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Hier machen Individualisten das Programm

Am Piano-Festival stehen Top-Pianisten in Solo-Rezitals im Zentrum. Intendant Michael Haefliger sagt, wieso es in dieser Spezialdiszplin kaum neue Formate braucht und welche Entdeckungen es gibt.
Varvara Nepomnyaschaya, kurz Varvara. Titelbild: Igor Levit.Bilder PD

Varvara Nepomnyaschaya, kurz Varvara. Titelbild: Igor Levit.Bilder PD

Michael Haefliger, das Lucerne Festival Orchestra unter Riccardo Chailly gab eben auf seiner China-Tournee ein Open-Air-Konzert in Schanghai. Muss man sich darunter eine Art Massenspektakel vorstellen?

Nein, es war ein topprofessionell durchgeführtes Konzert in einem Park vor über 3500 Besuchern. Entscheidend waren nicht die äusseren Dimensionen, sondern der entspannte Rahmen. Man konnte in Jeans hingehen und während der Musik auch mal plaudern. Diese entspannte Atmosphäre ist schon eine tolle Sache. Ähnliches gibt es ja auch in Europa, unter anderem in Mailand auf der Piazza del Duomo, ebenfalls unter Chaillys Leitung.

Umso mehr fällt auf, dass Sie am Piano-Festival ganz auf das klassische Rezital setzen. Wieso gibt es hier keine neuen Formate wie am Sommer-Festival?

Zum einen ist das Umfeld ganz anders als im Sommer: Das Piano-Festival findet während der Saison statt, in der der Konzertkalender auch in Luzern dicht gefüllt ist. Da spüren wir am Ticketverkauf, dass wir das Programm nicht überfrachten dürfen. Zudem ist das Piano-Festival in seiner Art ziemlich einzigartig auf der Welt – das am ehesten vergleichbare Klavierfestival Ruhr erstreckt sich über mehrere Wochen. Die Konzentration auf Klavierrezitals ist deshalb an sich schon etwas Besonderes. Darauf fokussieren wir uns auch, weil der Konzertsaal dafür akustisch wie visuell ideale Voraussetzungen bietet.

Ist denn auch das Publikum am Piano ein anderes als im Sommer?

Ja, es ist weniger national und international und kommt vor allem aus Luzern und der umliegenden Region. Darauf ist auch das spezielle Format Off-Stage ausgerichtet, das mit vorzüglichen Jazzpianisten in Luzerner Bars beim lokalen Publikum extrem beliebt ist. Und am Tastentag bieten wir mit arrivierten jungen Pianisten auch einen thematischen Schwerpunkt, dieses Jahr mit Werken mit Bezug zum Tanz und einem Vortrag zum Thema Walzer von Martin Meyer.

Wieso gibt ein Pianist wie Igor Levit, der andernorts mit Gesprächskonzerten auftritt, in Luzern «nur» ein Rezital?

Igor Levit ist tatsächlich ein Pianist der jüngeren Generation, der immer politischer wird und sich kritisch zu gesellschaftlichen Entwicklungen äussert. Dieser intellektuelle Zug und das Interesse an existenziellen Fragen zeigt sich aber auch in seinen Programmen – wie jetzt im Eröffnungskonzert, wo er unterschwelligen Bezügen und Botschaften von Bach über Schumann bis hin zu Wagner und Busoni nachspürt. Im Sommer, wo Levit einen Zyklus mit allen Klaviersonaten Beethovens beginnt, wird er auch als Person stärker ins Zentrum rücken.

Vor Jahren haben Sie gesagt, dass es nur eine Handvoll Pianisten gibt, die problemlos den Konzertsaal füllen. Ist das reine Klavierrezital in unserer multimedial geprägten Zeit ein Auslaufmodell?

Nein, überhaupt nicht, allein schon wegen der hochkarätigen Literatur für dieses Instrument. Zudem ist der Fokus auf die Individualität eines Musikers ja durchaus zeitgemäss, wofür an diesem Piano-Festival auch das Phänomen Cameron Carpenter mit seiner digitalen Orgel steht. Unter den Pianisten sind András Schiff, der in der kommenden Woche zwei Konzerte gibt, Martha Argerich, Evgeny Kissin oder Murray Perahia noch immer fraglose Publikumsmagnete. Daniil Trifonov und Igor Levit sind Beispiele von jüngeren Pianisten, die diesen Status erreicht haben oder in ihn hineinwachsen. Um die Zukunft des Pianos muss man sich keine Sorgen machen.

Nicht nur am Tastentag, sondern auch in den Debüts präsentieren Sie junge, zum Teil bereits arri­vierte Pianisten. Was kann man da für Entdeckungen machen?

