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Interview

Neuer Museumsdirektor: «Ich will Hans Ernis Vielseitigkeit zeigen»

Heinz Stahlhut, bis jetzt Sammlungskurator des Kunstmuseums Luzern, ist ab Neujahr Direktor des Hans-Erni-Museums. Er sagt, wie er dieses aus der Nische führen will. Und hat Ideen auch für das Verkehrshaus.
Interview: Kurt Beck
Heinz Stahlhut im Hans-Erni-Museum, seiner künftigen Wirkungsstätte. (Bild: Dominik Wunderli, 12. Dezember 2018)

Heinz Stahlhut im Hans-Erni-Museum, seiner künftigen Wirkungsstätte. (Bild: Dominik Wunderli, 12. Dezember 2018)

Heinz Stahlhut, an Neujahr treten Sie den Posten des neuen Direktors des Hans- Erni-Museums Luzern an. Ein logischer und geplanter Karriereschritt?

Ein logischer. Nach meinen Tätigkeiten an der Fondation Beyeler, am Tinguely-Museum in Basel, an der Berlinischen Galerie und am Kunstmuseum Luzern habe ich mir die Erfahrungen und das Know-how erarbeitet, so dass ich bereit bin, die Leitung eines Museums zu übernehmen.

Haben Sie damit das Ziel Ihrer beruflichen Karriere erreicht?

Ich bin 55, und es bliebe bis zu meiner Pensionierung noch genügend Zeit für weitere Ziele. Doch der nächste Schritt wäre, ein grosses Haus zu führen, und das reizt mich nicht besonders. Auch aus der Perspektive des wissenschaftlichen Mitarbeiters und Kurators an verschiedenen Museen habe ich mitbekommen, dass die Leitung einer solchen Institution vor allem Verwaltungsarbeit mit sich bringt. Darauf kann ich zugunsten inhaltlicher Arbeit gerne verzichten.

Als Direktor des Hans-Erni- Museums sind Sie aber mehr als ein Ausstellungsmacher?

Selbstverständlich. Als Leiter des Hauses stehe ich in der Verantwortung für das ganze Museum. Ich entscheide über seine Ausrichtung, den Auftritt nach aussen, das Publikumsmarketing, die Sammlungs- und die Ausstellungspolitik. Das Hans- Erni-Museum ist ein Haus mittleren Formats, das dem Direktor ein breites Tätigkeitsfeld bietet.

Es ist auch eine Prinzenrolle, die Sie übernehmen. Sie sollen das Kunsthaus in der Technoburg des Verkehrshauses aus seinem Dornröschenschlaf wach küssen.

So hätte ich das nicht formuliert. Es ist allerdings richtig, dass es eine meiner wichtigsten Aufgaben sein wird, das Hans-Erni-Museum wieder ins Bewusstsein der Leute zu bringen, es wieder allgemein sichtbar zu machen, auf der kulturellen und intellektuellen Landkarte neu zu verorten und für jüngere Generationen zugänglich zu machen.

«Hans Erni hat sich immer mit der Beziehung zwischen Kunst, Technik und Wissenschaft befasst.»

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation des Hans-Erni-­Museums ein, besonders angesichts der eher niedrigen Besucherzahlen?

Das 1979 eröffnete Museum hat im Verlauf der knapp 40 Jahre an Aufmerksamkeit und Interesse verloren. Zu Unrecht glaubt man, ein Besuch reiche, um die Kunst von Hans Erni gesehen und erfasst zu haben. Ein Irrtum. Denn Hans Erni ist ein sehr vielseitiger und aussergewöhnlich produktiver und innovativer Künstler, der ein umfangreiches und höchst spannendes Werk hinterlassen hat, das thematisch seine Aktualität behalten hat und künstlerisch von zukunftsweisender Wirkungskraft ist.

Sie sollen dem Museum gemäss Ihrem Auftrag wieder zu mehr Aufmerksamkeit und zu mehr Publikum verhelfen, indem Sie das Haus neu positionieren und ausrichten. Was heisst das konkret?

Es gilt, Hans Erni in seiner Vielseitigkeit zu zeigen. Sein humanistisches und gesellschaftliches Engagement, seine intensive Beschäftigung mit Philosophie und Wissenschaft und seine Bedeutung als wichtiger künstlerischer Motor für die Entwicklung der Moderne in der Zentralschweiz sichtbar zu machen.

