GRAFIK: Vom Plakat zur eigenen Mode-Kollektion

Felix Pfäffli ist noch nicht 30, aber beruflich schon in der halben Welt gefragt: Der Luzerner Designer wird demnächst in Tokio arbeiten.

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Der Luzerner Grafiker Felix Pfäffli arbeitet auch für Google. Bekannt wurde er vor allem mit seinen Plakaten. (Bild: pd)

Der Luzerner Grafiker Felix Pfäffli arbeitet auch für Google. Bekannt wurde er vor allem mit seinen Plakaten. (Bild: pd)

Pirmin Bossart

Schmunzeln, lächeln, quietschen, grinsen: Das alles heisst laut Duden «feixen». Aber in diesem Wort steckt irgendwie auch «felix» drin. Felix, wie Felix Pfäffli, der in der Designwelt als «Feixen» bekannt ist. Da steht er, ein sanftes Grinsen im Gesicht, und öffnet die Türe in das Atelier am Löwenplatz. Hier heckt er aus. Wenn er denn mal hier ist.

In den letzten Monaten war Felix Pfäffli ziemlich viel unterwegs: USA, Südkorea, China, Peru, ein paar Mal in Frankreich, Belgien, Deutschland. Der junge Designer macht nicht Ferien, es dient alles seiner Karriere. «Meine Reisen sind immer verknüpft mit Vorträgen, Lectures, Workshops oder Ausstellungen.» In der Regel wird er eingeladen. Pfäfflis Plakate und Gestaltungen sind international bekannt. Seine visuelle Sprache ist recht abstrakt. «Daher funktioniert sie auch in China.»

Südpol und B-Sides

Felix Pfäffli ist in Luzern aufgewachsen. In einem Mehrfamilienhaus, wo viele Kinder herumtollten und gemeinsam an Abenteuern bauten, sodass sich die «soziokulturellen Kompetenzen» der künftigen Kreativgeneration wie von selbst einstellten. Der Vater Grafiker und Künstler, die Mutter Philosophin, das Milieu des Hauses eher links-intellektuell. Auch Politiker David Roth ist da aufgewachsen.

Schon während seiner Grafik-Ausbildung an der Hochschule Luzern Design und Kunst hat Pfäffli in der Kulturöffentlichkeit von Luzern seine visuellen Spuren hinterlassen. Seit Beginn gestaltet er die Plakate für den Südpol, die nicht nur auf bestimmte Anlässe hinweisen, sondern in ihrem Erscheinungsbild auch als Image-Werbung für das Kulturhaus hin angelegt sind. In den vier Jahren sind gut 100 Plakate entstanden, von denen jedes völlig anders ist.

Diesen Sommer hört Pfäffli mit dem Südpol Job auf. Er sei ihm «unglaublich wichtig» gewesen, aber er sei inzwischen stark absorbiert von andern Projekten. Zudem möchte er gestalterisch nicht in einen Trott verfallen. «Ich habe einen Megarespekt davor, dass ich mich wiederholen könnte. Wenn immer ich das merke, beginnt es mich zu nerven.»

Wichtige Schlüsselmomente für seine gestalterische Karriere brachte ihm auch das B-Sides Festival, dessen Erscheinungsbild mehrere Jahre seine Handschrift trug. «Wir haben dort eigentliche Geschichten entwickeln können, vom grafischen Konzept im engeren Sinne über die ganze Deko bis zu ausgefallenen Aktionen und Ausstellungen.» Und man versteht, was Pfäffli meint, wenn er sagt: «Für mich ist Grafik nur ein Alibi, um Sachen zu machen. Es spielt keine grosse Rolle, was es ist.»

Kleider entwerfen

Neben der spezifisch kulturellen Profilierung in seiner Heimbasis Luzern hat der angesagte Designer seine gestalterische Tätigkeit zunehmend national und international ausgerichtet. Hier stehen Werbung und kommerzielle Projekte im Mittelpunkt. Pfäffli arbeitet für Weltkonzerne wie Reebok, Nike, Google oder Coca Cola. «Zurzeit bin ich am Entwerfen einer Kleiderkollektion, die unter meinem Namen in Kopenhagen herauskommt. Auch mit Seoul ist in dieser Beziehung etwas am Laufen.»

Kleider entwerfen? Pfäffli grinst. «Ich habe keinen blassen Schimmer von Textilien, Schnitt und was sonst noch dazu- gehört. Aber das reizt mich gerade. Zudem bin ich in der Gestaltung super frei.» Pfäfflis gesundes Selbstbewusstsein ist neben seiner Neugier und seinem riesigen Talent wohl die wichtigste Qualität, um die Grenzen seiner eigenen Kreativität immer weiter zu stecken und damit auch international Beachtung zu finden.

