Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Himmel auf Erden in der Theaterwerkstatt Frauenfeld

Die Theaterwerkstatt Gleis 5 in Frauenfeld widmet sich den Höhen und Tiefen des Lebens. Eine Geschichte in Gedichten Raymond Carvers.
Severin Schwendener
Noce Noseda (links) und Federico Dimitri in «Dieser Himmel zum Beispiel» (Bild: Donato Caspari)

Noce Noseda (links) und Federico Dimitri in «Dieser Himmel zum Beispiel» (Bild: Donato Caspari)

Dunkelheit. Dann ein Lichtpunkt in der Schwärze, ein helles Jackett, das in der Luft zu hängen scheint, ein schwebender, unheilschwangerer Ton aus dem Off. Dann die Stimme eines Mannes, sie gehört dem Träger des Jacketts, der dem Betrachter den Rücken zukehrt und in die Leere dieses schwarzen Raumes fragt:

«Wie wäre es, wenn du nur noch eine Minute zu leben hättest?»

Was wie der Auftakt zu einer neuen, düsteren Netflixserie klingt, findet derzeit in der Theaterwerkstatt Gleis 5 in Frauenfeld statt. «Dieser Himmel zum Beispiel» heisst das Stück, das aus teils auf Deutsch noch nie veröffentlichten Gedichten Raymond Carvers besteht. Gedichte? Wem jetzt spontan Bilder aus der Schulzeit in den Kopf schiessen, von auf den Tischen hängenden Köpfen, scheinbar eingefrorenen Minutenzeigern und krampfhaften Versuchen, merkwürdigen Reimen irgendeine Bedeutung zu entlocken, der sei beruhigt.

Es dreht sich alles im Kreis

Weder mit Reimen noch mit Langeweile hat «Dieser Himmel zum Beispiel» irgendetwas zu tun. Was Federico Dimitri und Noce Noseda in der alten Lokremise auf die Bühne bringen, ist eine Geschichte direkt aus dem Leben gegriffen, schwankend zwischen nachdenklich traurig, ekstatisch und zerstritten. Mitten aus dem Leben gegriffen halt, eine Geschichte, die sich stets um eines dreht: um die Liebe zwischen zwei Menschen.

Drehen tut sich auch die Bühne und mit ihr die Schauspieler. Sie drehen sich im Kreis und um sich selbst, mal schneller, mal langsamer bis zum Stillstand. Es ist die in Bewegung übersetzte Geschichte, die sie erzählen.

Parallelen im eigenen Leben

Abgesehen von der sich drehenden Bühne kommt die Inszenierung mit praktisch gar nichts aus und das ist gut so. Denn so gehört die Bühne nicht irgendwelchen Spezialeffekten, sondern den beiden Darstellern. Federico Dimitri und Noce Noseda füllen diese Bühne aus, interpretieren Carvers Gedichte und die Geschichte dazwischen mit einer wunderbaren Intensität und Kraft, die einen mitreisst und unweigerlich nach den Parallelen im eigenen Leben suchen lässt. Es ist ein Spiegel, der einem vorgehalten wird, einer, der die schönen und die weniger schönen Seiten des Daseins zeigt.

Es ist schwierig, sich der Präsenz der beiden Darsteller zu entziehen, sich nicht von den stets wechselnden Stimmungen packen zu lassen. Das zu grossen Teilen junge Premierenpublikum jedenfalls macht das Auf und Ab der Stimmungen mit, begleitet das Stück mit heiterem Lachen genauso wie mit angespanntem oder auch nachdenklichem Schweigen. Am Ende schliesslich erkennt man, was zu Beginn angekündigt worden war: Die Vorstellung war – ein Gedicht!

Weitere Vorstellungen: Fr/Sa, 29./30.3., 20 Uhr, Theaterwerkstatt Frauenfeld

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.