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Grandioser biografischer Roman zu Frankreich

Jeder, der sich für Frankreich interessiert oder für moderne literarische Formen oder einfach nur für biografisches Erzählen, sollte dieses Buch lesen.
Hansruedi Kugler
Annie Ernaux, Die Jahre (Bild: Suhrkamp)

Annie Ernaux, Die Jahre (Bild: Suhrkamp)

Hansruedi Kugler

Annie Ernauxs «Die Jahre»: Man schaut danach Literatur mit neuem Blick und Frankreich mit tieferer Kenntnis an. «Alle Bilder werden verschwinden», lautet der erste Satz, der das melancholische Motto für unsere aller flüchtiger Existenz vorgibt. Tausend Ereignisse in tausend Fragmenten, ausgelöst von Fotos, Erinnerungen, Farben, Objekten, ergeben hier eine Art unpersönliche Autobiografie. Gleichzeitig wird das Buch zum dichten Generationen- und Gesellschaftsporträt: Kindheit im Nachkriegsfrankreich und Algerienkrise, Katholizismus, Prüderie und Emanzipation, General de Gaulle und François Mitterand, genaue Schilderung der sozialen Milieus mit ihren Regeln und ihrer Sprache, 68er-Bewegung und Verhütung, Scheidung, späte Liebe und Krebs – alles in einem unverblümten Stil mit scharfem Verstand, nie rührselig. Schlicht meisterhaft. Kein Wunder, war das Buch in Frankreich vor zehn Jahren ein Bestseller.

Nebenfiguren erzählen Weltgeschichte neu

Noch ein Buch, das man einmal im Leben lesen sollte. Die historischen Miniaturen, 1927 erschienen und gleich ein grosser Erfolg, werfen überraschende und aus heutiger Sicht ironische Blicke auf die Weltgeschichte – ohne jede Häme, sondern mit jener einnehmenden Menschlichkeit, die alle Bücher Stefan Zweigs auszeichnen. Der Zsolnay-Verlag startet mit diesem Band eine sechsbändige Zweig-Ausgabe – mit ausführlichen Erläuterungen. Nicht die grossen Erfinder, Entdecker und Kriegsherren stehen auf seiner Liste. Zweig nimmt Nebenfiguren und schildert von ihnen aus epochale Phänomene wie die Schlacht bei Waterloo, die Verlegung des ersten transatlantischen Kabels, Dostojewskis Begnadigung vor seiner geplanten Hinrichtung. Und erzählt dabei verblüffende Geschichten von Enttäuschten: Etwa von Rouget de Lisle, der in einer einzigen Nacht 1792 die Marseillaise komponiert hat, danach aber 40 Jahre erfolglos weiter gedichtet hat oder vom ungekrönten König von Kalifornien, dem Schweizer Johann August Suter, den der Goldrausch nicht reich, sondern arm machte.

Literatur: Annie Ernaux, Die Jahre, Suhrkamp, 255 S., Fr. 27.-; Stefan Zweig, Sternstunden der Menschheit, Zsolnay, 448 S., Fr. 36.-.

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