Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Der Topthriller des Monats: Heisses Spiel mit Spionen

Altmodisch im allerbesten Sinn: Philip Kerr erzählt, wie sich Geheimdienstler gegenseitig ausspielen. Und mittendrin eine Hauptfigur zwischen Tragik und Coolness.
Arno Renggli
Philip Kerr (1956–2018) schuf mit Bernie Gunther einen faszinierenden Krimihelden. (Bild: Alberto Estevez/Ullstein)

Philip Kerr (1956–2018) schuf mit Bernie Gunther einen faszinierenden Krimihelden. (Bild: Alberto Estevez/Ullstein)

Wenn man diesen Thriller in höchsten Tönen lobt, ist das keinesfalls nur posthume Nettigkeit. Tatsächlich ist der schottische Autor Philip Kerr im März dieses Jahres 62-jährig an Krebs verstorben. Berühmt wurde er etwa mit den Thrillern «Das Wittgensteinprogramm» oder «Game over», für die er je den Deutschen Krimipreis (Kategorie International) erhielt. Und nicht zuletzt mit seiner Reihe um den deutschen Ermittler Bernie Gunther. Dieser ist während des Weltkriegs auch im Dienste der Nazis tätig. Was ihn zu einer besonderen spannenden Figur macht, weil er sich trotz allem ein Stück Moral und Unabhängigkeit zu bewahren versucht.

Im vorliegenden neuen Roman ist der Weltkrieg seit elf Jahren vorbei. Bernie Gunther versteckt sich vor seiner Vergangenheit und arbeitet als Concierge in einem Grand-Hotel an der Riviera. Dort hilft er einer attraktiven Engländerin, mit dem berühmten englischen Schriftsteller W. Somerset Maugham in Kontakt zu treten, der ebenfalls an der ­Riviera logiert.

Der Spion ist kein Spion – oder etwa doch?

Der betagte, aber quicklebendige Starautor interessiert sich seinerseits für Gunthers Hilfe, wird er doch wegen pikanter homoerotischer Fotos erpresst. Als Gunther sich bereit erklärt, das Lösegeld zu übergeben, gerät er in Teufels Küche. Denn das Ganze ist Teil einer komplexen Intrige zwischen den Geheimdiensten der Briten und der DDR. Der britische Chef soll als feindlicher Spion enttarnt werden. Oder geht es darum, ihn fälschlicherweise zu diskreditieren, um den wahren Verräter zu decken? Oder soll genau das suggeriert werden, obschon der Chef doch ein Spion ist?

Dass auch die Engländerin, mit der Gunther eine Affäre anfängt, eine dubiose Rolle spielt, macht die Sache noch vertrackter. Behält er den Durchblick? Philip Kerr bietet zum einen eine geniale Spionagestory im Stil von John le Carré – mit immer wieder neuen Wendungen. Gleichzeitig spielt die mediterrane Atmosphäre mit, die etwa Patricia Highsmith so trefflich geschildert hat. Und dann ist Bernie Gunther ein klassisch geprägter Ermittler im Stile von Raymond Chandler oder Dashiell Hammett: ein zynischer Einzelgänger mit Hang zu Alkohol und fatalen Frauen, hart gesotten und clever.

Grösste Schiffskatastrophe der Geschichte

Indes hat er auch eine berührende Seite, die mit seiner tragischen Vergangenheit zu tun hat. So hat er während des Weltkriegs seine Frau verloren. Kerr zeigt auch in diesem Zusammenhang, wie gut er historische Hintergründe in seine Romane verweben kann. In diesem Fall der Untergang der «Wilhelm Gustloff»: Das Kreuzfahrtschiff der Nazis wurde am 31. Januar 1945 von einem sowjetischen U-Boot versenkt. Über 9000 Menschen, die auf dem Schiff vor den heranrückenden Russen fliehen wollten, ertranken. Bezogen auf ein einzelnes Schiff gilt dies als schlimmste Schiffskatastrophe der Menschheitsgeschichte. Zum Vergleich: Auf der berühmteren «Titanic» starben rund 1500 Menschen.

Generell spielt der Zweite Weltkrieg immer wieder in die Story hinein, genauso wie der Beginn des Kalten Krieges mit den fast paranoiden Tätigkeiten der Geheimdienste. Auch dazu hat Kerr Spannendes recherchiert. Besagten Geheimdienstchef gab es tatsächlich, ebenso andere Figuren aus dem Spionagemilieu. Und natürlich den Schriftsteller W. Somerset Maugham, der nachweislich für den britischen Secret Service gearbeitet hat.

Trotz komplexer Story und vieler historischer Hintergründe liest sich das Buch leicht und sehr unterhaltsam. Was auch dem coolen Erzählstil Kerrs zu verdanken ist. Vor seinem Tod hat er noch zwei weitere Bücher mit Bernie Gunther verfasst, die auf Englisch bereits herausgekommen sind. Zweifellos werden sie auch noch auf Deutsch erscheinen. Danach ist leider Schluss. Das aktuell vorliegende Buch gehört zu den allerbesten der Reihe und verdient absolute Bestnoten.

Hinweis

Philip Kerr:
Kalter Frieden. Wunderlich.
396 S., Fr. 36.–.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.