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HARRY POTTER: Seit 20 Jahren Magisches für «Muggles»

Helmut Kohl war gerade Bundeskanzler, Dolly das Klonschaf gut elf Monate alt. Heute vor genau 20 Jahren erschien ein Buch über einen Waisenjungen, der die Macht des Bösen besiegen sollte.
Daniel Radcliffe in der Verfilmung des ersten «Harry Potter»-Buches, «Der Stein der Weisen». (Bild: PD)

Daniel Radcliffe in der Verfilmung des ersten «Harry Potter»-Buches, «Der Stein der Weisen». (Bild: PD)

«Mr. und Mrs. Dursley im Ligusterweg Nummer 4 waren stolz darauf, ganz und gar normal zu sein, sehr stolz sogar.» So beginnt das allererste «Harry Potter»-Buch, «Der Stein der Weisen», in der deutschen Übersetzung. Am 26. Juni 1997 erschien das Buch im britischen Bloomsbury-Verlag.

In der Folge begeisterte der Zauberlehrling Generationen von «Muggles», wie in den Büchern die Nichtzauberer genannt werden. Jeder neue Band sorgte für lange Schlangen vor Buchhandlungen um Mitternacht. Von den sieben Büchern wurden bis jetzt rund 450 Millionen Exemplare in 77 Sprachen verkauft. Auch im Kino wurde die Reihe zu einem grossen Erfolg, die acht Filme spielten rund 7,7 Milliarden Dollar ein. Und wenn wir schon bei Zahlen sind: Autorin J. K. Rowling verdiente als erste Schriftstellerin über eine Milliarde Dollar.

Anfangs gab es noch Erwachsenenausgaben mit seriöseren Buchdeckeln, sodass man sich in der U-Bahn nicht blamierte. Längst kümmert das niemanden mehr. Klassenweise lassen sich Schüler mit ihren Lehrern im Londoner Bahnhof Kings Cross am Gleis 934 vor dem Gepäckwagen ablichten, der halb in der Wand verschwindet. Direkt daneben können sich Fans mit Gryffindor-Badetüchern und Slytherin-Schulkrawatten eindecken.

Magie, die wir in den Genen haben

Und das Hogwarts-Universum dehnt sich weiter aus: Auch der Film «Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind» ist aus den Geschichten um Harry, Hermine und Ron entstanden. Vier weitere Folgen mit Eddie Redmayne und Johnny Depp sind geplant. 2016 wurde der achte Teil der «Harry Potter»-Reihe, das Theaterstück «Harry Potter und das verwunschene Kind», im Londoner West End uraufgeführt. Potter als überforderter Familienvater? Das Skript schnellte in die Bestsellerlisten – das Stück wird 2018 auch am Broadway laufen.

Was als Fantasy-Buch für Achtjährige anfing, verwandelte sich mit der Zeit in eine dunklere Welt mit komplexen Gefühlen, Gewalt und Politik. «Harry Potter nimmt Legenden und verpackt sie neu. Die Alraunwurzel schreit, als sie während der Kräuterkunde-Klasse gezupft wird. Das ist eigentlich ein alter Aberglaube», sagte der Kurator der Ausstellung «Harry Potter: A History of Magic», Julian Harrison, dem «Mirror»: «Die Geschichten fühlen sich frisch an, aber man könnte sagen, dass es in unserer DNA liegt, sie zu mögen. Und das ist das Geniale daran.»

Von der Tochter eines Verlegers entdeckt

Dabei fing alles ganz klein an: Die alleinerziehende Mutter Joanne Kathleen Rowling befreite sich aus einer missglückten Ehe und startete neu als Lehrerin in Edinburgh. In jeder freien Minute schrieb sie. In einem Interview der «Times» bestätigte Rowling, dass sie ihre damalige Depression als Monster darstellte, als in schwarze Kapuzenmäntel gehüllte Dementoren, die alle glücklichen Gedanken aus ihren Gefangenen saugen. «Es beruhte ganz auf meiner eigenen Erfahrung. Depression ist die schlimmste Sache, die ich je erlebt habe.»

Sie schickte das Manuskript «Harry Potter und der Stein der Weisen» unzähligen Literaturagenten. Nigel Newton, einer der Chefs des renommierten Verlags Bloomsbury, gab es seiner achtjährigen Tochter zum Lesen. «Sie kam begeistert eine Stunde später von ihrem Zimmer herunter. Und sagte: ‹Dad, das ist so viel besser als alles andere.›»

Doch der Verlag wollte nichts riskieren und druckte nur 500 Exemplare. Diese sind heute bis zu 45000 Euro wert. Mundpropaganda auf dem Schulhof half, die Serie weltweit auf die Bestsellerlisten zu hieven. Inzwischen lassen sich Fans Symbole aus der Reihe tätowieren oder schreiben die Saga als Fanliteratur weiter. Und setzen Hermine als feministisches Vorbild auf Protestmärschen gegen Donald Trump ein.

Uli Hesse (DPA)

kultur@luzernerzeitung.ch

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