Und kann das gelingen?

Das bedingt zum einen eine neue Präsentation der Sammlung, die entsprechende Schwerpunkte setzt. Zum andern soll auch das Umfeld von Hans Erni miteinbezogen und ausgeleuchtet werden, indem in Wechselausstellungen sein Werk mit Werken anderer Künstler gezeigt wird. So könnte man Ernis Werke in Dialog treten lassen mit seinen Zeitgenossen oder mit Künstlern, die sich mit gleichen Themen beschäftigten.

Zum Beispiel?

Ernis Arbeiten könnten etwa griechischen Vasen oder Renaissancezeichnungen gegenübergestellt werden. Es wäre auch reizvoll, Erni mit Kunstschaffenden der Jetztzeit zu zeigen. Solche Ausstellungen ermöglichen es Ausstellungsbesucherinnen und -besuchern, das Phänomen Hans Erni neu zu entdecken.

Griechische Vasen, Renaissancezeichnungen – das klingt teuer. Haben Sie so viel Geld für solch aufwendige Wechselausstellungen?

Unser Budget hat tatsächlich Grenzen. Einen Leonardo da Vinci werden wir nicht präsentieren können. Doch wenn wir unsere Beziehungen spielen lassen, sollten wir mit Leihgaben attraktive und spannende Ausstellungen realisieren können.

Haben Sie bereits eine Wechselausstellung geplant?

Ja. 2019 soll eine Ausstellung zum Thema «Fliegen» eröffnet werden – ein Projekt, das unsere Absicht, Hans Erni im Kontext zu zeigen, mehrfach umsetzt: Zum einen war Hans Erni selber Pilot und hat sich als Künstler intensiv mit Fliegen auseinandergesetzt. Zum andern ist das Fliegen seit der Renaissance ein zentrales Thema in der Kunst. Und drittens ist die Luftfahrt eine der Hauptattraktionen des Luzerner Verkehrshauses.

Damit wird auch die thematische Anbindung ans Verkehrshaus verstärkt. Ist das Programm?

Hans Erni hat sich etwas gedacht, als er sein Museum im Verkehrshaus hat bauen lassen. Mit der Beziehung zwischen Kunst, Technik und Wissenschaft hat er sich sein Leben lang auseinandergesetzt. Es ist mir ein Anliegen, den Link zwischen Museum und Verkehrshaus zu stärken und bei den Verkehrshausbesuchern das Interesse für Hans Erni und sein grosses Werk zu wecken.

Wie soll das funktionieren?

Das Erdgeschoss des Museums soll sich thematisch und ausstellungsdidaktisch sehr nah am Verkehrshaus bewegen und Besucherinnen und Besucher auf die oberen Geschosse – die Kunstetagen – neugierig machen und sie für künstlerische Fragestellungen vorbereiten. Ein Vorteil des Hauses ist, dass seine Architektur sehr durchlässig ist und Ein- und Ausblicke ins Innere und nach aussen gewährt.

Die Ansprüche eines Kunstpublikums zu erfüllen und zugleich attraktiv zu sein für ein vielschichtiges Massen-publikum aus Familien, Touristen, Schulklassen und Technikfans, das ist ein schwieriger Spagat. Wie kann er gelingen?

Wir müssen uns aktiv um das Interesse der verschiedenen Publikumssegmente bemühen und unser Angebot darauf ausrichten.

Das heisst?

Das heisst beispielsweise, dass wir das Museum einladender machen. Das Haus ist an einem wunderschönen Ort gelegen, das soll auch erfahrbar werden. Eine Cafeteria oder eine Öffnung des Hauses zum Garten hin wären denkbar. Durch die Neupositionierung des Museums wird die Kunst von Hans Erni besser erschlossen und aufgewertet, seine Bedeutung im Dialog mit anderen nachvollziehbar erkannt.

Bekommen Sie so mehr Publikum?

Die künstlerische Ausweitung macht das Museum auch für ein vielseitig interessiertes Kunstpublikum attraktiv. Auch für regionale Kunst soll es offen sein. Warum sollte hier nicht ein Teil der Jahresausstellung der Zentralschweizer Kunst stattfinden? Das Ziel ist, Hans Erni in seiner Gesamtheit erlebbar zu machen.

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