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HAUS FÜR KUNST URI: Schlaglichter auf London

Die Gruppenschau «London meets Altdorf» zeigt Arbeiten von Künstlern, die einen längeren Aufenthalt in London absolviert haben – und sich mit den dortigen Lebensumständen befasst haben.
Tiziana Bonetti
Rachel Lumsden, «Red Room», davor die Installation «Release» von Martina von Meyenburg. (Bild: F. X. Brun)

Rachel Lumsden, «Red Room», davor die Installation «Release» von Martina von Meyenburg. (Bild: F. X. Brun)

Tiziana Bonetti

kultur@luzernerzeitung.ch

Angefangen bei der im Hof des Hauses für Kunst Uri installierten Arbeit «Non grata» (2007/2017) von Monica Ursina Jäger (*1974) wird London zunächst unter dem Gesichtspunkt der Verteidigung vor Eindringlingen betrachtet: Der mit Buchen bepflanzte Gartenpavillon wird von in London gebräuchlichen Anti-Burglar-­Spikes umzäunt, die zur Abwehr von Einbrechern eingesetzt werden. Floral anmutend wohnt den Stacheln neben ihrer bedrohlichen Wirkung auch ein Hauch von ­Ästhetik inne.

Zweideutig sind auch die fotografischen Arbeiten des Künstlers Romeo Vendrame (*1949): Auf Acrylglas aufgezogen gehören die Pigment Prints zu Vendrames fotografischem Zyklus «Choreography». Ausgangspunkt dieser fortdauernden Serie sind Dias von Aufnahmen, die Vendrame im London der 1970er-Jahre gemacht hat. Sie zeigen Strassen und Bau­werke der englischen ­Finanz­- metropole, Reklame- und Strassenschilder sowie Silhouetten von Menschen, die das dynamische Stadtbild prägen.

Ansichten werden zu Zeitmaschinen

2014 wiederentdeckt, projiziert Vendrame seine Fotografien von damals auf die Wand und nimmt sie erneut auf. Auf diese Weise werden die fotografierten Ansichten nicht nur zu Zeitmaschinen, in denen Vergangenheit und Gegenwart unvermittelt aufeinanderprallen; der manipulative Eingriff mittels technischer Filter bewirkt, dass die Fotografien durch die grelle Belichtung und Unschärfe ihres Motivs zudem eine Qualität von Schnappschüssen erhalten.

Effekte von Schnappschüssen erwecken auch die Malereien von unspektakulären Motiven wie Kreuzungen, Hausfassaden und Hauseingängen in London von Stephan Danz (1961–2015). Seine gepinselten Momentaufnahmen erscheinen wie aus Versehen entstandene Bilder.

Einen ganz anderen Aspekt greift die Künstlerin Lugina Dapit (*1957) auf: In ihrer skulpturalen Arbeit «Nice To Meet You» (2016/2017) setzt sich die Luzernerin mit der für London symptomatischen Multikulturalität auseinander. Auf einem an der Wand montierten horizontalen Sockel bekunden 65 im Miniaturformat modellierte Kopfplastiken aus ungebranntem Ton die ethnische Vielfalt der Stadtbewohner. Vorlage dieser Arbeit waren Gesichter von Menschen, die Dapit während ihres längeren Aufenthalts in London fotografiert hat.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf künstlerischen Positionen, in denen mit der britischen Kultur verbundene Klischees ironisch verarbeitet und pointiert auf den Punkt gebracht werden. So auch in den ­installativen und plastischen Arbeiten der Künstlerin Martina von Meyenburg (*1975). Beispielsweise kann «The Keeper And The Guardian» (2015) als ironischer Kommentar auf die ­Bärenfellmütze der Grenadier Guards in London gelesen werden: Reduziert auf zwei weibliche Torsos von Schaufensterpuppen und überdimensionierten Perücken aus Stahlwohle, kann die an der Wand montierte Schere zwischen den beiden Plastiken als Aufforderung an die Garden verstanden werden, ihre zur Uniform gehörende künstliche Haarpracht endlich abzuschneiden.

Abstraktion und Figuration

Mit der Kultur Englands beschäftigt sich auch die in der Schweiz lebende britische Künstlerin ­Rachel Lumsden (*1968). Auf grossformatigen Leinwänden erschafft Lumsden mittels Malerei atmosphärische Bilder, in denen Abstraktion und Figuration Hand in Hand gehen. Collageartig prallt etwa in der Arbeit «Here We Go Again» (2014) das kitschige Interieur eines mit Keramikstatuetten dekorierten Wohnraums auf pulsierende Farbflächen. So entstehen poetisch- autonome Welten, in denen ­märchenhafte Traumbilder mit durch Abstraktion verfremdete Ausschnitte von Wohnräumen oder Stadtansichten von London verschmelzen.

Die Schattenseiten der Grossstadt greifen Marc Latzel (*1966) und Martin Alioth (*1954) in ihrer Video- und Toninstallation «At Her Majesty’s Pleasure» (2011/2017) auf. Der Titel der Arbeit verweist auf den gleichlautenden englischen Rechtsbegriff, der gegen minderjährige Täter bei lebenslanger Freiheitsstrafe verhängt wird. Latzels Videoinstallation wirft durch fotografische Aufnahmen und Textlegenden ein Schlaglicht auf Tatorte in London, an denen junge Menschen auf tragische Weise Mordopfer von minderjährigen Tätern wurden. Ergänzt wird die Arbeit durch den gesprochenen Kommentar von Alioth, der als Grossbritannien- und Irlandkorrespondent von Radio DRS und NZZ arbeitet.

Die drei Stockwerke umfassende Schau in Altdorf eröffnet facettenreiche Zugänge zu einem London, das abseits der touristischen Attraktionen ungewohnte Ansichten bereithält, die sowohl unter die Haut gehen als auch zum Schmunzeln anregen.

Hinweis

Symposium «Uncertain Identities» mit Vorträgen, Filmvorführungen und Performances am 30. September, 11.30–18.30 Uhr im Haus für Kunst, Herrengasse 2, 6460 Altdorf (Reservation bis 27. September).

Die Ausstellung dauert bis zum 26. November 2017.

www.hausfuerkunsturi.ch

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