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Kleintheater: Ein Hoch auf die «Roaring Twenties» und auf Brigitte Boudoir

Die Theaterproduktion «Triptychon», ein Luzerner und Berner Gemeinschaftswerk, ist ambitioniert. So sehr, dass sie in weiten Teilen überfordert. Bis es zuletzt dann richtig lustig werden darf.
Susanne Holz
Brigitte Boudoir (Sandro Niederberger) lässt sich so richtig gehen. Das hebt sofort die Stimmung.Bild: Rob Lewis/Tojo Theater (Bern, 29. 8. 2018)

Brigitte Boudoir (Sandro Niederberger) lässt sich so richtig gehen. Das hebt sofort die Stimmung.Bild: Rob Lewis/Tojo Theater (Bern, 29. 8. 2018)

Eigentlich bräuchte es eine Einführung für dieses Drei-Stunden-Stück, das intellektuell glänzen will und in drei Teilen zuerst den «gelben Klang» von Wassily Kandinsky auf die Bühne bringt, nach einer Pause dann die «R.U.R. Rossums Universal Robots» von Karel Capek und nach einer weiteren Pause – endlich ein bisschen Spass – eine schillernde Krisenrevue im Zwanzigerjahre-Modus. Die Klammer des Ganzen ist die Endzeitstimmung der «Roaring Twenties» oder, französisch, der «Années Folles». «Nach uns die Sintflut, après nous le déluge», lautet denn auch das Motto der beiden ausführenden Theaterkollektive aus Luzern, «Fetter Vetter & Oma Hommage», und Bern, «Faust Gottes», zum Stück.

Angepriesen wird der Dreiteiler «Triptychon» als «fulminantes Formexperiment mit jungem Ensemble, zwei Chören, Solosänger und Orchester». Fulminant mag die Krisenrevue sein, die ersten beiden Teile jedoch ziehen sich, die Bildsprache auf der Bühne bleibt unverständlich, und auch die schlüssige Verbindung von Kandinsky zu Capek zu Cancan-Ausgelassenheit scheint man vergeblich zu suchen. Der Applaus nach einer ersten und dann einer zweiten Stunde Bedeutungsschwere bleibt denn auch sehr verhalten, obwohl das Publikum ganz sicher ein geneigtes ist. Doch wer dreieinhalb Stunden Aufmerksamkeit von diesem einfordert, der sollte richtig, richtig gut sein.

Obszön-wuchtig und das Highlight des Abends

Richtig, richtig gut ist an diesem Abend Sandro Niederberger, der einen pfeilschnell aus robotergrauen Gedanken und gelbem Nebel reisst mit seiner Performance. Als obszön-wuchtige Brigitte Boudoir räkelt sich Niederberger auf dem Flügel und gibt Charles Aznavours «Tu te laisses aller» – «Du lässt dich geh’n» zum Besten. Auftritt: super. Stimme: super. Kostüm: auch super. Ein Highlight des Abends, über das sich alle im dunklen Kleintheater sichtlich und hörbar freuen.

Bei der Krisenrevue hat die intellektuelle Krisenerforschung ein Ende – der Chorgesang macht richtig Freude, das Orchester hat sich breit und fröhlich mitten auf der Bühne platziert, und nun ergibt auch die viele nackte Haut der Darsteller einen Sinn, die man im zweiten Teil, bei der Performance der Roboter, als so effekthascherisch wie unnötig empfand.

Mag sein, dass auch das Ambiente im Kleintheater einer wilden Ausgelassenheit mehr entspricht als einer Suche nach expressionistischen Traumwelten. Um Wassily Kandinskys «gelben Klang», dieses «Klang-Farbe-Drama» von 1913, das wohl selbst Kennern ein Rätsel bleibt, faszinierend darzustellen, braucht es vermutlich grösseren Raum, perfektes Licht und perfekte Akustik.

Und auch die Roboter-Vision des tschechischen Schriftstellers Karel Capek von 1920 mutet zu anspruchsvoll an, um sie in den Mittelteil eines Dreiteilers zu packen, der gleichzeitig Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beschwören will, und das mit riesigem Ensemble. Der Fokus scheint zu fehlen. Die Gedanken während der Vorstellung schweifen ab. Die nervige Kritikerin ist der Ansicht: Den Capek in der Kiste lassen, Roboter sind was fürs Kino und richtig teure Sci-Fi-Filme, und den Kandinsky ruhen lassen im ewigen Gelb. Lieber etwas mehr Revue.

Rezept für eine «braune Suppe»

Denn der dritte Teil macht richtig Spass. Die Darsteller scheinen förmlich aufzublühen, und das Publikum schüttelt seine steifen Glieder und gewinnt an Lockerheit, so dass man die ersten Lacher und begeisterten Rufe hört. Gelbe und graue Gestalten mit Wehklagen in der Stimme werden abgelöst von Tänzern in Glanz und Glitter.

Ein Koch präsentiert mit viel Wortwitz sein Rezept einer «braunen Suppe»: «Sparen wie die Urahnen und nix Fremdes rein, nur Kohl und Rüben, entfernen Sie alles Rote und Grüne. Sie sind der Herr in Ihrer Küche.»

Eine Meerjungfrau und das «Staatsballett der nicht mehr so ganz autonomen Republik Krim» haben auch noch ihren klangstarken Auftritt, bevor vier Männer im Schlauchboot mutig dem Ende entgegentreten, mit den Comedian Harmonists: «Gib mir den letzten Abschiedskuss, weil ich dich heut verlassen muss.»

Weitere Vorstellungen von «Triptychon» im Luzerner Kleintheater sind heute, 21. September, und morgen, 22. September, jeweils um 20 Uhr. www.kleintheater.ch

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