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HIP-HOP: Zeitreise zurück zur Jahrtausendwende

Gleich zwei neue Luzerner Rap-Platten sind gerade erschienen. Visu gibt den «Antihelden», und Freeze und Hawk huldigen auf «Wiedervereint» dem frühen Mundart-Rap.
Michael Graber

Kaum eine andere Musikrichtung hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten so stark entwickelt wie der Hip-Hop. Fertig Untergrund, hallo Mainstream. Das geht einher mit einer stilistischen Öffnung (textlich wie musikalisch): Rap gibt es jetzt auch poppig, rockig, minimalistisch, freakig und bieder. Da wirkt es etwas aus der Zeit gefallen, wenn man «Wiedervereint» von Hawk & Freeze in den CD-Player legt. Da klingt alles wie Schweizer Rap um die Jahrtausendwende: Beats, Punch­lines, Samples, Scratches.

Hawk und Freeze waren genau in dieser Zeit Wegbereiter der heutigen Rapgeneration. Freeze etwa bei der Surseer Rap-Combo Onan, und gemeinsam waren die beiden bei den 3-Sächsern aktiv. Irgendwann verrin­gerte sich die Dosis Musik bei beiden ein bisschen, und die Crews wechselten. «Kürzlich stand ich mal bei einem Auftritt von Hawk im Publikum, und er hat mich auf die Bühne geholt, um einen unserer alten Tracks zu performen – da haben wir gemerkt, dass wir noch einmal etwas machen wollen», sagt der Luzerner Philippe «Freeze» Fries. «Uns war schnell klar, dass wir so ein richtiges ‹Classic-Rap-Album› machen wollen.» Und mit klassischem Rap ist eben jene funky-bassige Mitwipp-Melange gemeint, die um 2000 das Publikum in Ekstase versetzte.

Lichtjahre zwischen 2000 und 2017

«Heute ist es schwierig, die Jungen mit dieser Art Rap abzuholen», sagt Fries. Heute wird an den grossen Hip-Hop-Konzerten Pogo getanzt statt Hände geschwenkt. Und auch textlich liegen zwischen 2000 und 2017 Lichtjahre. Viele Texte im angesagten (hauptsächlich amerikanischen) Trap kann man nett mit sinnbefreit umschreiben. Wirkung und Klang der Worte sind oft wichtiger als Inhalte. Da wirken der Zuger Hawk und Freeze mit ihren Reimschemen fast ein bisschen wie Dinosaurier.

Da drängt sich die Frage auf: Sind die MCs stehen geblieben? Freeze lacht: «Nein, keine Angst, wir können schon anders, was wir an anderer Stelle auch schon bewiesen haben.» Vielleicht müsse man es positiver formulieren: Es ist ein bisschen eine Zeitreise. Es erinnert an die Zeit, als die heutigen Mitdreissiger an schweisstreibenden Rapkonzerten waren und Rap noch einen etwas verruchten Charme hatte – dafür waren Spitzenplätze in den Charts noch in weiter Ferne.

Altersmilde sind Freeze und Hawk aber nicht geworden. Auch mit 39 Lenzen kann Fries durchaus punchig sein. Ziel ist «Rap wode Rögge stärcht, motiviert und vorwärtsbrengt», wie sie rappen. «Wiedervereint» ist eine schöne Nostalgiescheibe, die sich auch 2017 nicht zu verstecken braucht.

Michael Graber

michael.graber@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Hawk & Freeze: Wiedervereint

(iGroove). Live: Fr, 1. Dez., Bar 59, Luzern.

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