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Hiesige Kunst unter Kubas Sonne: 22 Zentralschweizer präsentieren ihre Werke in Havanna

Ein schweisstreibender Trip: Zwei Ausstellungen in Havanna zeigen Werke von 22 Zentralschweizer Künstlern.
Oscar Alba, Havanna
Blick in den Revolution Art Space. (Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)Blick in den Revolution Art Space. (Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
Galeristin Evelyne Walker aus Luzern. (Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)Galeristin Evelyne Walker aus Luzern. (Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
Künstler Rochus Lussi aus Stans. (Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)Künstler Rochus Lussi aus Stans. (Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
Galeristin Evelyne Walker (im grünen Kleid). (Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)Galeristin Evelyne Walker (im grünen Kleid). (Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
Hat die Ausstellung organisiert: Evelyne Walker. (Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)Hat die Ausstellung organisiert: Evelyne Walker. (Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
Freude über die gelungene Vernissage. (Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)Freude über die gelungene Vernissage. (Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)(Bild: Nique Nager, Havanna, Juni 2019)
20 Bilder

Zentralschweizer zeigen ihre Werke in Havanna

In der Schweiz, dieser Insel des Wohlstands mitten in Europa, war alles so gut geplant. Und jetzt ist auf dieser Insel des Tropensozialismus in der Karibik alles anders. Die Luzerner Galeristin und Künstlerin Evelyne Walker und mit ihr 22 Kunstschaffende aus der Zentralschweiz stehen schlapp in einer leeren Lagerhalle in Havanna. Gefühlte 40 Grad unter dem Eternitdach, Luftfeuchtigkeit nahe 100 Prozent. Haare, Haut und Kleider nass vor Schweiss. Walker, dunkle Augenringe, schwer atmend, ist schon am Ende, bevor es richtig begonnen hat. Willkommen in Kuba!

Die Idee für das Kunst- und Kulturaustauschprojekt «Von Insel zu Insel» hat Walker vor drei Jahren, als sie zum ersten Mal in Kuba ist. Auf der Insel herrscht gerade so etwas wie Aufbruchstimmung. Der damalige US-Präsident Barack Obama kommt auf Besuch, die Rolling Stones geben ein Gratiskonzert und die kubanische Kunst erlebt einen Frühling. Walker findet vieles, was sie auf ihrer Reise durch Ateliers entdeckt, «hoch interessant». Sie lädt Künstler von der Karibikinsel in ihre Galerie Vitrine in Luzern ein. Sie träumt von einer grossen Zentralschweizer Kunstschau in Kuba. Und fängt an zu planen.

Traum von Havanna 
beginnt holperig

Freut sich über die gelungene Vernissage im Revolution Art Space: Galeristin Evelyne Walker (im grünen Kleid). (Bild: Nique Nager, Havanna, im Juni 2019)

Freut sich über die gelungene Vernissage im Revolution Art Space: Galeristin Evelyne Walker (im grünen Kleid). (Bild: Nique Nager, Havanna, im Juni 2019)

In Havanna zeigt sich die Kuratorin für bildende Kunst im angesagtesten Kulturhotspot, der Fábrica de Arte Cubano, sofort interessiert – antwortet danach aber nur noch sporadisch auf E-Mails. Telefonate klingeln meistens ins Leere. Walker begreift: So wird das nichts. Sie fliegt auf die Insel und misst die Ausstellungsräume in der ehemaligen Ölfabrik selber aus. Und merkt: Kleinste Details können zum Problem werden. Wo kann man auf dieser Insel des chronischen Mangels einen Memorystick auftreiben? Wo grossformatige Kopien erstellen?

In der Schweiz sind die Probleme andere. Zum Beispiel das liebe Geld: Pro Helvetia lässt keinen Rappen springen. Die teilnehmenden Künstler seien national und international zu wenig bekannt. Walker, die das Ganze ohne die vertrackte kubanische Kulturbürokratie organisiert, aber dafür mit Hilfe der Schweizer Botschaft, bleibt hartnäckig. Sie stutzt das Budget massiv auf 40'000 Franken. Obwohl sie Gelder von Zentralschweizer Kantonen und Stiftungen erhält, reicht es nicht. Die Kunstschaffenden müssen für Kost und Logis und teils für die Reise selber aufkommen.

Einen Monat vor der Vernissage dann die Hiobsbotschaft: Walker erfährt per Zufall, dass die Fábrica de Arte ihre Tore für zwei Monate geschlossen hat. Wegen Renovation, es regnete durchs Dach. Was nun? Die Kunstwerke sind im Schiffscontainer in Kuba angekommen, die Flüge gebucht, die Einladungen in Havanna im Umlauf. Walker ist drei Tage am Boden, danach informiert sie ihre Delegation:

«Wir ziehen das Ding durch, ich weiss noch nicht wie und wo, aber wir fliegen alle.»

Walker weibelt, Freunde und Bekannte in Kuba schwärmen aus, suchen einen Ausstellungsort. Und finden die Lagerhalle im Armenquartier La Timba gleich um die Ecke beim Revolutionsplatz, wo die Ministeriumsbauten der sozialistischen Regierung wie Monolithe in der Landschaft stehen. Die ausrangierte Halle der Zentralpost heisst seit ein paar Monaten amtlich bewilligt Revolution Art Space und ist die neue private Galerie des Direktors der Fototeca Nacional de Cuba, Nelson Ramírez.