Da ist es schwierig, nur einzelne herauszuheben. Eine Entdeckung für mich war zum Beispiel Bertrand Chamayou: Mit seinem interessanten Anschlag, einem französisch geprägten Repertoire und als Kammermusiker, ist er für mich einer der besten jüngeren Pianisten. Eine starke Persönlichkeit ist auch Varvara, die die Virtuosität vom Schlag einer Khatia Buniatishvili mit Raffinesse verbindet und damit Vordergründigkeit meidet. Eine weitere Entdeckung war für mich der Solist auf einer China-Tournee des Festival-Orchesters: Haochen Zhang ist eine Art Gegenentwurf zu Lang Lang; ein Pianist, der mehr noch als durch Virtuosität durch eine kreative Sensibilität fesselt und auf der Bühne so wirkt, als würde er während des Spielens nachdenken.

Nach Jahren tritt endlich auch Ihr Bruder Andreas Haefliger wieder am Piano auf – als Solist mit dem Tonhalle-Orchester. Was verbindet künstlerisch den Intendanten Michael und den Pianisten Andreas Haefliger?

Sehr viel, auch wenn wir unterschiedliche Wege gegangen sind, als ich als Geiger in die Intendanten-Rolle wechselte, während er mit seinem Instrument verheiratet blieb. Wir haben ja zusammen 1985 am Festival in Luzern debütiert und in jener Zeit sehr viele gemeinsame Konzerte gegeben. Das schuf über das Familiäre hinaus eine starke Verbundenheit. Was mich an meinem Bruder beeindruckt, ist die existenzielle Dimension, die er als Künstler sucht. Das zeigt sich auch im Programm dieses Piano-Festivals, wo er Konzerte von Mozart und Ravel einander gegenüberstellt. Wie bei Levit gilt auch da: Den Anspruch eines neuen Formats können auch solche Programme einlösen.

Urs Mattenberger

Programme wie nach Regeln der Kochkunst

Das Piano-Festival bestätigt den Trend zu Programmen, die wie «Kochkunst»-Regeln (András Schiff) «komponiert» sind. Igor Levit geht der «Flaschenpost» nach, die sich von Bach durch Werke von Schumann bis Busoni zieht (Sa, 17. 11., 18.30, Konzertsaal KKL). András Schiff kombiniert Klavierstücke von Brahms mit Komponisten, die Brahms schätzte (Mo, 19. 11., 19.30, Mi, 21. 11., 19.30). Andreas Haefliger verbindet Mozarts c-Moll-Konzert mit Ravels Klavierkonzert für die linke Hand (mit dem Tonhalle-­Orchester, Sa, 24. 11., 19.30). Tastentag: Tanz und Walzer Der Tastentag (So, 18. 11.) ist dem Thema Tanz und dem Walzer (Vortrag von Martin Meyer: 14.00) gewidmet. Sergej Redkin spielt russische Ballett-Musiken (11.00), Varvara (16.00) und Bertrand Chamayou (18.30) Walzer- und andere Tanz-Apotheosen von Ravel. Debütanten Mit Gipfelwerken stellen sich Haochen Zhang (Liszts Klaviersonate, Mittwoch, 21. 11.) und Federico Colli vor (Mussorgskys «Bilder einer Ausstellung», 23. 11.). Schaghajegh Nosrati (Bild) spielt Charles Valentin Alkans romantisch-virtuoses «Concerto pour piano seul» (Do, 22. 11., alle 12.15 in der Lukaskirche). Individualisten: Die Extreme Das extrovertierte Extrem verkörpert der Organist Cameron Carpenter (Bild; Goldberg-Varia­tionen mit «Alien»-Filmmusik: Freitag, 23. 11., 19.30), das introvertierte Grigory Sokolov mit Beethoven und Schubert (Do, 22. 11., 19.30). In die Extreme geht Nicolas Hodges Moderne-Programm mit drei Uraufführungen (Sa, 24. 11., 11.00, Lukaskirche) und das Schlusskonzert von Piotr Anderszewski mit Beethovens Diabelli-Variationen (So, 25. 11., 18.30). Off-Stage: Jazz, Meisterkurse Acht Jazz-Pianisten bestreiten das Opening des Piano Off-Stage im KKL (Di, 20. 11., 19.30) und treten anschliessend jeden Abend in Luzerner Bars auf. Off-Stage finden auch die Meisterkurse von Andreas Haefliger (18. bis 21. 11.) und Nicolas Hodges (25. bis 27. 11., St. Charles Hall, Meggen) statt. (mat)
Infos/VV: www.lucernefestival.ch

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