Ausstellung in Emmenbrücke: Grosser Blick auf eine Individualistin

Die Akku Kunstplattform widmet sich dem Werk von Agnes Barmettler (75). Wer sich Zeit nimmt, entdeckt Verspieltes wie Nachdenkliches.

Susanne Holz
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Links: Ölgemälde «hence» (1976), ganz rechts: «Sacre du printemps», inspiriert von Strawinsky.

Links: Ölgemälde «hence» (1976), ganz rechts: «Sacre du printemps», inspiriert von Strawinsky.

Bild: Manuela Jans (Emmenbrücke, 24. 1. 2020)

Über das Malen das Menschsein ergründen – die Schweizer Künstlerin Agnes Barmettler, die am 23. Januar ihren 75. Geburtstag feierte, setzt sich dieses Ziel von Beginn ihrer Karriere an. Agnes Barmettler ist vielseitig: Malerei, Zeichnung, Bildhauerei, Film und Installation – in allem findet sie sich wieder. So auch in der Arbeit im öffentlichen Raum zum Thema Labyrinth. Barmettler gehört zu den Mitbegründerinnen des Zürcher Labyrinthplatzes auf dem Zeughaushof.

In den 70er- und 80er-Jahren zählt Agnes Barmettler zu den national bekannten Schweizer Künstlerinnen. «In Solothurn und Olten, wo sie ab 1970 lebt, findet ihr unakademischer, subjektiver Mal- und Zeichenstil schnell Anerkennung», schreibt Akku-Gastkuratorin Patricia Bieder in ihrer 2019 erschienenen Monografie zu Agnes Barmettler. Nun bietet die Ausstellung «Agnes Barmettler – durchlässig dazwischen sein» einen chronologisch geordneten Überblick über das Werk dieser Künstlerin, «die sich nicht kategorisieren lässt», so Bieder.

Faszinierende Eigenständigkeit

Es ist die erste von drei Ausstellungen, die Patricia Bieder 2020 als Gastkuratorin in der Akku Kunstplattform in Emmenbrücke gestalten wird. Sie erhoffe sich mit dieser Werkschau eine Wieder- beziehungsweise eine Neuentdeckung von Agnes Barmettler, teilt Bieder mit. Und betont noch mal deren faszinie­rende Eigenständigkeit: «Auf Agnes Barmettler ist ein breiter Kunstbegriff anwendbar. Ihr Interesse gilt dem Menschsein in allen Facetten.»

Agnes Barmettler wächst mit acht Geschwistern in Engelberg auf, im Kloster – ihre Eltern führen die klostereigene Käserei. Der Ort, ein Hochtal, prägt die Künstlerin. Es gibt viele kleine Freiräume, aber auch viele Grenzen, gerade für ein Mädchen. Es verwundert nicht, dass in Barmettlers Kunst sowohl die Natur an sich als auch die Frau an sich eine grosse Rolle spielen. Ob in der Serie mit weiblichen Bewegungsstudien oder im Frauenporträt von 1995 – die Ausstellung zeigt den vertieften Blick der Künstlerin auf das Frausein über mehrere Jahrzehnte hinweg.

Gezeigt werden auch Ausschnitte aus Barmettlers Dokumentarfilm von 1989 über das indigene Volk der Hopi in Arizona, der in Zusammenarbeit mit Anka Schmid entstand. «Die Hopi leben mit der Landschaft – was wiederum Agnes Barmettler entspricht», so Patricia Bieder. Und auch der verspielte Experimentalfilm von 1997 von Schmid/Barmettler zum Thema Labyrinth ist zu sehen.

Im Kabinett finden sich Linoldrucke Martin Dislers, mit dem Barmettler in den Siebzigern verheiratet war. Kuratorin Patricia Bieder möchte die Künstlerin aber nicht wie Disler zu den «Neuen Wilden» der Achtziger zählen: «Agnes Barmettlers Werk ist geprägt von einer poetischen Subjektivität. Sie schöpft aus einer verinnerlichten Zeichen- und Erlebniswelt und zeigt ein grosses Interesse an überlieferten Mythologien.»

Hinweis

«Agnes Barmettler – durchlässig dazwischen sein». Ausstellung mit Kabinettsausstellung: «Linie 2 – Martin Disler ‹Ein Schnitt ins Herz›». In der Akku Kunstplattform in Emmenbrücke. 25. Januar bis 15. März, Fr/Sa 14–17 h, So 10–16 h. www.akku-emmen.ch