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HIP HOP: Sektion Kuchikäschtli bietet Futter für Nostalgiker

Sektion Kuchikäschtli waren mal die beliebteste Hip-Hop-Truppe der Schweiz. Zehn Jahre nach ihrem letzten Album veröffentlicht MC Rennie nun sein Soloalbum.
Michael Graber
Sektion Kuchikäschtli ist nicht mehr: Rennie (rechts) macht jetzt halt (fast) alleine weiter. (Bild: PD)

Sektion Kuchikäschtli ist nicht mehr: Rennie (rechts) macht jetzt halt (fast) alleine weiter. (Bild: PD)

Michael Graber

Irgendwann wurde es ruhig um Sektion Kuchikäschtli. 2007 ­veröffentlichten die Churer ­Hip-Hopper ihr drittes Album «Affatanz», das bis auf Platz 2 der Hitparade kletterte (damals bedeutete eine Chartplatzierung noch etwas). Und danach? Einige Festivalshows und fertig. Und so hat man 2017 fast schon nostalgische Gefühle, wenn man per Youtube-Autoplay mal wieder über Hits wie «I Han» oder «Checksch Die Ironie» stolpert. Auch weil der ganze Sound von Sektion Kuchikäschtli völlig aus der Rap-Zeit gefallen zu sein scheint: funky-jazzige Beats, textlastig und von einer grossen Entspanntheit geprägt. Damit bringt man die heutigen 18-Jährigen eher zum Kopfschütteln als zum Tanzen.

Alle, die sich jetzt fragen, wie Sektion Kuchikäschtli wohl 2017 klingen würden, kriegen jetzt die Antwort: Rennie, der MC der Truppe, veröffentlicht heute mit «Randnotiz» sein Soloalbum. Und auch das ist eher Futter für Nostalgiker. Rennie klingt auch heute wie der Rennie von gestern. Das ist durchaus logisch, wenn man die Vorgeschichte des Albums kennt. «Das Vorhaben, ein viertes Sektion-Kuchikäschtli-Album zu machen, stand sehr lange im Raum. Entsprechend kamen auch schon vor etlichen Jahren genügend Songs zusammen», sagt Rennie. Umgesetzt wurde das Vorhaben aber nie, obwohl «es an Versuchen nicht gemangelt hat». So sass Rennie auf einem Stapel Texte, die zwar geschrieben, aber nicht aufgenommen waren. «Das war höchst unbefriedigend», sagt Rennie.

Keine neuen Songs

Ein paar Stupser aus dem Kollegenkreis haben den Bündner dann dazu gebracht, die Texte doch noch zu vertonen. Claud, der Produzent der Sektion Kuchikäschtli, ist nicht mehr dabei und so steuerten Sad und I.l.l. Will die Beats bei. Sie bleiben dem Grundton der Sektion aber treu, da ist maximal sanft renoviert worden, Wände wurden keine eingerissen. Wenn man böse sein will, ist «Randnotiz» ein bisschen Restverwertung: Rennie sagt selber, dass er im Moment gar nichts mehr Neues schreibe. Das «erste Soloalbum» sei auch «das letzte Soloalbum». Ebenso betont er, dass er «keine Ahnung» von der aktuellen Rapszene habe und den Begriff «Trap» zuerst googeln müsste, um darüber sprechen zu können. Das ist typisch Sektion Kuchikäschtli: Man steht etwas über den Dingen und macht trotzdem einen auf Understatement.

Wie gross die Vorfreude auf das Album war, konnte man recht einfach messen: Per Crowdfund­ing sammelte Rennie innert gerade einmal vier Stunden 10000 Franken. Am Schluss waren es dann 25000 Franken. Darum gibt es die Platte nun auch als ­Vinyl und gar als Kassette – wieder so ein Nostalgiker-Ding. Als PR-Aktion will Rennie das Geldsammeln aber nicht bezeichnen, da er kein Label mehr habe, sei es darum gegangen, «den Break-even zu erreichen». Wer von Rennie etwas Persönliches hören will, beisst auf Granit: «Ich spreche auch 2017 noch nicht so gerne über mich selbst, ausser vielleicht in Songtexten. So gesehen bin ich noch immer der Alte.»

Ein bisschen wie Blättern im Fotoalbum

Dass bei «Randnotizen» so vieles beim Alten geblieben ist, ist gleichzeitig Segen und Fluch. Es ist ein bisschen wie im Fotoalbum blättern: Man erinnert sich gerne zurück, aber gleichzeitig findet man diesen und jenen Pullover von damals schrecklich unmodern. Um den Spannungsbogen über die 16 Songs zu halten, reicht der Nostalgiefaden nicht aus. Aber klar: Rennie hat noch immer einen tollen Flow und starke Texte. «Geschter no en Schrett vorus, hött Vergangeheit», rappt Rennie selber im «Randnotiz» (das Highlight der Platte). Die Vergangenheit klopft an die Türe der Zukunft. Aber nur um kurz vorbeizuschauen: Rennie und seine Randnotizen wird man nie live erleben können, wie er sagt. Nostalgie funktioniert daheim in der Stube besser als im Club.

Rennie: «Randnotize»

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