HIGHLIGHTS: Darüber wird man dieses Jahr reden

Natürlich wird es auch 2017 überraschende Knüller geben. Aber einige zeichnen sich bereits ab, wie ein Blick aufs Kino, aufs Theater, auf die Literatur, auf grosse Klassik- und Popfestivals oder auf wichtige Ausstellungen zeigt.

Arno Renggli
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Wird «Blade Runner 2049» mit Ryan Gosling und Harrison Ford eines der Kino-Highlights dieses Jahres? (Bild: PD)

Wird «Blade Runner 2049» mit Ryan Gosling und Harrison Ford eines der Kino-Highlights dieses Jahres? (Bild: PD)

Arno Renggli

arno.renggli@luzernerzeitung.ch

Das Zentralschweizer Kulturjahr werden auch 2017 die grossen Festivals mitprägen. Lucerne Festival Sommer (11. 8. bis 10. 9.) bietet nach dem künstlerisch und kommerziell erfolgreichen «Primadonna»-Motto erneut gesellschaftliche Brisanz: Zum Thema «Identität» werden Migrationsphänomene beleuchtet – inklusive Opernprojekt mit Flüchtlingen.

Das letzte Juli-Drittel wird wie immer geprägt werden vom Blue Balls Festival (21. bis 29. 7.). Man kann sich auf den gewohnt attraktiven Mix einstellen. Das ­B-Sides Festival Luzern geht vom 15. 6. bis 17. 6. über die Bühne. «Allmend rockt» hingegen, eines der Zentralschweizer Kulturhighlights des letzten Jahres, findet 2017 leider nicht statt. Es gelang nicht, ein zugkräftiges ­Line-up zu verpflichten. Rootsigen Sound mit urwüchsigen Typen verspricht erneut das Lucerne Blues Festival (11. bis 19. 11.).

Das Kunstmuseum Luzern feiert am 4. März mit Werken von Claudia Comte eine erste Vernissage und bietet im Jahresverlauf Highlights wie etwa die Robert-Zünd-Ausstellung (ab 8. 7.).

Luzerner Theater: Drei Premieren im Januar

Von grossem Interesse bleibt das Luzerner Theater nach dem fulminanten Saisonstart unter dem neuen Intendanten Benedikt von Peter. Mit Ibsens «Nora» (18. 1.), Shakespeares «Romeo und Julia» (26. 1.) sowie der Rossini-Oper «L’italiana in Algeri (29. 1.) gibt es schon im Januar drei Premieren. Begeistern könnte auch das Kollektivspektakel in der Jesuitenkirche, die das Theater (mit Monteverdi) erstmals zum Osterfestival beisteuert (3. 4.).

Mit dem Blick über Luzern hinaus interessieren unter anderem die Operette Sursee mit «Die Fledermaus» und die Konkurrenz in Arth mit «Der Bettelstudent» (beide ab 14. 1.), das Comix-Festival Fumetto (1. bis 9. 4.), das Klassik-Osterfestival in Andermatt, 9. bis 17. 4. (wobei der Swiss­chamber Musiccircle nun auch eine ganzjährige Musikreihe lanciert hat), die Stanser Musiktage (25. bis 30. 4.), das Improsante Sarnen (3. bis 7. 5.), das Volkskulturfest «Obwald» (3. bis 9. 7.), diverse Comedyfestivals etwa in Stans (13.–17. 9.) oder Sursee (Oktober) und das Gedenkjahr zum 600. Geburtstag von Niklaus von Flüe.

Was ausser Fortsetzungen kann einschlagen?

