und einer sicheren Höhe. Andreas Büchler als Jupiter wechselt gekonnt zwischen Eitelkeit, Kaisergehabe und niederen Lüsten. Simon Witzig als Orpheus kann erneut sein nonchalantes, komödiantisches Talent beweisen.

Die eigentliche Überraschung sind aber zwei ausgezeichnete Neuzuzüge aus der ­Region. Rahel Bünter singt die Diana mit strahlendem Sopran und verleiht der Figur eine enorme Bühnenpräsenz. Jonathan Preliez ist im Bariton als auch in der Kopfstimme ein begeisternder Pluto.

Aber auch andere Figuren, etwa Marius Meier als Prinz von Arkadien, oder der Laienchor setzen Glanzlichter. Das Orchester unter der Leitung von Beat Blättler spielt präzise, mit ausgezeichneten Soli und kreiert treffend die Stimmungen. Einzig in lauteren Stellen fehlt teils etwas die Geschmeidigkeit.

Die Inszenierung schöpft auch neben dem manieristischen Bühnenbild aus dem Vollen. Es ist ständig etwas los auf der Bühne. Zwar ist der Rahmen teils gar etwas plakativ. So ist die Hölle einfach rot und der Himmel blau, fliegen zur Einleitung die erwarteten Engel auf. Oder die starken Tänzerinnen zeigen eine nicht immer nachvollziehbare Choreografie. Als dann zum Schluss der berühmte Can-Can ertönt, das bekannteste Vermächtnis Offenbachs, gibt es keine Zuschauer, die nicht begeistert mit dem Rhythmus klatschen.

Aufführungen bis 30. März 2019. Infos und Vorverkauf: www.theaterarth.ch oder Tel. 041 855 34 20.

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