Als Freischaffender hat er einen Punkt sprich den Luxus erreicht, wo er seine Aufträge auswählen kann. Letztes Jahr bekam er die Gelegenheit, in San Francisco bei Apple vorzusprechen. «Ich hätte etwas machen können, aber dann habe ich darauf verzichtet. Das Ganze war mir zu unsympathisch. Bei diesem Konzern gehst du unter wie in einem Monster.» Könnte sein I-Mac murren, man würde es jetzt hören.

Er schaue immer darauf, wie weit er bei einem Auftrag gehen könne, sagt Pfäffli. «Wenn ich merke, dass der Auftraggeber keinen Mut hat, interessiert es mich nicht.» Man solle das nicht als «arrogant» verstehen, schiebt er nach. «Mir geht es um eine kreative Zusammenarbeit. Darum, gemeinsam etwas herauszufinden. Vertraut die Person, mit mir zusammen etwas anzupacken, das uns beide überrascht?»

So stark der Designer vernetzt ist und die neuen Technologien nutzt, so sehr ist er darauf bedacht, sich davon nicht vereinnahmen zu lassen. Die Mobilenummer kennen nur seine Freunde und jene, mit denen er eng zusammenarbeitet. Er hat das Smartphone so eingestellt, dass es nicht summt und ihn auch sonst möglichst nicht absorbieren kann. «Ich möchte entscheiden, wenn ich draufschaue und wenn nicht.»

Auch arbeitstechnisch hat er eine klare Haltung. «Wenn ich merke, dass ich nicht produktiv bin, lasse ich das Arbeiten sein. Vor dem Compi zu sitzen und nichts Richtiges zu machen, ist deprimierend und nervt mich.» Um sich zu organisieren, machte er früher Wochenpläne, dann Monatspläne, dann Halbjahrespläne, heute sind es Jahrespläne. «Aber ich versuche, sie locker zu halten. Das grösste Problem ist zurzeit, mich in all den Möglichkeiten entscheiden zu können.»

Einfach machen

In Luzern arbeitet Felix Pfäffli in einem kreativen Pool, zu dem auch der Plakatgestalter Erich Brechbühl (Mixer) und eine ganze Anzahl von jungen Designern gehören. «Wir haben eine gute Szene hier, die zusammenhält. Es ist nicht das übliche Gegeneinander.» Alle zwei Monate trifft man sich zum Biertrinken, um bei dieser Gelegenheit seine Arbeiten vorzustellen und zu diskutieren. Pfäffli grinst: «Manchmal müssen wir uns auch zwingen, den Beamer anzuwerfen und nicht nur Bier zu trinken.»

Seit vier Jahren ist Felix Pfäffli auch noch Dozent an der Fachklasse Grafik in Luzern. «Es ist eine kleine Schule, der Betrieb ist sehr familiär, ich mache diesen Job extrem gerne.» Früher habe er Angst vor dem Unterrichten gehabt, «ich hatte null Erfahrung», jetzt sei er daran, zusammen mit der Schulleitung und anderen Dozenten auch spezielle Projekte aufzugleisen. Es ist ihm ein Anliegen, den Studierenden die Angst vor dem Bewer­tetwerden zu nehmen. Sein Rezept? «Einfach machen, darin versinken und nicht denken, was jemand davon hält.»

Anfang Mai 2015 verlegt Felix Pfäffli seinen Arbeitsort «für mindestens drei Monate» nach Tokio. Zusammen mit Noël Leu, Raphael Leutenegger und Stephanie Cuérel will er dort mehrere Projekte anpacken: eine neue Schrift gestalten, Schule geben, zwei Ausstellungen machen. Japan sei im Bereich Design sehr interessant. «Der Kontrast zwischen ihrer eigenen, alten Kultur und der westlichen Moderne generiert einen Mix, wie wir ihn bei uns nicht haben.»

Eigene Firma?

Für 2016 hat sich Pfäffli viel vorgenommen. «Ich möchte endlich auch meine eigenen Vorhaben realisieren. Da hat sich vieles angestaut.» Unter anderem schwebt ihm eine Art wissenschaftliche Arbeit über intelligentes Design vor. «Animierte Grafik. Plakate, die den Betrachter erkennen und sich ihm anpassen. Solche Sachen.» Auch an Risiko will er zulegen. «Ich werde mir überlegen müssen, ob ich eine Firma gründen soll. Schon heute könnte ich mehrere Leute beschäftigen.» Aber zuerst kommt jetzt Tokio. Und die Kleiderkollektion. Und die Ausstellung in Seoul. «Dann sehen wir weiter.» Anstrengend? Feixen!

Hinweis

Weitere Informationen: www.feixen.ch

Mit seinen Plakaten (Ausschnitt oben) wurde Felix Pfäffli bekannt. (Bild: pd)

Mit seinen Plakaten (Ausschnitt oben) wurde Felix Pfäffli bekannt. (Bild: pd)

Mit seinen Plakaten (Ausschnitt oben) wurde Felix Pfäffli bekannt. (Bild: pd)

Mit seinen Plakaten (Ausschnitt oben) wurde Felix Pfäffli bekannt. (Bild: pd)