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KKL: Grenzenlose Jodel-Koloraturen

Das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester lud zu einem «Heimat»-Abend der anderen Art: Mit Oesch’s die Dritten zeigte es eine unerwartete Aktualität von Schweizer Volksmusik.
Urs Mattenberger
Star Melanie Oesch mit Mutter Annemarie und Vater Hansueli vor dem Orchester. (Bild: Manuela Jans-Koch)

Star Melanie Oesch mit Mutter Annemarie und Vater Hansueli vor dem Orchester. (Bild: Manuela Jans-Koch)

Was verbindet Sinfonieorchester, die Folklore-Klassik spielen, mit dem «Musikantenstadl»? Mehr, als man erwartet hätte, stellte man am Donnerstag im Konzertsaal des KKL fest. Da nämlich hatte das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester die Volksmusik-Gruppe Oesch’s die Dritten eingeladen.

Die Erfolgsgruppe um die charismatische Sängerin Melanie Oesch, die Meitschi-Charme mit atemberaubendem Koloratur-­Jodel verband, vertrat im Programm die Schweiz zum Motto «Heimat». Rund um die orchesterbegleiteten Oesch-Medleys weitete Folklore-inspirierte Klassik das Thema über unsere Landesgrenzen aus: von Rossinis «Tell»-Ouvertüre über Slawische Tänze von Dvorák bis zu einem Walzer von Johann Strauss Sohn.

Ein Akkordeon gegen ein ganzes Orchester

Dessen «Geschichten aus dem Wiener Wald» wurden nach der Pause zu einem programmatischen Herzstück des Abends. Denn da thront das Oesch-Bandmitglied Hans Meier hinten über dem Orchester mit seinem Akkordeon und steuert mit der diesem Instrument eigenen Wehmut und ganz allein einzelne Wienerwald-Geschichten ein.

Da wird im Wechsel vom Akkordeon wieder zum grossen, standardisierten Sinfonieorchester klar, wie sehr Orchesteradaptionen Volksmusik von individuellen Eigenheiten und Wurzeln wegführen – und damit, wie Volksmusikadaptionen im «Musikantenstadl»-Stil internationaler und ein Stück austauschbarer machen.

Das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester zeigte unter der neuen Leitung von Jonas Bürgin freilich auch eindrücklich die Vorzüge des grossen Apparats. Auch wenn die Wiedergaben spieltechnisch nicht ganz das Niveau erreichten, das die letzten Auftritte unter anderem am Lucerne Festival bewiesen, setzte es in den rein orchestralen Stücken starke Akzente: mit gespenstisch-suggestiven Klangfarben in Dvoráks «Die Waldtaube» sowie kammermusikalischem Feinsinn und virtuosem Schmiss in der «Tell»-Ouvertüre und in drei slawischen Tänzen von Antonin Dvorák.

John-Williams- Alpensound

Wahrhaft sinfonische Dimensionen gab es auch bei der Urauf­führung des Werks «Alpenteuer» des orchestereigenen Jungkomponisten Omar Barone. Traditionelle Heimatklänge übersetzt in die heutige Zeit: Barone löste diese Idee des Konzertprogramms ein, indem er aus einem Alphorn-Intro keine vordergründige Naturidylle formte, sondern ein schillerndes Klanggewebe, von dem eine fast schon kriminalistische Spannung ausging.

Im weiteren Verlauf mochte das Fugato für die zerklüftete Bergwelt stehen, aber wie Barone diese sinfonische Alpentour zu einem filmischen Breitwandsound steigerte, war so attraktiv gemacht, dass ein Zuschauer sich zum Wort vom John-Williams-Alpensound hinreissen liess.

Für den Anspruch, «schweizerische Musik in eine aktuelle Zeit zu übertragen», war dagegen die Oesch-Truppe in Zeiten einer neuen Schweizer Volksmusik eine überraschende Wahl. Klar, die vom Orchester klanglich ausgefütterten Oesch-Medleys rissen mit ihren Ohrwurm- und Schlagerqualitäten und den Jodelkaskaden von Melanie Oesch das Publikum zu Begeisterungsstürmen mit.

Aber wenn Melanie Oesch von ihren Moderationen in herzhaftem Bärndütsch ins unverbindlichere Hochdeutsch der Lieder wechselte, wurde jedesmal klar: Diese »Musikantenstadl»-erprobte Schweizer Volksmusik erkauft ihre Internationalität eben auch – und darin durchaus aktuell – mit einem Verlust an Heimat.

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