Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«HER»: «Selbst die künstliche Stimme ist empathisch»

Sein Drehbuch zum Film «Her» ist das beste. So sieht es zumindest die Academy. Inszeniert hat er ihn auch gleich selber. Oscar-Gewinner Spike Jonze erzählt uns, wie er die Zukunft sieht.
Spike Jonze anlässlich der Critics’ Choice Movie Awards 2014.Keystone (Bild: PD)

Spike Jonze anlässlich der Critics’ Choice Movie Awards 2014.Keystone (Bild: PD)

Spike Jonze, in «Her» verliebt sich Joaquin Phoenix in eine weibliche Computerstimme. Wie ist es zu dieser Idee gekommen?

Spike Jonze: Ursprünglich dachte ich ganz generell über Beziehungen nach; wie sie funktionieren, warum sie scheitern und was den einen mit dem anderen verbindet. Da hatte ich schliesslich den Gedanken, wie es wäre, wenn sich jemand in eine künstliche Intelligenz in Form einer Stimme verlieben würde, und daraus hat sich diese Lovestory entsponnen.

Ist das nicht eine erschreckende Vorstellung, zumal schon heute das Smartphone für viele scheinbar zum besten Freund geworden ist?

Jonze: Es wird gern gesagt, dass uns Technologie immer mehr isoliert. Es ist aber viel komplizierter als das. Ich sehe auch, dass technische Errungenschaften ebenso dazu geführt haben, Kontakte trotz örtlicher Distanzen aufrechtzuerhalten. Leute, die etwa viel und oft unterwegs sind, können durch Skype trotzdem mit ihren Kindern reden. Etwas nur zu verteufeln, ist mir zu einfach gedacht.

Sondern?

Jonze: Es gibt nichts, was von Natur aus böse oder schrecklich ist. Man sollte alles subjektiv sehen und sich fragen, mit welcher Intention ich Dinge nutze, die mir zur Verfügung stehen. Die Technik bleibt ein Hilfsmittel, denn entweder man fühlt sich mit einem anderen Menschen verbunden oder nicht. Man kann auch gemeinsam in einem Raum sitzen, und trotzdem fühlt man keine Verbundenheit. Es geht also immer um uns selbst.

Dann liegt es womöglich an dem modernen Menschen, der es verlernt hat, zu kommunizieren und Gefühle zuzulassen?

Jonze: Auch das kann man ganz anders sehen: Es ist zu enormen und radikalen Fortschritten gekommen, die uns alle nähergebracht haben. In den USA ist es dahingehend zu etlichen Veränderungen gekommen. Wir haben einen schwarzen Präsidenten, Schwule haben mehr Rechte erhalten und so weiter. Allerdings gibt es auch Leute, denen die schnellen Veränderungen Angst machen. So sind wir Menschen, aber wir müssen es auch hinnehmen, dass sich die Welt permanent verändert.

Warum lassen Sie «Her» in der Zukunft spielen?

Jonze: Eine künstliche Stimme, die mit Intelligenz, Verstand und Emotionen ausgestattet ist, gibt es heute eben noch nicht. Aber es ist vorstellbar, dass irgendwann ein solches Programm geschrieben wird. Zum anderen wollte ich unbedingt mal einen Zukunftsfilm drehen, um ein eigenes Setting und Design zu kreieren. Damit will ich wiederum auch die Stimmung und das Gefühl des Films zum Ausdruck bringen.

Ist es Ihnen schon mal passiert, dass Sie sich in eine Frau verliebt haben, die es gar nicht gab?

Jonze: Vielleicht in Träumen, wo man sich verliebt, aber gar nicht weiss, wer das wirklich ist. Aber ich mag solche Träume, weil sie interessant sind. Man muss sich am nächsten Morgen nur daran erinnern können, was wohl selten passiert. Aber wenn ich mich erinnere, empfinde ich das Geträumte immer wie kleine Filme in meinem Kopf, die kein anderer zu sehen bekommt.

Darf man Ihren Film als Plädoyer für die freie Liebe verstehen? Denn in «Her» scheint alles erlaubt zu sein, selbst die Liebe zu einer künstlichen Stimme ...

Jonze: Ich will mit dem Film nicht die grosse Botschaft verkünden. Viel wichtiger ist mir, dass im Film nichts und niemand bewertet wird. Denn ich kenne das von mir: Sobald ich anfange, Dinge zu bewerten, werde ich blind für das, was wirklich passiert. In «Her» wird niemand bewertet, jede Figur ist empathisch, selbst die künstliche Stimme namens Samantha.

Samantha wird im englischen Original von Scarlett Johansson gesprochen, was in der deutschen Synchronisation leider verloren gehen wird ...

Jonze: Seit meinem ersten Film gibt es jemand, der die Synchronfassungen auf der ganzen Welt überwacht. Ihm vertraue ich, denn er spricht 18 Sprachen und hat wirklich ein gutes Ohr dafür. Er war sogar in Berlin, um die richtigen Stimmen auszusuchen, auch wenn ich jetzt nicht weiss, wie die Namen der deutschen Sprecher sind.

Wussten Sie sofort, dass Scarlett Johansson die perfekte Computerstimme wäre, in die Mann sich verlieben kann?

Jonze: Nein, es war eine sehr schwierige Suche. Wir luden etwa 30 der berühmtesten Schauspielerinnen zum Vorsprechen ein. Wir suchten nach einer weiblichen Stimme, die sich unschuldig anhören sollte, ohne naiv zu sein. Zuerst fiel die Wahl auf Samantha Morton, bis wir realisierten, dass es nicht passte. Letztlich war Scarlett dann die Einzige, die passte.Markus Tschiedert, Ricore

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.