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HIP-HOP: «Erwachsen ist eine Beleidigung»

K.I.Z. sind die «Kreuzritter der Unanständigkeit». Mit beissender Ironie kritisieren die Berliner Missstände in Politik und Gesellschaft. Oft hart an der Grenze des guten Geschmacks.
K.I.Z. ist die Abkürzung für «Kannibalen in Zivil». Entsprechend bissige Texte schreiben die Berliner Jungs. (Bild: PD)

K.I.Z. ist die Abkürzung für «Kannibalen in Zivil». Entsprechend bissige Texte schreiben die Berliner Jungs. (Bild: PD)

Eine Hörprobe mit Video finden Sie unter: www.luzernerzeitung.ch/bonus

Olaf Neumann

In den zehn Jahren, seit es K.I.Z. («Kannibalen in Zivil») gibt, hat diese Hip-Hop-Formation verbal immer wieder kräftig zugeschlagen. Die Rapper Maxim Drümer, Nico Seyfrid, Tarek Ebéné und Sil-Yan Bori alias DJ Craft besitzen die seltene Gabe, Fantasien in akustische Wirklichkeit zu verwandeln. Mit ihrem hintergründigen Humor haben sie den Deutsch-Rap revolutioniert.

0,9 Prozent Wähleranteil

Ihr erstes Album hiess «Das RapDeutschlandKettensägenMassaker». Sie schaffen es, ihre Kritik an Trends, Politik oder der Gesellschaft gekonnt in aberwitzige, politisch unkorrekte und herrlich böse Texte zu giessen. Ihr Markenzeichen sind aufgeschnappte Zitate, die zerstört, ausgespuckt und ins Gegenteil verkehrt werden.

In der Vergangenheit nahmen sie Starallüren oder das Leben im Preka­riat aufs Korn. Dabei haben sie einen neuen Sound entdeckt: Selbstironie. So bezeichneten sie sich einmal selbst als die Böhsen Onkelz der Reggae-Szene. 2011 kandidierten Nico und Maxim als Kunstbeauftragte und Spitzenkandidaten für die satirische Partei «Die Partei» im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg für die Wahl zum Abgeordnetenhaus. Trotz ihrer absurden Wahlversprechen, Berlin-Mitte komplett im Erdboden zu versenken und in Prenzlauer Berg ein atomares Endlager zu errichten, gaben ihnen 0,9 Prozent der Wähler ihre Stimme.

Weltuntergangsszenario

Berufspolitiker sind Nico und Maxim dann doch nicht geworden. Am Freitag erschien ihr fünftes Album unter dem Titel «Hurra die Welt geht unter». Es ist eine fundamentale Kritik am Kapitalismus und dreht sich um Geld, Sex und Gewalt. In einem Trailer inszenieren K.I.Z. sich als skurrile welterobernde Miliz.

Die Provokation gehörte schon immer zum Rock-’n’-Roll-Ethos, nur dass bei K.I.Z. Maschinenklänge vorherrschen. Das zum Teil recht düstere Album mutet an wie ein babylonisches Klanggewitter. Bisher haben die Berliner ihre Ansichten zu gesellschaftlichen Themen gerne ironisch verpackt. Diesmal entschieden sie sich für eine andere Herangehensweise, um sich «emotional auszupowern» und Druck abzubauen. So finden sie es inzwischen interessanter, direkter zu sein. Humor haben K.I.Z. immer noch, gleichzeitig ist das Album aber auch ernsthafter und sehr alltagsnah. Die Arrangements sind insgesamt etwas lockerer gestaltet, somit bietet die Musik viel mehr Raum für die Texte.

«Ich bin sehr glücklich, dass wir endlich mal ein musikalisch richtig rundes Album gemacht haben», sagt Maxim. «Vorher war immer ein ganz bunter Teller. Dieses Mal klingt es wie aus einem Guss. Was das Textliche angeht, haben wir uns zwar nicht vorgenommen, keine Schimpfwörter zu benutzen, aber wir wollten wirklich nur richtige Themen behandeln. Und dabei schauen, was passiert, wenn man sich vornimmt, ein ernstes K.I.Z.-Album zu machen.»

Attacke gegen Pegida

In der ersten Singleauskopplung «Boom Boom Boom» fahren die Rapper eine scharfe Attacke gegen Pegida und zeigen auf, wes Geistes Kind die Demonstranten sind.

K.I.Z. nehmen gerne das Geld, sie wünschen sich den Erfolg aber wirklich erwachsen werden wollen sie nicht. «‹Erwachsen› ist für mich eine Beleidigung», findet Maxim. «Weil das für die meisten Leute bedeutet, dass sie sich ihrer Kindheit und Jugend schämen und plötzlich das machen, was alle anderen machen – und ihre Musik die Zähne verliert. Ich hoffe, dass unser Album den Hörern trotzdem noch Schmerzen bereitet. Man kann sehr hart sein, ohne zwingend ein Schimpfwort zu benutzen. Es ist keine Kunst, erwachsen zu werden.»

Alles Schlechte verschwindet

Und warum freuen Maxim, Nico, Tarek und DJ Craft sich eigentlich so sehr auf den Weltuntergang? Nicht ohne Grund beschäftigen sich viele Künstler mit diesem Thema. K.I.Z. dachten sich aber: Es ist gar nicht so schlimm, wenn wir untergehen! «In Filmen oder Songs, die sich mit dem Ende der Welt beschäftigen, ist das alles immer sehr albtraumhaft beschrieben: Zombies rennen herum, alle fressen sich gegenseitig auf aber man kann sich doch genauso gut vorstellen, dass einfach alles Schlechte verschwindet! Und das hielten wir für eine viel interessantere Fantasie.»

K.I.Z.: «Hurra die Welt geht unter» (Universal). •••••

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