Das Kinojahr 2016 war eher mässig, künstlerisch wie kommerziell. Es gibt Anzeichen dafür, dass es dieses Jahr besser laufen könnte. Wie immer sollen Fortsetzungen bewährter Knüller die Kassen zum Klingeln bringen. Als da wären etwa «Fifty Shades Darker» (das Sequel zum SM-Softporno, ab 9. 2.), «Stars Wars 8» (14. 12.), «Fast & Furious» (13. 4.), Pirates Of The Caribbean 5» 25. 5.), «Ich – einfach unverbesserlich 3» (6. 7.) oder gar «Avatar 2» (Termin noch unbekannt). Hinzu kommt «Blade Runner 2049» (5. 10.), dessen Vorgänger allerdings 35 Jahre zurückliegt, weshalb man etwas wirklich Neues erwarten darf. Gleiches gilt für Danny Boyles «Trainspotting 2» (16. 2.).

Aber vielleicht gibt es ja eine Überraschung aus den echten Neuheiten: etwa Martin Scorseses Literaturverfilmung «Schweigen» (2. 3.) über die Christenverfolgung im Japan des 17. Jahrhunderts. Oder «Dunkirk» (27. 7.) von Christopher Nolan über die spektakuläre Evakuierung von über 300000 alliierten Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Oder «Jackie» (26. 1.) über die Frau von John F. Kennedy mit Nathalie Portmann in der Titelrolle. «Baywatch» (11. 5.) könnte als Parodie auf die Kultserie der 90er-Jahre durchaus ziehen. Und «Papa Moll» (21. 12.) mit Beat Kurt in der Titelrolle soll an die Schweizer Hits von 2015 «Schellen-Ursli» und «Heidi» anknüpfen. Zu den diesjährigen «Oscar»-Favoriten gehört das Musical «La La Land» (12. 1.) mit Emma Stone und Ryan Gosling.

Apropos Oscars: Deren Verleihung am 26. Februar gehört auch dieses Jahr zu den wichtigen Kinoterminen. 2016 gewann mit dem Drama «Spotlight» über Missbrauch durch Priester ein unspektakuläres Werk den Hauptpreis. Wie wird es diesmal? Wir fiebern auch der Entscheidung in der Kategorie «Fremdsprachiger Film» entgegen. Der französisch-schweizerische Animationsstreifen «Ma vie de Courgette» (Kinostart 16. 2.) hat es auf die Shortlist geschafft. Die Nominationen werden am 24. Januar bekannt. Unsere Sympathie gelten auch dem deutschen Film «Toni Erdmann», dem Sieger des europäischen Filmpreises 2016. Er wäre ein würdiger «Oscar»-Gewinner.

Auch Cannes (17.–28. 5.) wird wieder im Fokus stehen. Der letztjährige Sieger «I, Daniel Blake» von Ken Loach kam nicht überall an. Für uns werden überdies die Festivals in Locarno (2.– 12. 8.) und Zürich (28. 9.–8. 10.) von besonderem Interesse sein.

Robbie, Justin und Depeche Mode

Und was läuft noch mit gesamtschweizerischer Ausstrahlung? Im Popbereich seien die Konzerte von Green Day (16. 1., Hallenstadion Zürich), Bruno Mars (12. 5., Hallenstadion), Justin Bieber (15. 6., Stade de Suisse Bern), The Beach Boys (14. 6., Kongresshaus Zürich), Depeche Mode (18. 6., Letzigrund Zürich) und Robbie Williams (2. 9., Letzigrund) erwähnt. In der Kunst könnten «Claude Monet» (ab 22. 1., Fondation Beyeler Riehen), «Kirchner– die Berliner Jahre» (ab 10. 2., Kunsthalle Zürich) oder «Der verborgene Cézanne» (ab 10. 6., Kunstmuseum Basel) zu Publikumsmagneten gehören.

Auch literarisch werden wir 2017 gut versorgt werden. Nur drei frühe Beispiele: Bereits übermorgen erscheint «Statt etwas oder Der letzte Rank», der neue Roman von Martin Walser, der am 24. März seinen 90. Geburtstag feiern wird. Ab 18. Januar gibts das neue Buch von Martin Suter. Es heisst «Elefant» und handelt tatsächlich von einem solchen. Ebenfalls aus Schweizer Sicht ist man gespannt, ob es Ende Februar nun endlich klappt mit «Hagard», dem neuen Roman von Lukas Bärfuss.