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Corund führt «Messiah» auf:
Viel mehr als ein «Halleluja»

Das Ensemble Corund gestaltet am gestrigen Stephanstag Händels «Messiah» berührend. Chor und Orchester, beide hochkarätig, malen unter Leitung von Stephen Smith zugleich Lieblichkeit und Dramatik aus.
Gerda Neunhoeffer
Einmal mehr ein kundiger und umsichtiger Leiter: Dirigent Stephen Smith. (Bild: Manuela Jans-Koch, 27. Oktober 2017).

Einmal mehr ein kundiger und umsichtiger Leiter: Dirigent Stephen Smith. (Bild: Manuela Jans-Koch, 27. Oktober 2017).

Das «Hallelujah» aus Händels Oratorium «Messiah» hat wohl fast jeder schon einmal gehört – mit riesigen Chorgemeinschaften, überladen, vielleicht sogar verfremdet oder in der Werbung.

Nichts von alledem gab es am Stephanstag am Nachmittag im KKL-Konzertsaal: Das Ensemble Corund steht schon mit seinem Namen für Durchsichtigkeit, Brillanz, Reinheit, farbenreiche Facetten und Präzision. Mit 25 Sängerinnen und Sängern, aus denen auch alle Solisten kommen, scheint die Besetzung für Händels Werk gerade richtig. So denkt man, wenn man diesen professionellen Chor in all seiner Vielseitigkeit hört.

Idealer Begleiter ist das Corund-Barockorchester, das mit historischen Instrumenten unglaublich lebendig und musikantisch aufspielt. Dirigent Stephen Smith leitet Chor und Orchester lebhaft, mit hoher Intensität und Aufmerksamkeit. Bei Rezitativen lässt er Solisten und Continuo auch mal ganz alleine gestalten. Auch das funktioniert bestens.

Den vielen Zuhörern werden biblische Geschichten erzählt, die man kennt, vor allem natürlich Christi Geburt, die nach den Prophezeiungen aus dem Alten Testament im ersten Teil mit frohen Botschaften Weihnachten beleuchtet. Im Programmheft steht unter jedem Text (47 Rezitative, Arien und Chöre), wo er in der Bibel zu finden ist. So kann man den Zusammenhang gut nachvollziehen. Mit dem beweglichen Chor, der die Texte ausdrucksvoll interpretiert, mit den sieben Solisten, die ihre Arien souverän und charaktervoll gestalten, entsteht eine Aufführung, die fesselt.

Der Friede auf Erden wird hier spürbar

Nach der straff musizierten «Sinfony» führt Tenor Remy Burnens gleich in die Dramatik, die im Oratorium immer wieder auftaucht, ein. Mit klarer, kräftiger Stimme leitet er über zu «And the Glory of the Lord», der federnd leicht von Chor und Orchester gestaltet wird. Wie sich diese Herrlichkeit später steigert im Engelschor «Glory to God», das ist pure Weihnachtlichkeit. Mit den beiden Trompeten von der Orgel aus wird hier Friede auf Erden spürbar, und die Klangfülle des Chores scheint aus der Höhe zu kommen. Nie wird forciert, und die Ausgewogenheit der Stimmen ist überragend. Akzente sind klar herausgearbeitet, und Koloraturen wirken in jedem Tempo mühelos. Wie im zweiten Teil die dreifache Terrassendynamik bei den Worten «He ist the King of Glory» aufblüht, das berührt. Und das «Halleluja» ist eines vieler Highlights.

Auch die Grausamkeit kann man hören

Für die erkrankte Gabriela Bürgler springt Kathrin Hottiger ein, zart und licht singt sie den Hirten die Verkündigung. Mit weichem, dabei vollem Sopran interpretiert Gunhild Alsvik «Rejoice greatly, O Daughter of Zion»; der Mezzosopran von Elisabeth Irvine geht bei «He gave His back to the Smiters» unter die Haut. Vor allem, weil das Orchester hier Schrecken und Grausamkeit mit feinst gespielten Tremoli hören lässt.

Altus Stefan Wieland überzeugt mit samtener Höhe, und Marcus Niedermeyr gestaltet «The Trumpet Shall Sound» mit sonorem Bass. Ein absoluter Höhepunkt aber ist die Arie «Why do the Nations so Furiosly Rage Together». Was Bariton Jonathan Sells mit dem Orchester an Dramatik hören lässt, um dann in völlig andersfarbige Lyrik zu wechseln, das ist grandios. Mit der filigran gestalteten «Amen»-Fuge schliesst das grosse Werk. Traditionen zu Weihnachten? Der lange Beifall zeigt, wie schon beim Bach-Ensemble am Sonntag, dass die Zuhörer diese sehr schätzen.

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