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Heimweh nach Längi Zit

Vera Kaa veröffentlicht nach acht Jahren ein neues Album. Dabei kommen Heimatgefühle auf.
Pirmin Bossart
Vera Kaa (59) lässt ihre Heimatgefühle Revue passieren. Bild: PD

Vera Kaa (59) lässt ihre Heimatgefühle Revue passieren. Bild: PD

Vera Kaa, die schon vieles ausprobiert hat, zelebriert auf ihrem zwölften Album das neue Heimatgefühl, das die Schweizer Popmusik seit geraumer Zeit heimsucht. Begonnen hatte die Sängerin ihre Karriere in den Achtzigerjahren als melodisch aufmüpfige Punkgöre im Luzerner Sedel. Jetzt singt sie: «Gang rüef de Bruune, Sennele du ja ho. Sennele du ja ho.» Gegen Ende leicht bluesig verbrämt, bis es Hillbilly-mässig aus dem Stall hinaus bluegrast & hudigäggelet.

«Längi Zit» ist für die gebürtige Innerschweizerin eine Rückkehr zu den Wurzeln. «Ich komme an, immer wieder, und finde die Essenz meiner musikalischen Heimat», schreibt Vera Kaa zu ihrem neuen Album. «Diese Alpenklänge, die mich schon als Kind im Schoss meiner Familie fasziniert haben. Es ist auch eine Hommage an meinen Urgrossonkel Anton Langenegger (genannt ‹Egg Basch›) aus dem Muotathal.» Einzelne Songs unterlegt sie mit Viehgebimmel, Jodel und Betruf, wie es sich für authentische Emotionen gehört.

Hier und dort eine klangliche Pirouette

Der Titelsong trieft vor Rührseligkeit. Auch «So rächt wie Bärge» schmerzt mit seinem Schmalz. Leider bringt man den (Nach-)Geschmack der beiden ersten Songs nie mehr ganz weg, auch wenn anderes besser gerät, etwa das balladeske «Ewig wit fort». Ihre bewährten Musiker Greg Galli, Pete Borel, Felix Zindel, Susann Orus, Andreas Plattner und Nicola Galli machen ihre Sache zweifellos gut, setzen hier und dort ein feines Arrangement, eine klangliche Pirouette.

Aber unter dem Strich ist alles so, wie man es macht und kennt. Im Lied «Alles schnell verbi» lässt Vera Kaa in knappen Textsequenzen ein paar Lebensstationen passieren. «Lang lang esch’s här, de erschti Kuss, de erschti Blues.» Pete Borel nudelt ein kurzes feines Gitarrensolo unter. Das Lied «10 Minute» ist eine Art «Campari Soda» für Daheimgebliebene.

Veras Kaa hat Popmusik gemacht, Brecht/Weill und Blues gesungen, mit «Glanz und Gloria» einen kleinen Hit erzielt, der noch regelmässig auf SRF1 zu hören ist. Jetzt ist sie in der Volkspop-Sehnsuchtsecke gelandet. Dort, wo sich Heimweh und Büezer auf einen Ast setzen und vom Regen in den Trauffer geraten.

Ziemlich spät hat sie diese Roots entdeckt, die sie nun mit ihrer herben Stimme liebevoll aufbereitet und sie mit dem gleichen Instagram-Heimatchic (Coverfotos) aufstylt, wie das die Herren von «Heimweh» schon getan haben. Ist das nun eine Läuterung oder gar die Reife?

Vera Kaa: Längi Zit, 6003 Luzern

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