Neue Konzertreihe im KKL startet mit einem Solo mit Kaffeemaschine

Volltreffer im ersten «Blind Date»: Der Cellist Heiner Reich eröffnete die neue Kurzkonzertreihe des Luzerner Sinfonieorchesters. Und zauberte mit Bach die Aura eines Konzerts in die Seebar des KKL.

Urs Mattenberger
Drucken
Teilen

Gemessen an der Erfolgsquote von «Blind Dates» ist der Name der jüngsten Konzertreihe des Luzerner Sinfonieorchesters mutig gewählt. Nur knapp ein Fünftel der realen Blind Dates führt nach einer Umfrage in Deutschland zum Erfolg. Bei den gleichnamigen Kurzkonzerten, die das Orchester an 26 Terminen in der Seebar des KKL und im Café des Kunstmuseums durchführt, dürfte die Erfolgsquote allerdings deutlich höher ausfallen.

Diesen Schluss lässt die gestrige Premiere in der Seebar zu, die den Härtetest wagte: Würde sich ein einziges Cello gegen die Geschäftigkeit des Barbetriebs durchsetzen? Und inwiefern profitieren die Zuhörer oder die Musik davon, dass man sie niederschwellig in eine Alltagskulisse integriert? Diese Belebung des KKL ausserhalb üblicher Konzertzeiten ist – neben der Begegnung mit Orchestermusikern – das Ziel der «Blind Dates».

Da war es wie ein Wunder, als der Cellist Heiner Reich sich nach einer lockeren Begrüssung um 17 Uhr an sein Instrument setzte und Bachs erste Cello-Suite zu spielen begann. Jetzt nämlich funktionierte dieses Konzertformat umgekehrt: Nicht Musik wurde in Alltagslärm integriert, sondern umgekehrt die Stille, die man von Konzertsälen kennt, der Seebar eingeimpft. Nnur das Mahlen der Kaffeemaschine holte einen in die Realität zurück.

Die Besucher bestellten im Flüsterton und lauschten in gebannter Ruhe, wie Reich den Kosmos von Bachs Cello-Suite kunstvoll auffächerte: Über markigen Bässen schwangen sich sehnsüchtig die Bögen, in der Sarabande verhalf der Barockton der trockenen Seebar-Akustik zu einem körperhaften Raumklang. Und selbst wo Reich das Tänzeln ganz ins Piano zurücknahm, blieb es bis in die hinterste Ecke präsent. Gute Voraussetzungen also für die weiteren Solo-Auftritte (mit allen Suiten von Bach und unterschiedlichen Cellisten) und Ensembles bis zum Quartett, die in den weiteren Blind Dates auftreten.

Hinweis

Nächste Blind Dates: 19., 26. Oktober, 9. November, 17.00, Seebar; 4., 18., 25. November, 12.15, Café Kunstmuseum.