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Kinderstück im Kleintheater: Hier entstehen Worte

Das Kinderstück «Die Wörterfabrik» der Equipe Wiss um die Luzernerin Isa Wiss feierte am Sonntag in Luzern Premiere. Darin erfährt man vieles über Worte – und auch Musik.
Michael Graber
Die Equipe Wiss mit Isa Wiss (Zweite von links) füllt Wörter in Ballone ab. (Bild: Ingo Höhn/PD)

Die Equipe Wiss mit Isa Wiss (Zweite von links) füllt Wörter in Ballone ab. (Bild: Ingo Höhn/PD)

Es ist Besuchstag in der Fabrik, und der Andrang ist gross. Die Fabrikchefin (Isa Wiss) smalltalkt, weist die Leute ein, im Hintergrund zirpen und rascheln ihre Fabrikarbeiter Marie (Vera Kappeler, Piano), Paul (Luca Sisera, Kontrabass) und Oskar (Peter Conradin Zumthor, Schlagzeug) an ihren Instrumenten. Die Fabrik stellt Wörter her und verkauft sie. Denn: Sprechen kann nur, wer Worte hat. Arme Leute können sich darum das Sprechen gar nicht leisten. Paul, Oskar und Marie zum Beispiel. Ihnen fehlt Geld, um Wörter zu kaufen. Dabei hätten gerade Oskar und Paul viel zu sagen: Beide haben sich in Marie verliebt. Ohne Worte bleibt es vorerst aber beim stummen Anhimmeln.

Viele Worte hat dagegen die Fabrikchefin, denn «ich bin reich» singt sie und dirigiert ihre Fabrikarbeiter. Sie stellen Worte in allen Sprachen her. Die Wortmaschinen füllen die Worte in Ballone, die auf allerlei Arten und in allerlei Grössen aufgeblasen werden. Anschliessend werden sie verpackt und verschickt. Wer ein Wort aussprechen will, muss die Luft aus dem Ballon über sich entweichen lassen und schwupps besitzt man dieses Wort.

Worte werden saisonal hergestellt

Die Fabrik arbeitet auf Bestellung oder je nach Saison. So stellen sie gerade wieder viele «Wollenkappen», «lange Unterhosen» und «Strumpfhosen, die kratzen» her – schliesslich ist ja Winter. Oder Sascha Ruefer ruft an und bestellt das längste aller Fussballworte: Das «Gooooooooaaaaaaaaaalll» – auf einige Os, As und Ls sei an dieser Stelle verzichtet, da sonst kein Platz mehr für andere Worte wäre. Isa Wiss singt dieses «Goal» jedenfalls, bis ihr fast der Schnauf ausgeht.

Wiss gibt die Fabrikchefin als stimmgewaltige schrullig-strenge Figur. Wandert über die Bühne – auf der auch die Zuschauer platziert sind – sitzt mal auf ihrem Chefsessel und treibt ihre Mitarbeiter an. Diese krampfen an ihren Instrumenten, damit immer mehr Worte entstehen. Dabei spielen sie selten normal, sondern zupfen, zerren, kratzen und poltern.

So entstehen allerlei unbekannte Töne. Mal geht es um eine defekte Bestellung für die Gift­fabrik, ackern sie als Quartett in immer rasanterem Tempo, bis der enorme Ballon beinahe zu platzen droht. Ein andermal, in einer Traumsequenz, wird das «A, B, C»-Lied zum Kanon. Man erfährt in der Wörterfabrik nicht nur vieles über Wörter, sondern auch viel über Musik und Instrumente.

Liebesgeschichte nimmt ein gutes Ende

Das Bühnenbild ist dezent liebevoll. Die Arbeiter tragen braune Overalls, nach und nach liegen auch immer mehr Ballone mit Worten gefüllt rum. Episodenweise erzählt die Equipe Wiss, die für dieses Stück auch vom Kanton Luzern unterstützt wurde, immer wieder kleinere Geschichten. Mal stiehlt Oskar frecherweise ein Wort («Helikopter»), oder ein anderes Wort (die Bezeichnung eines ausgestorbenen Tieres) wandert ins Museum. Mal sind es klamaukige, mal sehr berührende Miniaturen, die da erzählt werden. Die Kinder im Publikum kommen gut mit, sind gefordert, aber nicht überfordert.

Und auch die Liebesgeschichte der Fabrikarbeiter nimmt noch ein gutes Ende – zumindest für Paul. Der hat drei herumfliegende Worte ergattert und schenkt diese «seiner» Marie, Oskar trommelt und paukt dagegen an, klaut sich Dutzende herumliegende Worte, kommt aber gegen Paul nicht an.

Dieser sagt zwar nichts sonderlich Weltbewegendes zu Marie (es sind drei saisonale Winterbegriffe), aber weil er diese extra sammelt, um sie ihr zu schenken, berührt auch das. Das regt auch zum Nachdenken über eine Welt an, in der zwar viel gesprochen,aber wenig gesagt wird.

Müssten wir bei der Wörterfabrik Wörter bestellen um dieses Stück zu beschreiben, wir würden «sehr» und «gut» wählen. Das ist Kindertheater mit Anspruch, äusserst liebevoll umgesetzt.

Nächste Aufführung: Sonntag, 23. 9., 11 Uhr, Kleintheater Luzern.

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