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HARD ROCK: Deep Purple sind zurück

Die Altherren wollen es noch einmal wissen: Deep Purple gehen mit ihrem neuen Album «inFinite» auf ­Welttournee. Hoffentlich zum letzten Mal – wir wollen sie ja in guter Jugenderinnerung behalten.
Dieter Langhart
Deep Purple (Bild: Kevin Kane (WireImage))

Deep Purple (Bild: Kevin Kane (WireImage))

Dieter Langhart
kultur@luzernerzeitung.ch

Journalisten dürfen nie von sich schreiben. Sie müssen objektiv sein und Distanz üben. Das kann ich nicht bei Deep Purple, Led Zeppelin, Pink Floyd. Ich schreibe hier über meine Pubertät und nicht über eine entwicklungspsychologische Phase. Mit diesen Bands bin ich gross geworden, und mit ihnen werde ich alt. Sie waren rechtzeitig aufgetaucht, gleich nach den Stones und Jimi Hendrix im Hallenstadion, als Soundtrack zum Globuskrawall.

Erst zwölf war ich damals. Hatte mich gerade in CCR eingehört auf meinem ersten Plattenspieler, aber Fogerty war mir bald zu brav. Ich sparte mein Sackgeld für «The Book Of Taliesyn», «Led Zeppelin I», «A Saucerful Of Secrets», «Very ’eavy, Very ’umble». Das reichte, um meine Eltern die Wände hochzutreiben und meine Haare wachsen zu lassen. Eine Blues Harp musste her, dann eine Gitarre, und mit Freund Horst spielte ich mir die schulfreien Nächte um die Ohren. Fuhr nach London, plünderte die Platten- und Jeansläden. Schrieb dennoch gute Noten. Und klaubte heimlich Albinoni und Bach aus dem elterlichen Plattenregal.

Wer sang besser, wer spielte besser Gitarre?

Aber zurück zu Purple und Led Zep, die Album für Album um den ersten Platz in meiner Beliebtheitsliste kämpften. Wer sang besser: Ian Gillan oder Robert Plant? Beide! Wer war der bessere Gitarrist: nicht Ritchie Blackmore – Jimmy Page! Ich schwenkte hinüber zu Led Zeppelin. Und als das Casino in Montreux Feuer fing und Deep Purple daraus «Smoke On The Water» machten und dieses langweilige Stück zu ihrem grössten Hit wurde, war die Band für Jahre weg von meinem Fenster. Nur «Child In Time» blieb für immer in meinem Ohr haften.

1980, nach John Bonhams Tod, lösten sich Led Zeppelin auf, nur die Erinnerung und die Platten blieben. Deep Purple und ­Uriah Heep rockten weiter, traten weiter auf. Gleich beide 2009 am Summerdays in Arbon am Boden­see. Uriah Heep spielten näher am Publikum, während Deep Purple intellektuell und distanziert wirkten. Und nichts Neues boten, nur sechs Wochen nach dem Auftritt bei Moon and Stars in Locarno: Grandios die Kulisse, grandios das Scheitern der Gruppe um Ian Gillan, der seine Falsettstimme nicht mehr hochbekam. In Locarno wie in Arbon beschloss «Smoke On The Water» das Set, gefolgt von denselben Zugaben: «Hush» und «Black Night». Jüngere Bands können das besser: Ihre Tourkonzerte ­variieren.

Von Bukarest über Genf und Hinwil nach London

Zu fürchten ist, dass Deep Purple ihre kommende Tournee ähnlich monoton gestalten werden. Im Koffer haben sie ihr neues Album «inFinite». In Bukarest hebt die Tour an, die 61 Gigs bis November umfasst – nur zwei in der Schweiz – und im heimatlichen London endet. Aber bitte nicht wieder mit «Smoke On The Water». Laut Interview (siehe unten) will das Quintett ein zweites Jahr dranhängen. Und dann schauen, ob es in Rente geht. Höchste Zeit: Ian Paice hat letztes Jahr einen leichten Schlaganfall erlitten, und Bassist Roger Glover wird 72.

Neckisch der Albumtitel: «inFinite» bedeutet endlich und unendlich zugleich. Es bietet brave Hausmannskost aus der Hardrock-Küche, trotz Produzent Bob Ezrin – wer will sich denn neu erfinden. Der «Roadhouse Blues» aber sticht hervor, eine wunderbare Hommage an die Doors.

Die Hammondorgel dominiert oft, aber Don Airey reicht nie an Jon Lord heran, der sich bald abgeseilt und seine klassischen Projekte verfolgt hat. Unvergesslich bleibt mir sein Konzert in der Tonhalle Zürich im Januar 2009. Sein «Concerto for Group and Orchestra» klang wohl fast wie 1969 in der Royal Albert Hall, gefolgt von Stücken vom Soloalbum «Sarabande» und einem Satz aus dem «Durham Concerto». Und zum Schluss – ha! – «Child In Time». Geht doch. (Wenn auch mit Steve Lee statt Ian Gillan.)

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