Kurz darauf die nächste Überraschung: Die Ausstellung in der Fábrica de Arte werde nun doch stattfinden, später, im Juli, aber dafür verlängert bis Ende September. So werden aus einer zwei grosse Ausstellungen. Was für ein Sonnenaufgang nach all den Wolken! Typisch Kuba.

Ein Ventilator 
und tausend Widersprüche

Nach den ersten Tagen wissen einige Schweizer bereits nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht. Der Luzerner Künstler Martin Gut drängelt sich vor den einzigen Ventilator in der Halle und sagt:

«Ich fühle mich wie ein aufgeschreckter Affe im Dschungel.»

Er wisse nicht, wohin mit all den Eindrücken und Widersprüchen. Luxushotels stehen inmitten von ruinösen Kolonialbauten, polierte amerikanische Oldtimer fahren an Menschen vorbei, die im Müll wühlen.

Bruno Müller-Meyer, der drei Gemälde aus seiner Serie «Alpenlandschaften» mitgebracht hat, empfindet die Insel als «entrückt inspirierend». Aus Platzgründen entscheidet sich der Luzerner, nur das Matterhorn zu zeigen, Öl auf Leinwand. Müller sagt:

«Eigentlich ist dieser Berg problematisch für einen Maler, ein Schweizer Klischee, Schwierigkeitsgrad zehn.»

Er hat sich aus Trotz für dieses Motiv entschieden, weil Ramírez, der Hausherr der Halle, inmitten der Schweizer Kunst seine gigantische Fotomontage – der vom Meer überschwemmte Turm am Revolutionsplatz, auch so ein Symbol – nicht entfernen wollte.

Bis kurz vor der Vernissage müssen die Schweizer improvisieren. Weil für den Hintergrund des Spinnennetzes von Lucie Heskett-Brem (Luzern) nirgends schwarze Farbe aufzutreiben ist, mischt die Künstlerin selber welche aus Pigmenten und anderen Zutaten. Die Farbe blättert schon nach einer Stunde vielerorts ab. Thomas Baggenstos (Merlischachen) hat sich in letzter Minute in einen Bambuswald geschlichen, um mit einer Machete ein paar Rohre zu schlagen, die er als Beine braucht für seine selbst-malende Krake.

Zwischen dem Hämmern und Hängen stehen Atelierbesuche auf dem Programm, dazu ein Rundgang in der Nationalen Hochschule der Künste. Die Idee für das architektonische Weltwunder hatten Fidel und Che Guevara einst beim Golfspielen. Der Garten Eden der Künste ist heute wie so viele von Fidels Ideen grösstenteils eine Ruine.

Publikumsaufmarsch 
entschädigt für Trubel

An die Vernissage in mörderischer Hitze strömt viel Volk. Walker, mit einem kühlen Mojito in der Hand, ist jetzt erstmals so richtig entspannt und glücklich, dass «in diesem tropischen Delirium wie durch ein Wunder nun doch alles geklappt hat».

Am Eingang paffen urchige Köpfe auf Fotografien des Luzerners Sylvan Müller eine «Villiger Krumme»-Zigarre – eine Anlehnung an Kubas Tabakkultur und das ikonische Bild von Che Guevara des Schweizer Fotografen René Burri. Eine Gruppe junger Kubaner rätselt, ob die abgebildeten Männer Schweizer Helden oder Revoluzzer seien. Sind sie nicht. Alles unbekannte Gesichter, ausser: Heinrich Villiger, der Mann, der gute Geschäfte mit kubanischem Tabak macht.

Manche Werke sind eigens für die Ausstellung entstanden, etwa der kubanische Rabe in gleissenden Goldstrahlen der Hoffnung aus Holz des Innerschweizer Kunstpreisträgers Rochus Lussi (Stans). Oder Felix Kuhns lückenhafte Postkartenserie: Ein Jahr lang sandte der Luzerner jeden Tag eine selbst gemalte Karte nach Kuba, einige Dutzend sind nie angekommen.

Träume und Thematiken fliessen ineinander

Zwei Studentinnen fragen sich, weshalb Origamikünstler Sipho Mabona (Luzern) aus Dollar-Noten Heuschrecken kreiert hat. Sie, die noch nie im Ausland waren, assoziieren Dollars nicht mit gefrässigen Viechern, sondern mit unerfüllten Wünschen. Entzückt sind sie vom Video des Filmpreisträgers Davix (Luzern). Da entstehen Gemälde im Schnelldurchlauf, gefilmt in einem Studio in der Cité des Arts Internationale de Paris. Paris! Auch so ein Traum vieler Kubanerinnen und Kubaner. Vorstellungen und Bilder, Träume und Thematiken fliessen ineinander, verwirren und überraschen.

Ab Mitte Juli hat die Kunst aus der Zentralschweiz ihren zweiten grossen Auftritt in Havanna. In der Fábrica de Arte werden jeden Abend 2000 bis 3000 Personen die Werke sehen. Eine bessere Galerie gibt es in Kuba nicht. Evelyne Walker muss sich wieder darum sorgen, dass alles schiefgehen kann und dann hoffentlich doch irgendwie klappt. Sie ist diesmal auf alles und nichts vorbereitet.

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