Die Grossstadtstreuner um Sven Regener sind in Hochform

Element Of Crime mit ewiger Grossstadtmelancholie? Nein, die Berliner Band findet erneut einen Dreh und zaubert die schönste Deutschpop-Platte des Jahres.

Werner Herpell (DPA)
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Sänger Sven Regener von Element of Crime. (Archivbild: 13.10.17/Keystone)

Sänger Sven Regener von Element of Crime. (Archivbild: 13.10.17/Keystone)

Gut drei Jahrzehnte sind Element Of Crime schon im Geschäft und haben ein Dutzend solide bis herausragende Studioplatten abgeliefert. Ihr Grossstadtstreuner-Sound zwischen Rumpel-Rock, Folk, Blues und Chanson ist so kultig und beliebt wie altbekannt, man könnte auch sagen: berechenbar.

Und doch schaffen sie es immer wieder, ihre Zuhörer zum Lachen zu bringen oder zu berühren, mit schnoddrig-witzigen, melancholischen und traurigen Liedern. Die grosse Kunst der Verfeinerung des Bewährten haben Element Of Crime nun mit «Schafe, Monster und Mäuse» auf die Spitze getrieben. Die zwölf neuen Stücke summieren sich zu ihrem vielleicht stärksten Werk seit dem Deutschpop-Debüt «Damals hinterm Mond», das 1991 auf noch etwas holprige englischsprachige Indierock-Platten folgte.

Der Opener heisst «Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang», und schnell wird klar, dass es hier nicht um eine echte Apokalypse geht, sondern um die private Katastrophe eines Verlierertypen der Liebe. Vom verzweifelten Streifzug über den Kurfürstendamm ist später mehrfach die Rede, der gebürtige Bremer Sven Regener verortet den Song in seiner Wahlheimat. Nicht zum letzten Mal auf einem Album, das vor Lokalkolorit sprüht wie noch nie bei Element Of Crime, mit vielen Anspielungen auf konkrete Orte der deutschen Hauptstadt.

Lieder über Lebensbedingungen

Den Alltag normaler Menschen beobachten, ihr kleines Glück oder auch Pech schildern – das kann dieser knorrig-warmherzige 57-Jährige wie kein zweiter Songwriter in Deutschland. In «Bevor ich dich traf» hört sich das – so träumerisch Akkordeon und Streicher dazu auch klingen – zum Brüllen komisch an. Zur psychedelischen Grundstimmung des Albums passen die mit reichlich E-Gitarre angerauten Arrangements perfekt. Alles in allem klingt «Schafe, Monster und Mäuse» abwechslungsreicher, bunter, ambitionierter als seine Vorgänger, ohne dass Element Of Crime sich hier neu erfinden.

Element of Crime: «Schafe, Monster und Mäuse», Vertigo Berlin